Jalen Green spielte für die San Joaquin Memorial High School und die Prolific Prep in California.
Jalen Green spielte für die San Joaquin Memorial High School und die Prolific Prep in California. © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/dpa/Imago/iStock
Lesedauer: 5 Minuten

München - Jalen Green entscheidet sich gegen den Schritt ans College und für ein von der NBA mitentwickeltes Programm. Die Folgen könnten revolutionär sein.

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Der amerikanische Basketball steht vor einer Revolution.

Highschool-Star Jalen Green, der im NBA-Draft 2021 als Nummer-1-Pick gehandelt wird, geht nicht ans College.

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Stattdessen entscheidet sich der Combo-Guard für das 2018 vorgestellte NBA-Berufsbildungsprogramm, das ihn zunächst in die G-League führt.

In der Entwicklungsliga der NBA sollen Elite-Interessenten mindestens 125.000 Dollar, in Greens Fall aber über 500.000 Dollar erhalten und in einem Jahr auf die Anforderungen der NBA vorbereitet werden.

Der 18-Jährige, der unter anderem von Memphis umworben war, ist der erste Spieler, der aufs College verzichtet, um das neue "Pathway Program" zu wählen - und könnte damit einen Stein ins Rollen bringen.

Auch LaMelo Ball nicht ans College

Denn bislang war es üblich, dass die amerikanischen Basketball-Talente den Weg über High School und College in die NBA nehmen.

Nur wenige ehemalige Talente wie Brandon Jennings oder Emmanuel Mudiay bereiteten sich bei Klubs in Italien oder China auf die NBA vor.

Allerdings hatten sich mit LaMelo Ball and RJ Hampton bereits im vergangenen Jahr zwei Top-Prospects gegen die NCAA, die eine Monopol-Stellung innehat, entschieden. Stattdessen spielte das Duo in Australien.

Und James Wiseman, der ebenfalls im diesjährigen Draft hochgehandelt wird, verließ die University of Memphis nach nur wenigen Spielen wegen Streitigkeiten mit der NCAA und bereite sich selbstständig auf die Talenteziehung vor.

"One and done" vor Ende

Um weitere solcher Fälle zu verhindern, erarbeitete NBA-Boss Adam Silver mit G-League-Präsident Shareef Abdur-Rahim an einer Lösung, um Spieler, die nicht am College interessiert sind, in den USA zu halten. Auch, um damit zu verhindern, dass Scouts um die halbe Welt reisen müssen, um sie zu beobachten.

Dazu gehören eine große Gehaltssteigerung sowie die Tatsache, dass die Talente nicht komplett in der G-League spielen müssen. Denn in dieser beweisen sich hauptsächlich frühere NBA-Spieler, Ex-College-Akteure, die nicht gedraftet wurden oder Talente, die noch Zeit brauchen.

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"Die NBA ist das beste Entwicklungssystem der Welt. Diese Spieler sollten nicht woanders hingehen, um sich zu entwickeln", sagte Abdur-Rahim zu ESPN.

Mit dem G-League-Programm könnte über kurz oder lang auch die 2006 eingeführte Regel, dass amerikanische Spieler nicht mehr von der High School direkt in die NBA wechseln können, wieder kippen. Das Gleiche gilt für die Altersgrenze von 19 Jahren.

Green in G-League-Team in Los Angeles

Green, der in seiner letzten High-School-Saison im Schnitt 31,5 Punkte, 7,5 Rebounds und fünf Assists erzielte und zum McDonald's All-American gewählt wurde, wird in seinem Jahr laut Shams Charania von TheAthletic einem neuen Team in Los Angeles angehören, das nicht mit einer NBA-Franchise verbunden ist.

Die Mannschaft soll mit weiteren vielversprechenden Teenagern aufgebaut werden. Darunter befindet sich der ebenfalls sehr talentierte Isaiah Todd, der seine Zusage an Michigan zurückgezogen hat und ebenfalls den Weg über die G-League wählt.

Gemeinsam mit den anderen Talenten und Routiniers wird Green unter professionellem Coaching trainieren und Testspiele gegen G-League-Teams, Nationalmannschaften und andere Auswahlen bestreiten. 

Zudem wird er wohl Zugang zu den Einrichtungen der NBA-Teams erhalten und mit deren Personal-Trainern arbeiten dürfen.

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Auch außerhalb des Feldes sollen die Athleten noch besser auf die Karriere vorbereitet werden. So bekommen sie von der G-League auch Lebensunterhalt - und sollen bereits Berater engagieren sowie Werbe-Deals mit Schuh- oder Bekleidungsfirmen abschließen können.

Fetter Schuh-Deal statt keinem Cent

Laut ESPN winkt Green ein siebenstelliger Schuh-Deal. Sein Agent Aaron Goodwin verhalf einst bereits LeBron James, Dwight Howard und Kevin Durant zu massiven Sneaker-Verträgen.

"Der Hauptgrund ist, dass ich besser werden will. Ich will mein Spiel weiterentwickeln", begründete Green seine Entscheidung.

Auch am College spielen und trainieren die Youngster unter Profi-Bedingungen, verdienen allerdings keinen Cent, während die NCAA Unmengen einsackt.

Dazu ist es ihnen verboten, zusätzliche (finanzielle) Leistungen zu erhalten, andernfalls drohen Strafen – und das beim Leistungssport üblichen Verletzungsrisiko.

Zwar fallen Anreize wie Spiele vor 20.000 Zuschauern oder das legendäre March-Madness-Turnier weg, doch dafür können sich die Talente an die Regeln und Spielweise der NBA gewöhnen und sich mit vielen NBA-Kalibern messen - wenngleich diese Duelle sicher physisch herausfordernd sein werden.

NCAA-System vor dem Ende?

"Wenn man als Spieler weiß, dass man noch zwei Jahre Entwicklungszeit benötigt, kann man diese jetzt in der NBA erhalten", erklärte Goodwin bei TheUndefeated: "Sie wissen, dass Sie nicht nur auf dem richtigen Weg sind, sondern auch auf dem Radar der NBA, während Sie dafür bezahlt werden, sich selbst und Ihrer Familie zu helfen und Ihr Handwerk zu erlernen."

Spannend wird sein, ob mittelfristig auch Talente außerhalb der USA, wie Australien oder Kanada, oder der europäische Nachwuchs, am G-League-Programm teilnehmen dürfen.

So oder so: Hat Greens Experiment Erfolg und findet prominente Nachahmer, droht der NCAA ein massiver Relevanz-Verlust.

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Marc J. Spears von TheUndefeated sieht die Möglichkeit eines "geschichtsträchtigen Moments, in dem die Gier der NCAA endlich eingeholt hat".

Pete Thamel von YahooSports beschreibt College-Basketball als "Schreibmaschinenunternehmen, Zeitungskonglomerat oder Telefonbuch, das aufgrund seiner mangelnden Fähigkeit zur Entwicklung und Innovation erodiert." 

Und ein prominenter NBA-Agent spricht sogar von einem "großen Mittelfinger der NBA in Richtung der NCAA".

Der 16. April könnte jedenfalls als vernichtender Schlag für das College-System und als Wendepunkt für den Basketball in die Geschichte eingehen.