Josh Gordon wechselte von den Cleveland Browns zu den New England Patriots © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/Imago

München - Als die Browns sich von Josh Gordon trennen wollen, greifen die Patriots zu. Doch was will New England mit dem Skandalprofi? SPORT1 erklärt die Hintergründe.

von Stefan Schnürle , Franziska Wendler

Die Cleveland Browns hatten endgültig genug: Nachdem NFL-Skandalprofi Josh Gordon sich bei einem nicht genehmigten Werbe-Dreh verletzt hatte und vermutlich unter Drogeneinfluss auf dem Trainingsgelände erschienen war, zogen die Browns die Reißleine.

"In den letzten sechs Jahren haben wir Josh unterstützt und in ihn investiert, auf beruflicher wie persönlicher Ebene, jetzt sind wir aber leider an einem Punkt angekommen, an dem wir uns besser trennen", erklärt General Manager John Dorsey die bevorstehende Trennung.

Gordon war in den vergangenen Jahren immer wieder durch seine Drogen- und Alkoholeskapaden aufgefallen und auch deshalb nur auf 35 NFL-Spiele gekommen. Denn den Großteil der letzten vier Spielzeiten war Gordon wegen diverser Drogendelikte aus der NFL verbannt.

In einem GQ-Interview gestand der Wide Receiver Ende 2017 sogar, dass er vor jedem seiner Einsätze Drogen konsumiert hatte. Für Gordon sei die Einnahme von Drogen oder Alkohol demnach eine Art "Ritual vor jedem Spiel" gewesen.

Das sehen die Patriots in Gordon 

Dennoch hat Gordon mit den New England Patriots schon wieder eine neue Heimat in der NFL gefunden. Doch warum geht das Überteam der vergangenen Jahre dieses Risiko ein?

Zunächst einmal ist das Talent des 2012 gedrafteten Gordons unbestritten. So wurde er 2013 unter anderem in das All-Pro-Team der NFL gewählt. Um das abrufen zu können, muss der 27-Jährige allerdings endlich einmal clean bleiben.

Daran zweifeln einige Teams in der NFL - nicht so die Patriots, denen die Dienste von Gordon immerhin ein Fünftrundenpick wert ist. Falls Gordon nicht mindestens zehn Spiele aktiv ist, werden die Patriots laut NFL-Experte Adam Schefter einen Late-Round-Pick zurückerhalten.

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Patriots haben Receiver-Problem

Diese Marke sollte er jedoch schaffen, da die Patriots anders als noch in den vergangenenen Jahren auf der Receiver-Position dünn besetzt sind. Julian Edelman ist noch bis Woche fünf suspendiert, mit Brandin Cooks und Danny Amendola verließen zwei enorm wichtige Wideouts das Überteam, dazu verloren die Patriots in Running Back Dion Lewis einen weiteren Playmaker in der Free-Agency-Phase. 

Gordon dürfte daher die Offensive der Patriots mit seiner Explosivität beleben, was durchaus nötig ist, wie die 20:31-Niederlage gegen die Jacksonville Jaguars am Wochenende zeigte.

Oberste Voraussetzung dafür ist aber natürlich, dass Gordon - der sich 2016 sogar in eine Reha-Behandlung begeben hatte - seine Probleme abseits des Feldes ein für allemal in den Griff bekommt.

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An Bradys Seite blühen viele auf

Das richtige Team dafür hat er gefunden: Die Patriots um Superstar Tom Brady haben bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass sie "Problemspieler" wie Gordon in die Spur kriegen und zu wertvollen Spielern machen können.

Gute Beispiele dafür sind Randy Moss, Michael Floyd, Corey Dillon, Chris Long und Shea McClellin, die nach einer schwierigen Zeit allesamt bei den Patriots aufblühten.

Moss war lange Zeit ein absoluter Skandalprofi, der zwischenzeitlich von der NFL wegen Marihuana-Missbrauchs gesperrt wurde. Bei Interviews stellte er sich die Fragen selbst, er bepöbelte Schiedsrichter oder bespritzte sie mit Wasser. Auch Fans und Gegner verspottete er gerne und deutete schon einmal an, die Hosen vor ihnen runterzulassen.

Moss wird in Hall of Fame aufgenommen

Die Patriots schafften es zwar nicht, Moss alle Flausen auszutreiben - auf dem Platz zeigte er sich aber nicht mehr lustlos wie noch zu Raiders-Zeiten. Unter anderem stellte er sogar den Rekord für Touchdown-Receptions in einer Saison auf. 2018 wurde Moss in die Pro Football Hall of Fame aufgenommen.

Ähnlich war es bei Floyd, der an einer Ampel stehend betrunken am Steuer seines Wagens eingeschlafen war und von den Arizona Cardinals rausgeworfen wurde. Die Patriots nahmen ihn auf und Floyd bedankte sich mit einem Mega-Hit beim Sieg gegen die Miami Dolphins, der den Patriots den Titel in der AFC sicherte.

Es wäre daher nicht verwunderlich, wenn Gordon bei den Patriots an der Seite von Brady ähnlich aufblüht. Ein typischer Patriots-Coup eben.

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