München - Die Cleveland Browns warten in der NFL seit Ewigkeiten auf einen Sieg. Die Franchise sieht sich Hohn und Spott ausgesetzt, dennoch gibt es für die Fans Hoffnung.

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635 Tage ist es her, dass die Fans der Cleveland Browns Grund zur Freude hatten. An Heiligabend 2016 durften sich die Anhänger über das letzte Geschenk ihres Teams freuen. Gegen San Diego feierten die Browns damals einen knappen 20:17-Sieg.

Alleine der Name des Gegners sagt dabei bereits viel über die Leidenszeit in Cleveland aus. Seit mehr als eineinhalb Jahren gibt es die San Diego Chargers (heute L.A. Chargers) schon nicht mehr.

In der Zwischenzeit wünschte man sich beim Team in Ohio nichts mehr, als einen Sieg in der NFL. Geklappt hat es bis heute nicht.

Dabei waren die Browns in den letzten Spielen so nahe dran waren wie schon lange nicht: Im Saisonauftakt gegen die Pittsburgh Steelers reichte es lediglich zu einem Unentschieden, in der vergangenen Woche gegen die Saints vermiesten vier Fehlschüsse vom mittlerweile entlassenen Kicker Zane Gonzalez einen möglichen Triumph.

Die Browns, seit Jahren DIE Lachnummer der NFL, waren ihrem Ruf mal wieder komplett gerecht geworden. Dabei sollte diese Saison doch endlich alles besser werden.

Erfolge der Browns ewig her

Aber von Anfang an: Die Fans der Browns leiden seit Jahren. In den letzten 37 Spielen gelang Cleveland nur ein einziger Sieg – jener gegen San Diego an Weihnachten 2016.

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Dabei gab es bei den Browns durchaus erfolgreiche Zeiten - diese liegen aber schon Jahrzehnte zurück. 1964 wurde das Team zum letzten Mal Meister. Und auch an die letzte Playoff-Teilnahme vor 16 Jahren kann sich die jüngere Generation nur dunkel oder gar nicht erinnern.

2002 scheiterten die Browns in der Wild-Card-Round an den Steelers, seitdem läuft es im US-Bundesstaat Ohio ausgesprochen schlecht. 26 Starting Quarterbacks hat das Team seither verschlissen, darunter unter anderem den völlig überbezahlten Brock Osweiler und Skandalnudel "Johnny Football" Manziel. Kommt Erstrundenpick Baker Mayfield in den nächsten Spielen zum Einsatz, sind es bereits 27.

Falsche Draft-Picks

Der 23-jährige Mayfield ist aktuell der große Hoffnungsträger und eignet sich aber trotzdem als Beispiel für die mitunter fragwürdige Personalpolitik der Franchise.

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Beim NFL Draft 2018 hatten die Browns die Picks eins und vier. Anstatt sich aber den absoluten Top-Running-Back Saquon Barkley zu sichern, haben sich die Browns mit dem allerersten Wahlrecht für Mayfield entschieden. Ohne Zweifel ein guter Spielmacher - an Position vier hätte man ihn oder einen anderen Top-Quarterback aber locker noch bekommen.

Seit Jahren steht Cleveland in der Tabelle ganz hinten, dementsprechend kann das Team auch schon seit Jahren im Draft die besten Spieler abgreifen. Zu einer Verbesserung der Ergebnisse hat das kaum beigetragen.

2014 drafteten die Browns an Position 22 den damals schon berüchtigten Quarterback Manziel. Dieser fiel im Anschluss aber mehr mit Drogen-Eskapaden als mit guten Leistungen auf.

Fans reagieren mit Humor

Für die Fans bleibt häufig nur noch Galgenhumor, um sich über die Realität hinwegzutrösten. Regelmäßig sieht man im FirstEnergy Stadium Plakate verzweifelter Fans, die sich einen Sieg erhoffen.

Viele Fans wünschen sich nichts sehnlicher als einen Sieg der Browns
Viele Fans wünschen sich nichts sehnlicher als einen Sieg der Browns © Getty Images
Die jüngeren Fans der Franchise kennen nur erfolglose Zeiten
Die jüngeren Fans der Franchise kennen nur erfolglose Zeiten © Getty Images

Auch vor dem Spott der gegnerischen Fans bleibt Cleveland nicht verschont. Nachdem die vergangene Saison mit einer Bilanz von 0:16 und die vorherige mit 1:15 zu Ende ging, verwundert dies aber kaum.

Auch die gegnerischen Fans haben viel Häme für die Browns übrig
Auch die gegnerischen Fans haben viel Häme für die Browns übrig © Getty Images

Verbesserte Defensive macht Hoffnung

Dennoch schöpfen die gebeutelten Anhänger langsam Hoffnung. Nachdem die Browns im Draft 2017 Defensive End Myles Garrett verpflichtet haben, steht die Defensive stabiler als in den letzten Jahren. Außerdem steht mit Wide Receiver Jarvis Landry ein Top-Mann bereit, mit Running Back Carlos Hyde wurde ebenfalls hochkarätig nachgelegt, Quarterback Tyrod Taylor kam ebenfalls neu ins Team.

Das Trio war gemeinsam mit Receiver Josh Gordon Grund für die aufkeimende Hoffnung, die Browns galten vor der Saison als heißester Kandidat für eine Überraschung.

Aber die Browns wären eben nicht die Browns, hätten sie diese Erwartungen einfach erfüllt, ohne sich lächerlich zu machen. Der jahrelang wegen Drogenmissbrauchs gesperrte Gordon verletzte sich bei einem nicht genehmigten Videodreh und wurde gefeuert, weil das Team große Zweifel hatte, dass er wieder rückfällig wird, und Kicker Gonzalez verballerte an zwei Spieltagen zwei Siege und darf sich Richtung Arbeitsamt aufmachen.

Die nächste Chance auf einen Sieg bietet sich Cleveland im Thursday Night Game gegen die New York Jets - auch die haben in den letzten Jahren keine Bäume ausgerissen. Gut möglich also, dass die Browns ihr Image als Dauer-Verlierer demnächst loswerden.

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