Thomas Davis von den Carolina Panthers tritt mit gebrochenem Arm zum Super Bowl an Denver Broncos
Thomas Davis von den Carolina Panthers tritt mit gebrochenem Arm zum Super Bowl an Denver Broncos © dpa Picture-Alliance
Lesedauer: 4 Minuten

San Francisco und San Jose - Thomas Davis tritt mit gebrochenem Arm zum Super Bowl der NFL an - nur ein Beispiel von vielen für das problematische Selbstverständnis der Football-Größen.

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Super Bowl ist, wenn Experten die vorsätzliche Schädigung des Gegners empfehlen. So geschehen in dieser Woche.

Experte Rodney Harrison, ehemaliger Spieler der New England Patriots und heute im Dienst des TV-Senders NBC, erklärte ganz offen, wie er Quarterback Cam Newton stoppen würde.

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Er würde Newton "ausschalten", sagte er und ging ins Detail: "Ich würde versuche, ihn zu verletzen. Ich würde direkt auf sein Knie gehen. Das muss das Ziel sein."

Kein Platz für Zweifel

Der Vorfall zeigt wie knallhart, ja fast schon pervers, das Selbstverständnis der Sportart American Football ist.

Für SPORT1 beim Super Bowl vor Ort: Florian Weiß, Tobias Wahnschaffe, Julian Ignatowitsch (v.l.)
Für SPORT1 beim Super Bowl vor Ort: Florian Weiß, Tobias Wahnschaffe, Julian Ignatowitsch (v.l.) © SPORT1

"Für Angst oder Zweifel ist in unserer Sportart kein Platz", meint Denvers Verteidiger Derek Wolfe im Gespräch mit SPORT1. Im Gegenteil: "Es ist als würdest du in eine Schlacht gehen. Du willst den Anderen dominieren, du willst ihn in die Hölle schicken. Ich fühle mich wie ein Gladiator", so Wolfe weiter.

Immerhin von vorsätzlicher Schädigung spricht er nicht.

Eine schlimme Verletzung im Super Bowl? Es wäre nicht das erste Mal.

Schlimme Verletzungen en Masse 

Green Bays Charles Woodson brach sich 2011 im Super Bowl XLV das Schlüsselbein, ein Jahr später erwischte es New Yorks Jack Ballard mit einem Kreuzbandriss. 

Eines der brutalsten Endspiele war der Super Bowl XXIII (1989): Erst brach sich San Franciscos Steve Wallace das Wadenbein, dann ging Cincinnatis Tim Krumrie mit Knöchel-, Schien- und Wadenbeinbruch zu Boden. Er weigerte sich zunächst ins Krankenhaus zu fahren, wollte das Spiel in der Kabine zu Ende schauen, ehe ihn die Mediziner doch umstimmen konnten. 

Im Film "Any Given Sunday" von Oliver Stone, der die Welt des Footballs polemisiert, wird einem Spieler an einer Stelle ein Auge ausgerissen. So etwas ist in der NFL zwar noch nie passiert, zeigt aber zu welchen drastischen Bildern ein Regisseur greifen muss, wenn er in einer Sportart, wo Arm-, Bein- und Fußbrüche an der Tagesordnung sind, überhaupt noch jemanden provozieren will.

Hauptproblem Gehirnerschütterungen

Die häufigsten und schlimmsten Verletzungen passieren beim American Football allerdings tagtäglich im Kopfbereich: Die "Concussion"-Diskussion zur Gefahr von Gehirnerschütterungen ist derzeit wieder aktuell - und ebenfalls ein Thema im gleichnamigen Kinofilm "Concussion" mit Will Smith (Start in Deutschland: 18. Februar).

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Rund jeder vierte Footballer leidet nach der Karriere an der neurologische Krankheit CET (Chronisch traumatische Enzephalopathie), mit Symptomen wie Depressionen, Angstzuständen, Gedächtnis- und Konzentrationsverlust.

Gleich mehrere Spieler haben sich in den vergangenen Jahren aufgrund deren Spätfolgen umgebracht. Beim Highschool-Football gibt es immer wieder Tote, insbesondere die Spielzüge beim Punt und Kickoff sind mit ihren langen (An-)Läufen gefährlich.

Obama will kein Football-Kind

Präsident Barack Obama, selbst Fan, ließ verlauten, er würde nicht wollen, dass sein Sohn professioneller Footballer wird. Für viele andere Kinder ist Football dagegen die Chance auf ein besseres und wohlhabendes Leben.

Die NFL hat die Gefahren lange ignoriert und Angst vor einem Imageschaden. In den letzten fünf Jahren gab es nun mehr als 20 Regeländerungen, um den Sport weniger brutal zu machen.

Helmstöße sind mittlerweile verboten, der Kick-off verkürzt und bei der Diagnose Gehirnerschütterung darf ein Spieler nicht mehr auflaufen. "Trotzdem ist unser Sport so hart wie kaum ein anderer", sagt Star Lotulelei zu SPORT1: "Ähnlich sind wohl nur Boxen, Ultimate Fighting oder Rugby."

Entsprechend weckte Harrisons Aussage (zu Newton) in Amerika auch kein großes Aufsehen. Ein paar kurze Meldungen in den Medien.

Gebrochener Arm kein Hindernis

Und wohl überhaupt nur deswegen, weil Newtons Teamkollege Thomas Davis über Twitter zurückfeuerte: "Wie kannst du nur sagen, dass du einen Spieler absichtlich verletzen würdest", schrieb er - und warf Harrison vor, keinen Respekt für das Spiel zu haben. Außerdem: "Schmeißt den Clown aus der Sendung."

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Über Davis selbst gibt es unterdessen vor dem Super Bowl etwas anderes zu erzählen. Er hatte sich beim letzten Playoff-Spiel gegen Arizona (49:15) den Unterarm gebrochen. Am Sonntag will der Verteidiger trotzdem spielen - mit einem Armprotektor. Er trainiert bereits wieder, ist einsatzfähig. 

Dass er mit seinem gebrochenen Arm Gegenspieler tackeln, Bälle wegschlagen und Zweikämpfe bestreiten kann, ist für Davis keine Frage.

Football eben.