Lenny Cookes (l.) Karriere ging nach einem Duell mit LeBron James den Bach runter
Lenny Cookes (l.) Karriere ging nach einem Duell mit LeBron James den Bach runter © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images
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München - Das hochgelobte Supertalent Lenny Cooke steht vor einer glanzvollen Basketball-Karriere - bis eine Begegnung mit dem 16 Jahre jungen LeBron James alles verändert.

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Der eine ist dreimaliger NBA-Champion, war viermal MVP und nahm 16 Mal am All-Star Game teil. Der andere kam in seiner Karriere nicht über Stationen wie Purefood TJ Hotdogs, Magnolia Hotshots (beides Philippinen) oder Shanghai Dongfang Sharks (China) hinaus.

Doch im Sommer 2001 sah vieles danach aus, als ob Lenny Cooke und nicht LeBron James das Gesicht der NBA in den folgenden Jahren prägen sollte.

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Bei der Suche nach Basketball-Stars der Zukunft stand Cooke bei den Scouts der Teams ganz oben auf dem Zettel. Im Jahr 2000 gewann der New Yorker den MVP-Award beim Highschool-Turnier adidas ABCD summer camp, bei dem einige Jahre zuvor Kobe Bryant seinen großen Durchbruch gefeiert hatte.

"Er war die Nummer eins im Land und deswegen haben wir alle geschaut, was Lenny machen würde", erklärte der damalige Highschool-Spieler und spätere NBA-Superstar Carmelo Anthony in der New York Times. "Er war groß, stark und konnte auch passen. Ein bisschen wie Magic Johnson und dazu unglaublich explosiv."

Cooke fordert Bryant zu Eins-gegen-eins

Cooke erzielte in der folgenden Saison 25 Punkte und zehn Rebounds pro Spiel, zahlreiche Highschool- und spätere NBA-Stars schauten zu dem 19-Jährigen auf.

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"Es war mir egal, gegen wen ich spielen sollte. Hatte ich meinen Rhythmus, glaubte ich, dass mich niemand auf dieser Welt stoppen könnte", erinnert sich Cooke. Am Campus der Fairleigh Dickinson University in New Jersey forderte der Youngster damals sogar den frischgebackenen NBA-Champion Bryant zu einem One-on-one heraus.

Im Turnier dominierte der Guard zunächst Anthonys Team und zog kurz darauf souverän ins Finale ein, in dem es gegen den damals als Geheimtipp geltenden LeBron James und seine Highschool aus Ohio ging.

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Trotz guten Starts vermisste Cooke vor zahlreichen gespannten Scouts, Medien und Trainern die Leichtigkeit seines Spiels, Gegenspieler LeBron deckte den Jungstar eng und verunsicherte ihn mit zunehmender Spielzeit immer mehr. Mit der letzten Aktion des Spiels dribbelte James Cooke bei zwei Punkten Rückstand aus und versenkte einen enorm schwierigen Dreier aus der Drehung, der das Spiel zugunsten des Außenseiters entschied.

Sekundenbruchteile später fragte Cooke einen Mitspieler verblüfft: "Wie hat er das gemacht?"

"Lenny erholte sich davon nie wieder"

Der drei Jahre jüngere James hatte das Supertalent dominiert (24:9 Punkte) und damit dessen Verfall eingeläutet.

"Es symbolisiert den Beginn von LeBron und den Abstieg von Lenny Cooke", sagte Sonny Vaccaro, Organisator des Camps und berühmter adidas-Scout. "LeBron schlug Lenny in dessen Revier. Man kann sagen, dass es nur ein Wurf war, aber Lenny erholte sich davon nie wieder."

Cooke ging die Zeit aus, bereits vor dem verhängnisvollen Turnier war er zweimal sitzengeblieben und hatte ebenso oft die Highschool gewechselt. Danach versuchte er es für sein Junior-Jahr erneut an einer anderen Highschool und ging nach Michigan.

Nach acht Spielen hatte er jedoch seine vier Highschool-Jahre überschritten und durfte für kein Schulteam mehr auflaufen. Cooke hielt sich mit Pick-Up-Basketball fit und nahm an Turnieren teil, darunter auch an einem von Vaccaro organisierten namens Roundball Classic.

"Ich sagte ihm, dass alle NBA-Scouts wegen ihm da sind. Ich sagte ihm, dass er keine Dummheiten in dieser Woche machen dürfte. Und was passiert? Um 1 Uhr nachts kommt Lenny mit seiner Entourage in die Lobby des Hyatt. Ich fragte ihn, was das soll? Wir hatten doch darüber gesprochen."

Cooke wird nicht gedraftet

Cooke war schon Jahre zuvor in eine Falle getappt. Abgelenkt von dubiosen Agenten, umgarnt von den Vorzügen New Yorker Clubs und geprägt vom Leben eines prominenten Teenagers widmete er der Schule keine große Bedeutung und war sich sicher, dass er eines Tages vom Basketball gut leben könnte.

Selbst ohne die Bühne Highschool-Basketball flüsterten ihm einige Berater zu, den sehr auf Eigennutz geprägten Youngster in die NBA bringen zu können. Auch Colleges wie North Carolina, St. John's oder Seton Hall buhlten trotz der schlechten Schulleistungen um den Guard, obwohl dessen Hype mehr und mehr verflogen war.

Letztlich erhielt Cooke von einem Agenten 350.000 Dollar sowie einen Mercedes und meldete sich zum NBA-Draft 2002 an. Wegen einer Zehenverletzung konnte er sich jedoch nicht dafür empfehlen und musste schockiert mitansehen, wie sein Name in keiner Draft-Runde fiel.

Stationen in China und auf den Philippinen

"Lenny Cooke ist so talentiert wie kein anderer Spieler. In seinem Kopf laufen aber einige Dinge falsch und das wissen auch alle NBA-Teams", erklärte ein New Yorker Trainer der Zeitung Daily News nach dem Draft.

Cooke gab jedoch nicht auf, spielte in unterklassigen Teams und empfahl sich 2003 für einen Platz in der Summer League bei den Boston Celtics und den Seattle SuperSonics. Zum Bedauern des Youngsters kam er im Spiel gegen die Cleveland Cavaliers mit dem frisch gedrafteten Nummer-1-Pick LeBron James jedoch nicht zum Einsatz und erhielt keinen NBA-Vertrag.

Das Highschool-Phänomen versuchte daraufhin sein Glück in China und auf den Philippinen, musste nach zwei Achillessehnenrissen in drei Jahren jedoch 2007 seine Laufbahn beenden. Nach einem Comeback-Versuch in Kuwait 2008 hatte der mental gebrochene Cooke genug, erst 2019 lief er nochmal kurz für ein Team aus Halbprofis und vor nicht einmal 50 Zuschauern auf.

Dokumentarfilm zeigt Cookes Schicksal

"Fehleinschätzungen, Arroganz und eine falsche Einstellung" hätten eine Karriere in der NBA verhindert, erklärte Cooke hinterher bei SLAM einsichtig.

2013 kam ein Dokumentarfilm mit dem Namen Lenny Cooke heraus, der seine Geschichte beleuchtet. Der Film wurde auf dem Tribeca Film Festival uraufgeführt, im Winter 2013 kam er in die amerikanischen Kinos.

Cooke hat aus seinen Fehlern gelernt. Der mittlerweile 38-Jährige berät inzwischen Kinder, die selbst von einer NBA-Karriere träumen.