München und Minneapolis - Die Pleite im Super Bowl könnte für die Patriots zur Zeitenwende werden. Gronkowski denkt an Rücktritt, Leistungsträger gehen wohl. Was wird aus Brady und Belichick?

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Alles war angerichtet für den klassischen Tom-Brady-Moment.

Fünf Punkte Rückstand, gut zwei Minuten auf der Uhr - alle Fans der New England Patriots hatten bereits den Jubelschrei für das nächste glanzvolle Comeback auf den Lippen.

Aber diesmal sollte es nicht sein, diesmal ging Sunnyboy Brady im entscheidenden Moment die Magie aus, mit seinem Fumble glitt ihm auch der sechste Super-Bowl-Triumph aus den Händen.

"Sie hatten die eine gute Aktion zum richtigen Zeitpunkt", sagte der 40-Jährige kurz nach der bitteren 33:41-Niederlage in Super Bowl LII gegen die Philadelphia Eagles.

Super Bowl: Letztes Hurra der Patriots?

Dabei könnte das Bild von Brady, wie er völlig enttäuscht auf der Bank in sich zusammensackt, Symbolcharakter haben. Denn die Patriots-Ära könnte nach 18 Jahren vor ihrem Ende stehen.

Die Highlights des Super Bowls im Video:

Nach dem achten Super Bowl unter der Führung von Coach Bill Belichick und Spielmacher Brady werden einschneidende Veränderungen das Gesicht der Patriots verändern.

Belichick wird seine beiden wichtigsten Assistenten Matt Patricia (Cheftrainer in Detroit) und Josh McDaniels (Cheftrainer in Indianapolis) verlieren, vielleicht geht auch Linebacker-Coach Brian Flores (in Arizona im Gespräch).

Patriots mit einigen Free Agents

Auch bei den Spielern wird sich einiges tun. Nach der bizarren Degradierung von Star-Cornerback Malcolm Butler unmittelbar vor dem Kickoff dürfte der einstige Super-Bowl-Held wohl kaum bleiben wollen.

Neben Butler gibt es in Dion Lewis, Kyle Van Noy, Nate Solder, Danny Amendola, Rex Burkhead und den wichtigen Special Teamern Nate Ebner und Matthew Slater einige Schlüsselspieler, deren Verträge enden. Mit den aktuellen rund 23 Millionen unter dem Salary Cap werden sie kaum alle halten oder das Team verstärken können.

Gronkowski denkt an Rücktritt

Zudem sorgte Tight End Rob Gronkowski nach dem Spiel für Schlagzeilen. Es sei nicht sicher, dass er seine Karriere fortsetzen werde.

"Ich werde definitiv über meine Zukunft nachdenken. Ich werde mich irgendwann in den nächsten zwei Wochen hinsetzen und meine Situation bewerten", sagte "Gronk".

Der beste Tight End der NFL hat schon eine lange Liste an schweren Verletzungen, laborierte zuletzt an einer heftigen Gehirnerschütterung. Es ist durchaus realistisch, dass er seiner Gesundheit den Vorzug gibt.

Patriots: Brady will weitermachen

Und dann gibt es ja auch noch die Spkulationen um das Erfolgsduo Brady/Belichick selbst. Brady - der frischgebackene Saison-MVP - schloss einen Rücktritt unmittelbar nach der Niederlage aus.

"Ich denke, ich werde wiederkommen. Das Spiel ist gerade 15 Minuten zu Ende, ich muss das erst einmal verarbeiten, aber ich sehe keinen Grund aufzuhören", sagte Brady.

Tatsächlich zeigte Brady trotz des bitteren Endes, dass er immer noch der beste Spielmacher der NFL ist. Am Ende standen für ihn herausragende 505 Passyards zu Buche, besser war Brady auch vor 15 Jahren nicht, insofern sind ihm noch gute Jahre zuzutrauen.

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Stimmt es noch zwischen Brady und Belichick?

Interessanter ist, ob er weiter mit Belichick zusammenarbeiten wird. Trotz der Empörung über die große ESPN-Geschichte zu den Zerwürfnissen zwischen Brady und Eigentümer Robert Kraft auf der einen Seite und Belichick auf der anderen, ist da definitiv etwas dran.

Sämtliche Insider und Kraft selbst bestätigten mit ihren Aussagen gewisse Spannungen, vor allem wegen Bradys Fitness-Guru Alex Guerrero und dem Trade seines Ersatzmannes Jimmy Garoppolo nach San Francisco, den Belichick unbedingt behalten wollte.

Ob er noch einmal die Energie hat, einen neuen Brady-Kronprinzen aufzubauen, ist die große Frage. Dass intern nicht alles stimmt, zeigen die Butler-Episode oder Bradys Wutausbruch an der Seitenlinie im Dezember in Buffalo.

Vollmer hält Belichicks Rücktritt für möglich

Vor diesem Hintergrund ist ein Abschied Belichicks durchaus vorstellbar. Er hat sich in Foxboro nichts mehr zu beweisen, im Gegensatz zu Brady, der es vielleicht noch einmal ohne seinen genialen Lehrmeister wissen will.

"Die Gefahr besteht immer. Bills Ehrgeiz sollte man aber nicht unterschätzen. Vielleicht will er es auch nochmal allen zeigen. Bill kennt seit 40 Jahren nichts anderes, er schläft in seinem Büro - wirklich. Wer weiß?", sagte Ex-Patriot Sebastian Vollmer bereits vor dem Super Bowl bei SPORT1.

In der kommenden Woche soll es offenbar die große Aussprache geben. Ob die so extrem von Erfolg getriebene Zweckgemeinschaft noch einen weiteren Anlauf auf Titel Nummer sechs nimmt, darf mehr denn je bezweifelt werden.