Dennis Rodmans (r.) Zeit bei den Mavericks ist auch Dirk Nowitzki (l.) nachhaltig in Erinnerung geblieben
Dennis Rodmans (r.) Zeit bei den Mavericks ist auch Dirk Nowitzki (l.) nachhaltig in Erinnerung geblieben © Imago
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München - Dennis Rodman hat in der NBA immer wieder für Aufreger gesorgt. So auch bei seinem kurzen Intermezzo bei den Mavs - das dennoch auch etwas Positives hatte.

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Dennis Rodman durchlebte eine legendäre Zeit mit den Chicago Bulls.

An der Seite von Michael Jordan und Scottie Pippen gewann der "Worm" drei seiner insgesamt fünf NBA-Titel. Außerdem gilt er bis heute als einer der besten Rebounder und Verteidiger der NBA-Geschichte.

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1998 jedoch war auch für ihn Schluss bei den Bulls - einen neuen Vertrag hatte der Power Forward nicht erhalten und musste sich demnach neu orientieren.

Nach kurzen Ausflügen zum Wrestling und in die Schauspielerei heuerte Rodman bei den Los Angeles Lakers an. Doch das Engagement hielt nicht lange - nach nur sieben Wochen wurde er wieder entlassen.

Mavericks verpflichten Rodman

Rodman war für dafür bekannt, immer wieder für negative Schlagzeilen auf und neben dem Feld zu sorgen. Im November 1999 eskalierte ein Streit mit seiner Frau Carmen Electra derart, dass die Polizei anrücken musste. Nur einen Monat später wurde er wegen Trunkenheit am Steuer verhaftet.

Seine Karriere in der NBA schien vor dem Ende zu stehen. Doch dann folgte die Überraschung: Im Jahr 2000 holten sich die Dallas Mavericks "The Menace" ins Team.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Mavs die Lachnummer der NBA. Neunmal in Serie verpasste die Franchise die Playoffs. Zwar machte ein Trio um Steve Nash, Michael Finley und den erst 22-jährigen Dirk Nowitzki Hoffnung, doch bis Ende 1999 hatte Dallas in der laufenden Saison nur neun von 30 Spielen gewonnen.

Da Forward Gary Trent verletzungsbedingt auf unbestimmte Zeit ausfiel, musste ein Ersatz her. Die Wahl fiel auf Rodman, die Verpflichtung war eine der ersten Amtshandlungen von Selfmade-Millionär Mark Cuban, der nur einen Monat zuvor die Mavericks gekauft hatte.

Rodman zettelt Sitzstreik an

Die Meinungen zu Rodmans Verpflichtung gingen auseinander. Cuban erhoffte sich, damit Aufmerksamkeit zu erregen und der Franchise endlich wieder zu Beachtung zu verhelfen. Dallas-Coach Don Nelson war hingegen weniger begeistert, gerade weil Rodman nur defensiv zu glänzen wusste, offensiv aber nicht wirklich viel zu bieten hatte.

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Nelson sollte Recht behalten. Rodman verbrachte kaum einen Monat in Dallas und stand lediglich in zwölf Spielen auf dem Court. Insgesamt erzielte er magere 34 Punkte, hatte später aber zumindest 171 Rebounds auf dem Konto.

Seine Zeit bei den Mavs blieb trotzdem unvergessen - wenn auch nicht aufgrund sportlicher Glanzleistungen.

In einem Spiel gegen die Milwaukee Bucks zettelte Rodman wegen einer vermeintlichen Fehlentscheidung einen Sitzstreik an.

"Er sagte: 'Ich muss nicht aufstehen, wenn ich nicht will. Ich mache, was ich will'. Sie haben um ihn herumgespielt und er saß immer noch auf dem Boden. Das war der lustigste Moment, den ich je erlebt habe'", erinnerte sich der damalige Assistant-Coach Charlie Parker an den Vorfall.

Aus Ärger über die folgende Geldstrafe lud Rodman NBA-Boss David Stern ein, die Angelegenheit nackt in einem Boxring zu klären.

Fehde zwischen Rodman und Stern

Nicht die einzige Fehde zwischen Rodman und Stern. Bei seiner Ankunft in Dallas wählte der Defensivspieler die Trikotnummer 69, was der NBA-Commissioner ablehnte. Schließlich wurde es die Nummer 70, gedruckt und in Umlauf gebracht wurden einige Jerseys mit der verbotenen Nummer aber dennoch.

Mit Rodman ging es für die Mavs weiter bergab und die Playoffs gerieten außer Reichweite. Für den Negativtrend machte der "Bad Boy" seine Kollegen verantwortlich. "Die Jungs wollen nur spektakuläre Körbe werfen. Um hinten die Drecksarbeit zu machen, sind sie sich zu schade. Keiner von denen weiß, wie richtige Defense gespielt wird", stichelte Rodman.

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Und auch gegen Cuban teilte er kräftig aus: "Er muss nicht ständig mit den Spielern abhängen, als wäre er ein Coach oder so", ätzte der Forward.

Mavericks schmeißen Rodman raus

Nur einen Tag später musste Rodman seine Koffer packen. Zwar bestritten die Mavs, dass seine Aussagen Grund für den Rausschmiss gewesen seien, und Cuban betonte: "Seine Kommentare haben mich nicht interessiert."

Doch seine Mitspieler fanden deutliche Worte. "Es war an der Zeit für ihn, dass er geht. Ich glaube nicht, dass Dennis großes Interesse hatte, hier zu sein", schimpfte etwa Point Guard Nash.

Und selbst Dirk Nowitzki erklärte später im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung: "Unterhalten kann man sich mit dem gar nicht. Er hat kein Wort mit der Mannschaft geredet. Aber es war hochinteressant, ihn in der Kabine zu beobachten. So einen schrillen Vogel habe ich nie wieder erlebt."

Rodmans Abschied brachte die Mavericks auf den richtigen Weg - weit mehr als es seine Anwesenheit je getan hatte. 15 der verbleibenden 21 Spiele gewann die Franchise, ein Lauf mit neun Siegen aus den letzten zehn Saisonspielen war die Krönung. 

Doch eines ist sicher: Auch zwei Jahrzehnte später ist Rodmans Intermezzo in Dallas unvergessen. Er war eine Attraktion - und irgendwie erfüllte er damit ja auch genau die Erwartungen, die insbesondere Mark Cuban an ihn gehabt hatte.