Lesedauer: 5 Minuten

München - Die Philadelphia 76ers sind eine der Enttäuschungen der Saison, die einstige Harmonie zwischen Embiid und Simmons ist dahin. Es droht ein gewaltiger Umbruch.

Anzeige

Hinter den Philadelphia 76ers liegt eine brutale Woche.

Zunächst verließ Ben Simmons die NBA-Bubble in Orlando/Florida, um sich einer Operation am linken Knie zu unterziehen. Kurze Zeit später zog sich Joel Embiid, der zweite All-Star im Sixers-Team, eine Knöchelverletzung zu und musste kurzfristig ebenfalls pausieren.

Anzeige

Während Simmons höchstwahrscheinlich nur noch bei einem tiefen Playoff-Run zurückkommen wird, steht Embiid zum Playoff-Auftakt wieder zur Verfügung.

76ers sorgen für Schlagzeilen abseits des Feldes

Als wäre die Verletzung von Simmons nicht schon schlimm genug, sorgten und sorgen die Sixers in diesem Jahr vor allem abseits des Spielfeldes für Schlagzeilen. Dabei galt Philly vor der Saison - neben den Milwaukee Bucks - als Topfavorit im Osten.

Schließlich hatten sie mit Embiid und Simmons ein Star-Duo im Kader und zudem den eigenwilligen Jimmy Butler gegen Josh Richardson eingetauscht.

Meistgelesene Artikel
  • Motorsport / Formel 1
    1
    Motorsport / Formel 1
    Darum überlebte Grosjean
  • Int. Fussball / Premier League
    2
    Int. Fussball / Premier League
    "Beschämend": Gegenwind für Klopp
  • Int. Fußball / Premier League
    3
    Int. Fußball / Premier League
    Jiménez erleidet Schädelbruch
  • US-Sport / NBA
    4
    US-Sport / NBA
    Schröder mit Forderung an Lakers
  • Fussball / Bundesliga
    5
    Fussball / Bundesliga
    Diese drei Probleme hat Bayern

Dieser akzeptierte die Rolle hinter den beiden großen Stars besser als Butler. Zudem kam mit Al Horford von den Boston Celtics noch eine Entlastung für Embiid, der immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hat.

Embiid zweifelte an Willen von Simmons

Auf dem Papier sah alles nach einer starken Starting Five aus, doch Experten bemängelten bereits vor der Saison die fehlende Dreierstärke, die in der heutigen NBA unerlässlich ist. Doch defensiv, so viel war klar, werden diesem Team nur wenige Mannschaften das Wasser reichen können.

Aber es kam anders: Aufgrund vieler Probleme auf dem Spielfeld, kam es abseits davon im Saisonverlauf zu Reibereien. Der exzellente Verteidiger Simmons stellte den Willen im Team in Frage, Al Horford hinterfragte seine Rolle, die deutlich kleiner ist als in den Jahren zuvor bei den Boston Celtics.

Richardson zweifelte an der Bereitschaft für Verantwortung im Team und schließlich griff Embiid Co-Star Simmons persönlich an, indem er dessen Teamfähigkeit in Frage stellte, weil der Australier nicht an seinen Würfen von außen arbeite. 

Desaströse Statistiken

Das Verhältnis der beiden Superstars ist, angesichts solcher Aussagen, nicht das Beste. Das belegen auch die Zahlen. Embiid und Simmons haben in diesem Jahr das schlechteste Net-Rating aller Duos bei den Sixers, die gemeinsam über 800 Minuten auf dem Feld standen.

Einen Anteil an diesen furchtbaren Zahlen haben aber auch die anderen Spieler. Insbesondere Al Horford ist nur ein Schatten seiner selbst, der die ohnehin schon lahmende Sixers-Offense quasi zum Erliegen bringt. 99,3 Punkte bei 100 Ballbesitzen erzielt das Trio Simmons, Horford, Embiid, wenn es gemeinsam auf dem Feld steht – ein Horrorwert.

Zum Vergleich: Die Dallas Mavericks kommen als Team durchschnittlich auf etwa 130 Punkte pro 100 Ballbesitze und haben damit die beste Offense der Liga. Aber auch Tobias Harris und Richardson, der nur 32 Prozent seiner Dreier im Schnitt verwandelt, können die Erwartungen bislang nicht erfüllen.

Embiid und Simmons alleine jeweils besser

Aber da besonders Embiid sich verbal gerne offensiv äußert und die Sixers spätestens seit dem Trade für Tobias Harris im vergangenen Jahr in Richtung Titel schielen, ist die laufende Saison enttäuschend.

DAZN gratis testen und die NBA live & auf Abruf erleben | ANZEIGE 

Frappierend ist vor allem die Tatsache, dass Simmons und Embiid ihre besten Spiele jeweils ohne den anderen machen. Hinsichtlich der Playoffs, böse gesprochen, ein echter Mutmacher. 

Doch die fehlende Chemie zwischen den beiden Philly-Stars wird immer mehr auch Coach Brett Brown angelastet.

In nun drei Jahren hat es der 59-Jährige nicht geschafft, aus dem vielversprechenden Gerüst einen echten Titelanwärter zu formen. Zwar hat er verzweifelt versucht, Simmons zu mehr Dreierversuchen zu überreden, aber inzwischen hat Brown komplett resigniert.

76ers droht großer Umbruch

Schließlich stellte er in der NBA-Bubble Simmons und Embiid gemeinsam unter den Korb, was die Zone noch enger machte. Bei einem Erstrundenaus in den Playoffs dürfte seine Zeit bei den 76ers zu Ende sein, angesichts der Ansprüche, die durch den Kader entstanden sind.

Momentan reicht es nur für Rang sechs, damit warten die Boston Celtics in der ersten Playoff-Runde. In der regulären Saison gewannen die Sixers drei von vier Duellen - Boston ist also eigentlich ein gutes Matchup für Philadelphia. Und besonders auch für Embiid. Denn die Celtics haben keinen richtigen Center, der den 26-Jährigen stoppen kann.

Allerdings sind die Ergebnisse der vergangenen Aufeinandertreffen wenig aussagekräftig, schließlich spielten die aktuellen Entwicklungen damals noch keine Rolle. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Ausfall von Simmons defensiv auswirkt und ob Embiid bis zum Playoff-Auftakt wieder zu 100 Prozent fit ist.

Playoff-Aus könnte fatale Folgen haben

Neben Browns Zukunft stünde bei einem jähen Playoff-Aus wohl das gesamte Team auf dem Prüfstand, schließlich hat Philadelphia eine Menge Geld in einen Kader gesteckt, der in dieser Saison fast durchweg enttäuschte.

Sogar die Combo Embiid und Simmons ist dann wohl nicht mehr unantastbar, wenngleich ein Trade aufgrund der langen Verträge nur schwer vorstellbar ist.

So oder so könnten die vergangenen Wochen erst der Auftakt für harte Zeiten bei den 76ers gewesen sein.