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Der Boykott der Milwaukee Bucks ist ein starkes Zeichen - und die NBA in der Sportwelt genau der richtige Ort, um dieses zu setzen. SPORT1-Kommentar.

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"Es gibt viele Dinge, die sehr viel wichtiger sind als das, was wir auf dem Court machen."

Jayson Tatum von den Boston Celtics fasste seine Stimmungslage am Mittwoch in Worte, seine NBA-Kollegen von den Milwaukee Bucks ließen später am Tag Taten folgen.

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Die Mannschaft von Superstar und Vorjahres-MVP Giannis Antetokounmpo, in der Regular Season bestes Team der Liga und damit heißer Meisterschaftskandidat, erschien zum Spiel gegen die Orlando Magic nicht auf dem Parkett.

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Dabei handelte es sich nicht um irgendeine Partie: Die NBA befindet sich in ihrer Corona-Bubble in Orlando mitten in den Playoffs, mit einem Sieg im fünften Duell der Serie mit den Magic hätten die Bucks das Weiterkommen perfekt gemacht.

Rassismus und Polizeigewalt beschäftigen NBA-Stars

Der Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA steht für einen Großteil der NBA-Profis jedoch ganz oben auf der Liste der Dinge, die wichtiger sind als Basketball.

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Wer die Videoaufnahmen von den Polizeischüssen auf Jacob Blake am vergangenen Sonntag (oder die Bilder von George Floyd, oder von Eric Garner, oder ...) gesehen hat, der versteht, warum.

Sieben Kugeln wurden aus nächster Nähe auf Blake abgefeuert, als er in sein Auto einsteigen wollte. Drei seiner Söhne im Alter von drei, fünf und acht Jahren saßen auf dem Rücksitz. Blake bleibt voraussichtlich gelähmt.

Der Vorfall spielte sich in Kenosha/Wisconsin ab, keine Autostunde entfernt von der Heimspielstätte der Bucks. Kein Wunder also, dass ausgerechnet Antetokounmpo und Co. für den historischen Boykott sorgten, auch wenn andere Teams bereits ähnliches geplant hatten.

In einer Reihe mit Smith, Carlos und Kaepernick

Die Aktion der Bucks wird fortan in einem Atemzug mit weiteren bemerkenswerten politischen Statements der Sportgeschichte genannt werden:

Tommie Smith und John Carlos, die bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko bei der Siegerehrung des 200-m-Laufs mit erhobenen Fäusten gegen Rassendiskriminierung in den USA protestierten - und anschließend nie wieder an einer Sportveranstaltung teilnehmen durften.

Colin Kaepernick, der auf den Tag genau vor vier Jahren erstmals dabei gesehen wurde, wie er bei der Nationalhymne vor einem Preseason-Spiel der NFL sitzen blieb. Wenig später begann der Quarterback, während der Hymne zu knien - seit seinem Vertragsende bei den San Francisco 49ers im Januar 2017 hat er kein neues Team gefunden und kein NFL-Spiel mehr bestritten.

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Im Unterschied zu Smith, Carlos und Kaepernick stehen die Milwaukee Bucks mit ihrem Protest jedoch nicht alleine da. Im Gegenteil: Unabhängig von der Teamzugehörigkeit herrscht NBA-weit nahezu uneingeschränkte Solidarität im Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung. Das zeigten schon die Botschaften wie #blacklivesmatter auf Trikots und Spielfeld der NBA-Bubble.

Dass die Liga die beiden weiteren Mittwochsspiele von sich aus absagte, war daher nur logisch - anderenfalls hätten das wohl erneut die Spieler in die Hand genommen.

Jahrestag der Rede von Martin Luther King steht bevor

Am Freitag, dem Jahrestag der berühmten Rede des Bürgerrechtlers Martin Luther King, ist in Washington D.C. ein großer Protestmarsch gegen Polizeigewalt gegen Schwarze geplant.

57 Jahre nach "I have a dream" brauchen die USA wieder Persönlichkeiten, die eine Vision haben, die dafür einstehen und Zeichen setzen. Auf die Gefahr hin, dass das in einem gesellschaftlich tief gespaltenen Land nicht allen gefallen wird.

Gerade deshalb ist es ein starkes Signal, dass hochbezahlte Athleten gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und für ihre Überzeugungen einstehen - und die NBA der perfekte Ort dafür.

Auch, wenn der historische Boykott der Milwaukee Bucks nur der Anfang gewesen sein kann.