München und Green Bay - EQ St. Brown startet in seine erste NFL-Saison bei den Packers. Bei SPORT1 spricht er über Aaron Rodgers, Probleme beim Essen und macht eine Titel-Ansage.

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Er soll der Wegbereiter einer deutschen NFL-Dynastie werden: Mit Equanimeous St. Brown hat es der erste von drei deutsch-amerikanischen Receiver-Brüdern bereits in die beste Football-Liga der Welt geschafft.

Im Draft zogen die Green Bay Packers den 21-Jährigen in der 6. Runde. Nach einigen Highlights und Dämpfern in der Preseason hat EQ den Kader-Cut der Packers schadlos überstanden und wird in Zukunft die Pässe von Aaron Rodgers fangen.

Im SPORT1-Interview spricht das deutsche Top-Talent über den Quarterback-Superstar, seine Konkurrenten auf der Receiver-Position und macht eine Super-Bowl-Ansage.

SPORT1: EQ, Sie haben Ihre erste NFL-Vorbereitung geschafft. War es so hart, wie immer behauptet wird?

Equanimeous St. Brown: Es war tatsächlich nicht wirklich hart für mich, ich bin ja meinen Vater gewohnt. Nein, ich habe mich im Juni und Juli mit ihm in Kalifornien extrem gut vorbereitet. Das hat sich ausgezahlt.

SPORT1: Was ist der größte Unterschied zwischen NFL und College?

St. Brown: In der NFL geht es viel schneller als im College, es wird während des Trainings nicht so viel erklärt. Du musst alles viel schneller verstehen. Sie erwarten, dass du die Spielzüge perfekt verstehst. Für mich war das Playbook kein Problem, das war aber auch am College schon so.

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SPORT1: Die Packers haben hinter Davante Adams und Randall Cobb sehr viele junge Receiver. Wie sehen Sie Ihre Chance auf Spielzeit in der regulären Saison?

St. Brown: Das kann ich nicht einschätzen. Ich gebe in jedem Training und im Spiel immer alles, mehr kann ich nicht tun.

SPORT1: Was war es für ein Gefühl, zum ersten Mal in einem NFL-Spiel auf dem Feld zu stehen?

St. Brown: Es war überwältigend, das muss ich schon zugeben. Im Trikot eines so traditionsreichen Teams aufzulaufen, war sehr cool. Mein Vater war ja dabei in Green Bay, meine Mutter hat aus Deutschland mitgefiebert, es war ein sehr besonderer Tag.

SPORT1: Mit Aaron Rodgers haben Sie den aktuell vielleicht besten Quarterback der NFL. Was ist er für ein Typ?

St. Brown: Er ist definitiv eine Respektsperson. Das spürst du in seiner Gegenwart sofort. Wenn er etwas sagt, hören alle zu.

SPORT1: Zuletzt hatte Rodgers nach einer Trainingseinheit ein bisschen auf die jungen Receiver geschimpft. Wie geht er mit den jungen Spielern um?

St. Brown: Eigentlich eher zurückhaltend, er redet nicht so viel. Aber es ist bei jedem Spielzug natürlich schon irgendwo im Kopf drin, dass da gerade Aaron Rodgers auf dich wirft. Das geht aber auch relativ schnell wieder vorbei, du bist dann im Tunnel.

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SPORT1: Die Coaches schwärmen von Ihren körperlichen Voraussetzungen. Woran müssen Sie noch arbeiten, um es in der NFL zu schaffen?

St. Brown: Ich denke, ich muss an allem immer arbeiten: Fangsicherheit, die Routen, Blocken für das Laufspiel. Ganz wichtig ist auch mein Gewicht. Ich muss während der Saison darauf achten, keine Kilos zu verlieren. Ich esse nicht so gerne, das wird also für mich schwierig, aber aktuell sieht es von der Kraft her ganz gut aus.

SPORT1: Mit Rodgers' Backup DeShone Kizer haben Sie am College gespielt - ist er im NFL-Alltag eine Hilfe?

St. Brown: Auf jeden Fall! Ich habe in Green Bay auch bei ihm gewohnt und musste nicht wie die anderen Rookies ins Hotel. Das war schon einmal sehr angenehm. Er hat mir auch schon einige Insider-Tipps gegeben, zum Beispiel wie Aaron seine Bälle am liebsten wirft oder auch über das Team und die Stadt. Wir verstehen uns ja eh sehr gut, von daher war er eine sehr große Hilfe für mich. Wir haben auch in Kalifornien zusammen trainiert.

SPORT1: Das Team war jetzt lange im Training Camp, haben Sie schon etwas von Green Bay und den positiv verrückten Fans mitbekommen?

St. Brown: Ja, wir hatten schon einige Events, da kam ich mit Fans in Kontakt. Ich kann auf jeden Fall sagen: Sie lieben ihre Packers.

SPORT1: Mit Rodgers sind die Packers immer ein Super-Bowl-Kandidat. Aber Minnesota ist ein starkes Team in der Division. Was geht 2018 für Green Bay?

St. Brown: Super-Bowl-Champion!

SPORT1: Gibt es einen gegnerischen Spieler auf den Sie sich in der regulären Saison besonders freuen?

St. Brown: Eigentlich nicht. Egal wer da kommt, ich muss immer in Höchstform sein.

SPORT1: Ein großes NFL-Thema sind die Proteste gegen soziale Ungerechtigkeit. US-Präsident Donald Trump schaltet sich immer wieder ein und versucht, die Proteste falsch darzustellen. Wie sehen Sie das?

St. Brown: Ich habe auch schon Ungerechtigkeiten wegen meiner Hautfarbe erlebt und musste mich damit auseinandersetzen. Das habe ich immer mit der Unterstützung meiner Familie gemacht, aber ich beschäftige mich nicht mit Trump. Ich werde bei der Hymne stehen.

SPORT1: Deutschland wartet schon lange auf einen Offensivspieler, der für Spektakel und Touchdowns sorgen kann. Was dürfen die deutschen Fans erwarten?

St. Brown: Wenn ich - hoffentlich - zum Einsatz komme, werde ich mir schon die eine oder andere Sache überlegen, um für gutes Entertainment zu sorgen.

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