München - Le'Veon Bell liegt mit den Pittsburgh Steelers im Dauer-Vertragsstreit. Aktuell streikt der Running Back und verpasste den Start. Wer ist schuld? Wie geht es weiter?

von Eric Böhm

Die Pittsburgh Steelers haben eine klare Botschaft geschickt.

Im seit Anfang 2017 andauernden Vertragsstreit mit ihrem Superstar Le'Veon Bell ist weiterhin kein Ende in Sicht - im Gegenteil: die Fronten scheinen verhärteter denn je.

Am Mittwoch veröffentlichte das Team seine aktuelle Startformation, darin war bis letzte Woche Bell als erster Running Back aufgelistet, obwohl er seit dem Ende der vergangenen Saison nicht mehr beim Team ist. Nun steht dort Vertreter James Conner.

Wie es mit Bell weitergeht, ist unklar. Die Schuldfrage ist dabei komplizierter als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Der Zoff spaltet nicht nur die Steelers.

Bell lehnt 60-Millionen-Deal der Steelers ab

Aber von Anfang an: Bell ist seit seinem Rookie-Jahr 2013 ein absoluter Schlüsselspieler der Steelers und schaffte es dreimal in den Pro Bowl.

Nach der Saison 2016 endete sein Rookie-Vertrag, beide Seiten wollten weiter zusammenarbeiten, ein Fünfjahresvertrag über 60 Millionen Dollar war dem 26-Jährigen allerdings zu wenig, so spielte er die vergangene Saison unter dem sogenannten Franchise Tag - eine Teamoption, die pro Jahr für einen Spieler gezogen werden kann, aber deutlich teurer als der Durchschnittsverdienst auf der Position ist.

Bell lässt 850.000 Dollar pro Woche sausen

In Bells Fall waren das 2017 12,1 Millionen Dollar. Nachdem er die komplette Vorbereitung bestreikt hatte, unterschrieb er und kehrte in der Woche vor dem ersten Spieltag zurück. Nachdem es auch in diesem Sommer keine Einigung gab, war das gleiche Spiel wie 2017 erwartet worden.

Diesmal tauchte Bell jedoch nicht auf. Weil der Franchise Tag auf 14,5 Millionen gestiegen ist, verzichtet der Running Back nun auf rund 850.000 pro Woche.

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NFL ist gespalten

Das Echo in der Liga ist gespalten. Teamkollegen wie Center Maurkice Pouncey reagierten vor dem Auftakt-Remis gegen Cleveland extrem sauer. Bell würde sie im Stich lassen und nur an sich denken. Ähnlich sieht es der frühere Running Back LaDanian Tomlinson: "Ich glaube, er will sich für sein neues Team aufsparen."

Andererseits bekam Bell Unterstützung von Mitspieler David DeCastro ("Wir mögen Le'Veon. So ist das Business") oder Ex-Kollege DeAngelo Williams auf Twitter: "Im Business stehst du unter Vertrag, wie kann er das Team im Stich lassen, wenn er nur sein verdientes Geld will. Es ist nur ein Team, wenn alle glücklich sind."

NFL-Tarifvertrag als Auslöser

Wie konnte es zu der verfahrenen Situation kommen? Die Antwort: der NFL-Tarifvertrag.

Eigentlich soll die Franchise-Tag-Regelung die Ballung von Topstars in größeren Märkten - wie in der NBA mit den Miami Heat oder aktuell Golden State Warriors - verhindern.

Allerdings wird sie immer öfter dafür benutzt, den Salary Cap auszureizen und lukrative Verträge für Starspieler länger hinauszuzögern.

Den Franchise Tag nicht zu unterschreiben, ist für den Spieler nahezu die einzige Möglichkeit, Druck auf das Team auszuüben. Oder man riskiert es mit den Einjahresverträgen, bis es dem Team zu teuer wird, wie zuletzt Quarterback Kirk Cousins.

Bell hat legitimen Standpunkt

Bells Argumentation ist jedoch nachvollziehbar. Er hatte im vergangenen Jahr mehr als 400 Mal den Ball, das Verletzungsrisiko für Running Backs ist extrem hoch.

Zudem können auch die besten Runner nur selten in ihren Mittdreißigern auf dem hohen Niveau mithalten. Die meisten Running Backs bekommen einen großen Vertrag. Die Megadeals für Aaron Donald oder Khalil Mack dürften Bell in seinem Glauben bestärken.

Die Steelers sind allerdings auch nicht wirklich der Buhmann. Sie wollen schlicht für eine relativ ersetzbare Position nicht exorbitant viel Geld ausgeben und sich so jeden Spielraum nehmen.

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Woche 10 ist entscheidend

Wie geht es jetzt weiter? Aktuell sprechen beide Seiten nicht miteinander.

Bell kann maximal die ersten neun Spiele bestreiken. In Woche zehn muss er zurückkommen, will er nach der Saison Free Agent werden. Ansonsten würde die Saison für Bell nicht zählen und er wäre weiter an den Franchise Tag gebunden.

Die Steelers könnten theoretisch den Tag zurückziehen, dann würde Bell allerdings sofort Free Agent. Diese Möglichkeit hat das Team bereits ausgeschlossen.

Folgen für die NFL?

Denn das Team von Mike Tomlin rechnet sich eine Super-Bowl-Chance aus. Dafür brauchen sie Bell, trotz der guten Leistung von Conner am ersten Spieltag.

Der NFL könnte der Zoff auch Ärger einbringen, denn der aktuelle Tarfivertrag endet nach der Saison 2020. Die Franchise-Tag-Regelung dürfte die Spielergewerkschaft zumindest ändern wollen. Cornerback Richard Sherman deutete bereits an, dass es zu einem Arbeitskampf kommen könnte.

Aktuell hat diese Saga also nur Verlierer.