Die NBA plant die Fortsetzung der Saison zwischen Juli und Oktober
Die NBA plant die Fortsetzung der Saison zwischen Juli und Oktober © SPORT1-Grafik/Getty Images/Imago
Lesedauer: 5 Minuten

München - Die NBA denkt bei ihrem Plan für die Liga-Fortsetzung in Disney World an viele Details. Teilweise sind die Maßnahmen kurios. Das Campus-Leben bringt trotzdem Gefahren mit sich.

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Um ihre Saison trotz Corona-Krise noch zu Ende spielen zu können, hat die NBA einen Plan vorgelegt, der bis ins kleinste Detail durchdacht ist.

Auf 113 Seiten wurden Regeln festgelegt, um die restliche Spielzeit unter Quarantäne-Bedingungen sicher ins Ziel zu bringen.

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Dafür soll der Campus des Disney World in Orlando im US-Bundesstaat Florida quasi zum Refugium der gesamten NBA-Familie werden - aber die Gefahren von außerhalb scheinen immer größer zu werden, entwickelt sich der Sunshine-State doch gerade zum neuen Corona-Epizentrum der USA.

Corona wütet in Florida - kippt der NBA-Plan?

Alleine am Samstag wurden 4049 neue Corona-Fälle gemeldet, das überbietet sogar stark betroffene getroffene Länder wie Peru oder Bangladesh. Bereits am Freitag war mit 3822 Neuinfizierten ein neuer Rekord aufgestellt worden.

"Tatsächlich hat Florida alle Voraussetzungen, das nächste große Epizentrum zu werden", bilanziert ein neuer Report von Seuchenforschern des Children's Hospital of Philadelphia und der University of Pennsylvania: "Das Risiko dort ist das schlimmste, das es je in unseren Voraussagen gegeben hat."

Mit insgesamt 94.000 Ansteckungen ist Florida ohnehin schon einer der am stärksten von Corona betroffenen Bundesstaaten der USA. Und genau hier sollen eigentlich ab 7. Juli die NBA-Stars - wenn auch unter Quarantäne - ihre Saison zu Ende spielen?

Campus-Mitarbeiter werden nicht getestet

Der Plan hat Schwächen. Zwar sollen die 374 Spieler laufend auf COVID-19 getestet werden - allerdings nicht die Mitarbeiter von Disney World, darunter das Hotelpersonal am Campus, mit dem die Akteure zweifelsfrei in irgendeiner Form Kontakt haben werden.

Vor dem Hintergrund, dass sich Disney World im Corona-Hotspot Orange County befindet, erscheint dies beinahe fahrlässig.

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NBA reist mit 770 Personen an

22 von 30 NBA-Teams wurden eingeladen, jede Franchise darf mit 35 Personen (17 Spieler plus Team-Personal) anreisen - das heißt ab Anfang Juli werden insgesamt 770 Leute in drei Hotels des Freizeitparks (Yacht Club, Gran Destino und Grand Floridian) untergebracht bzw. zusammengepfercht sein - und das für fast drei Monate. Am 31. Juli soll der Spielbetrieb losgehen, am 13. Oktober soll der Meister feststehen.

Zweifel an der sportlichen Umsetzung des Konzepts gibt es wenig, doch die Zweifel an der medizinischen Umsetzung werden nun immer größer.

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NBA stellt kuriose Regeln auf

Für die Einhaltung der Sicherheitsabstände und Reduzierung der Ansteckungsherde unter den Profis hat die NBA in ihrem Regelwerk teils kuriose Vorgaben aufgestellt. Demnach soll es keine Kopfhörer bei Computerspielen geben, die Decks bei Kartenspielen müssen nach jeder Partie mit einem neuen Päckchen ersetzt werden, an der Tischtennis-Platte darf es kein Doppel geben.

Immerhin muss man den Liga-Verantwortlichen zugute halten, dass sie den Freizeit-Aspekt überhaupt berücksichtigt haben. Denn ohne die anstrengenden und vor allem zeitfressenden Reisen werden die NBA-Stars am Campus ungewohnt viel davon haben.

Zur Ablenkung soll es etwa auch Friseurbesuche, Golfturniere und Yoga-Stunden geben. Insgesamt bieten sich also genug Möglichkeiten, nicht nur mit den eigenen Mitspielern abzuhängen, sondern auch mit den Profis der anderen Teams, mit denen man während einer "normalen" Saison nicht die Gelegenheit des gegenseitigen Austausches hat.

Gefahr von Tampering in Disney World

Und Gelegenheit macht bekanntlich Diebe. Warum die äußeren Rahmenbedingungen nicht nutzen, um einen Spieler in sein eigenes Team zu locken?

Wenn alle in Laufweite voneinander entfernt sind, ist die Gefahr des "Tampering" riesig... Natürlich ist es offiziell streng verboten, jemanden außerhalb offizieller Verhandlungen zu einem Wechsel zu überreden. Doch die Versuchung bleibt bestehen, vor allem, wenn es niemand kontrollieren kann.

Mit Corona und Tampering liegen die Probleme bei der Saison-Fortsetzung also weniger auf dem Parkett als abseits davon.

Spieler entscheiden selbst über Teilnahme

Am Plan der NBA hatte es ohnehin von einigen Spielern Kritik gegeben. Es gilt weiterhin als fraglich, dass alle Stars an der Fortsetzung teilnehmen werden - nicht nur wegen der Pandemie, sondern auch wegen anhaltender Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA.

Die Entscheidung überlässt die Liga den Profis selbst, bis 24. Juni müssen sie ihren Teams mitteilen, ob sie spielen wollen oder nicht. Wer sich dagegen entscheidet, muss allerdings Gehaltskürzungen in Kauf nehmen.

ESPN berichtet von einer Telefonkonferenz zwischen NBA-Commissioner Adam Silver und diversen hochrangigen Teamoffiziellen. Silver sei demnach entschlossen, an den Plänen, die Saison in Florida bis spätestens Mitte Oktober durchzuziehen, festzuhalten - auch vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung. Silver erkenne zwar den rasanten Infektionsanstieg an, habe aber volles Vertrauen in das NBA-Blasenkonzept.

Amerikas Chef-Immunologe Anthony Fauci hatte dieses in der Vorwoche noch als "sehr kreativ" und erfolgsversprechend bezeichnet, doch die Zweifel mehren sich - und die Spielerorganisation NBPA ist alarmiert: "Ich kann nicht sagen, dass ich über die Entwicklung in Florida angesichts des Ansatzes des Staates zur Wiedereröffnung überrascht bin", sagte die NBPA-Chefin Michele Roberts: "Wir werden die Situation auf jeden Fall exakt verfolgen."

Die Entwicklung in den nächsten Tagen wird entscheidend sein, ob der geplante NBA-Restart klappt - oder die Wahl des Corona-Epizentrums Florida zum fatalen Bumerang für die Verantwortlichen wird.