München - Die Patriots verlieren erst zum siebten Mal in Bill Belichicks langer Amtszeit zwei Spiele in Folge. Die Fehler geben Rätsel auf. Tom Brady fordert Disziplin.

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Bill Belichick wirkte für einen kurzen Moment völlig versteinert.

Natürlich kommt der Erfolgstrainer der New England Patriots eher selten in die Verlegenheit, für einen Spaßvogel gehalten zu werden, aber die wahrscheinlich schlechteste Hälfte seiner 19-jährigen Amtszeit machte ihm deutlich zu schaffen.

Ein 3:13-Rückstand gegen Detroit und seinen bis dahin sieglosen Ex-Assistenten Matt Patricia, eine überforderte Defense und ganze 8:34 Minuten Ballbesitz.

"Wir haben überhaupt nichts gut genug gemacht, um eine Chance auf den Sieg zu haben. Es war ähnlich wie in der vergangenen Woche: wir lagen früh hinten und kamen nicht zurück", bilanzierte Belichick im Anschluss an die zweite Pleite in Folge. (Hier zum NFL Spielplan 2018/19).

Patriots lassen Qualität vermissen

Das einstige Überteam der NFL macht uncharakteristische Fehler, lässt Kreativität und Emotionen vermissen und selbst Superstar Tom Brady trifft fragwürdige Entscheidungen. Die Patriots haben ihre Identität verloren.

Zwar startete New England im vergangenen Jahr auch mit zwei Niederlagen aus den ersten vier Spielen und stürmte danach in den Super Bowl - doch das aktuelle Team scheint nicht diese Qualität zu haben. Jacksonville und Detroit dominierten die Spiele.

Die Abgänge in Abwehr und Angriff wie die Receiver Brandin Cooks und Danny Amendola, Left Tackle Nate Solder oder Cornerback Malcolm Butler wurden nicht ansatzweise gleichwertig ersetzt.

Hinzu kommt die Sperre von Julian Edelman (noch ein Spiel) und einige Verletzungsprobleme. Rookie-Running-Back Sony Michel braucht noch Zeit.

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"Spielen keinen Patriots-Football"

Dennoch war es immer die Stärke von Belichick und Brady, allen Widrigkeiten zu trotzen. Irgendwie fanden sie immer den nächsten Wes Welker, Chandler Jones oder Rodney Harrison.

Irgendwie fanden sie immer die richtige Antwort auf Kritik, Unruhe von außen oder kurzfristige Rückschläge. Aber diese Magie scheint Belichick abhanden gekommen zu sein.

Seit 2003 hatte er nach einer Niederlage 45 von 51 Spielen gewonnen. Seine Teams waren immer für eine Sache bekannt: sie schlugen sich nie selbst.

Gegen Detroit sah das anders aus. Drei Angriffsserien ohne First Down vor der Pause, eine Strafe für zwölf Verteidiger auf dem Feld (bei Perfektionist Belichick undenkbar) und eine völlig unnötige Interception, als Brady in Doppeldeckung auf Phillip Dorsett werfen wollte.

"Wir spielen einfach keinen Patriots-Football. Wir machen einfach nicht, was wir machen sollten. Es fehlt die Konstanz", fällte Safety Duron Harmon ein vernichtendes Urteil.

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Stimmt es beim NFL-Überteam intern noch?

Dabei ist die reine Qualität auf dem Feld nur eines der Probleme, schließlich könnten Neuzugang Josh Gordon und Edelman ab Woche fünf den Angriff variabler machen.

Es scheint vielmehr intern nicht mehr zu stimmen. Die Krisenherde sind vielfältig.

Star-Tight-End Rob Gronkowski sollte um den Draft nach Detroit geschickt werden, drohte danach mit Rücktritt, dazu die Butler-Degradierung direkt vor dem Kickoff des Super Bowls, der Machtkampf zwischen Belichick und Eigner Robert Kraft wegen des Trades von Jimmy Garoppolo nach San Francisco und nicht zuletzt das Dauerthema um Brady und seinen Fitness-Guru Alex Guerrero.

Brady fordert mehr Disziplin

Vielleicht ist doch zu viel kaputtgegangen. Die schludrigen, fehlerbehafteten Auftritte deuten zumindest an, dass Belichick an Autorität verloren haben könnte.

"Wir machen nicht genug Punkte und schaffen es nicht, unseren Plan umzusetzen. Wir reden im Training sehr viel, aber auf dem Feld kriegen wir es nicht hin. Das müssen wir schleunigst korrigieren. Es geht um harte Arbeit und Disziplin. Wir müssen Lösungen finden", sagte Brady, der unter seiner schwachen Offensive Line leidet.

Vor allem müssen die Patriots sich selbst finden - schnell. Sonst könnte die Ära ein unwürdiges Ende finden.