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München - Am 8. Juli 2010 verkündet LeBron James seinen Wechsel von den Cleveland Cavaliers zu den Miami Heat. Die Auswirkungen von "The Decision" waren immens.

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Es war ein Novum sondergleichen, markierte eine Zeitenwende im US-Sport und wirkt auch zehn Jahre später bis heute nach:

Als LeBron James am 8. Juli 2010 während eines landesweit ausgestrahlten TV-Interviews mit viel Tamtam seinen Schocker-Wechsel von den Cleveland Cavaliers zu den Miami Heat verkündete, schwante manchem Experten bereits, wohin die Reise in der NBA gehen könnte.

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Nicht nur wegen King James' Entscheidung an sich, sein Heimat-Team zu verlassen, um am sonnigen South Beach mit den Kumpeln Dwyane Wade und Chris Bosh ein Superteam zu formieren, weshalb Cavs-Besitzer Dan Gilbert den "Chosen One" eines "feigen Verrats" bezichtigte.

NBA-Machtverhältnisse auf Kopf gestellt

Ebenso wenig angesichts der damals peinlich wie selbstgefälligen Selbstinszenierung James' ("In this fall I'm going to take my talents...") und der Art der Verkündung, deretwegen Fans ihre Trikots mit der Nummer 23 verbrannten. 

Vielmehr deshalb, weil "The Decision", wie der zuvor beispiellose Vorgang und auch die entsprechende Live-Übertragung im Fernsehen seinen Niederschlag in die Sport-Geschichtsbüchern fand, die Franchises fortan in eine verhängnisvolle Abhängigkeit zu ihren Spielern zwang - und die Tektonik der NBA nachhaltig erschütterte.

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Dass ein Superstar in seiner Blütezeit wie der damals 26 Jahre alte James - nach sieben Spielzeiten in Cleveland gerade Free Agent geworden - jenes Team verlässt, das ihn gedraftet hat, um sich mit anderen Stars woanders zusammen zu tun, verschob die Kräfteverhältnisse innerhalb der Liga in nie dagewesener Manier.

Mehr noch: Es schärfte in der Folgezeit das Bewusstsein der Spieler dafür aufs Absurde, in welch starker Position sie sich eigentlich befinden.

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Draft-System außer Kraft gesetzt

"Es war unglaublich, was das für Auswirkungen auf die Macht der Spieler hatte. Davon profitieren wir Spieler auch heute noch", gab 2018 - also acht Jahre später - unter anderem auch Kyrie Irving zu.

"Wir können auf uns gucken und zur Franchise sagen: 'Hey, ich habe das Gefühl, dass es so mit uns nicht mehr funktioniert. Deshalb wäre es am besten, wenn sich unsere Wege trennen'", so der damalige Point Guard der Cavs.

Wie eben damals LeBron, der sich für die Heat entschied - und nicht die Heat für LeBron.

Vorbei sind seither die Zeiten, in denen die NBA-Dynastien über den Draft aufgebaut waren wie einst die Los Angeles Lakers um Magic Johnson, die Boston Celtics um Larry Bird oder Bill Russell oder auch die San Antonio Spurs mit Tim Duncan. Teams werden via Free Agency auf den Weg gebracht, die Superstars diktieren die Bedingungen.

One-plus-One-Verträge als Druckmittel

Und dazu gehören weder das einst ungeschriebene "Larry-Bird-Gesetz", seiner Franchise die Treue zu halten, noch sind es lang bindende Kontrakte. Stattdessen bieten die sogenannten One-plus-One-Verträge den Superstars die optimale Exit-Strategie in den nachfolgenden Verhandlungen.

Und das auf Jahre hinaus. Denn den Franchises als Geisel ihrer Spieler bleibt quasi keine andere Wahl, als alle Forderungen zu akzeptieren, wollen sie nicht auf einen Schlag zum Lottery-Team und damit zum Draft-Spielball mutieren.

Zumal auch sie profitieren - zumindest kurzfristig. Beispiel: Durch LeBron erhoben sich die Heat plötzlich zur neuen Macht, geboren waren die ultimative Big Three mit drei All-Stars, die "nicht zwei, nicht drei, nicht vier, nicht fünf, nicht sechs, nicht sieben" Meisterschaften gewinnen wollten, sondern noch mehr, wie James bei seiner Ankunft vollmundig verkündete.

Wenn es am Ende doch anders kommt - siehe LeBrons Rückkehr zu den Cavs 2014, ehe er 2018 wiederum zu den Lakers ging? Geschenkt, zu alternativlos ist das eingegangene Risiko trotz minimaler Planungssicherheit bei maximaler Flexibilität für die Spieler. 

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Beispiel Durant und die Warriors

Neben kurzzeitigem sportlichen Erfolg winkt schließlich auch ein wirtschaftlicher Boom. Die Mega-Stars füllen die heimischen Arenen, sorgen für lukrative TV-Übertragungen der Spiele und kurbeln das Merchandising enorm an.

Bittere Konsequenz aber auch: Der Blick der Franchises gilt vielfach bereits jetzt eher der nahenden Zukunft als der Gegenwart und aktuellen Season, Kader werden auf Sicht ausgemistet - in der Hoffnung, bei den Free Agents zum Zug zu kommen und Titel zu holen. 

Was zur Folge hat: Während durch das dank LeBrons sich verselbstständigte Decision-System womöglich irgendwo schon bald das nächste Superteam erschaffen wird, wie 2016 auch der Fall Kevin Durant bewies, der von den Oklahoma City Thunder zu den Golden State Warriors ging, implodieren woanders Planungen vieler anderer Franchises.

Ironie des Schicksals: Nach James' erneutem Abgang 2018 fielen auch die Cavs in die sportliche Bedeutungslosigkeit zurück, kamen nach vier Finalteilnahmen in Folge nicht einmal mehr in die Playoffs.