Rysheed Jordan (r.) im Duell mit dem späteren Spanien-Profi Dylan Ennis
Rysheed Jordan (r.) im Duell mit dem späteren Spanien-Profi Dylan Ennis © Getty Images
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München - Rysheed Jordan galt als großes NBA-Talent, am College gerät er auf die schiefe Bahn und landet für Jahre im Gefängnis. Nun kämpft er um ein Comeback.

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Im April 2013 war für Rysheed Jordan die Welt noch in Ordnung.

Als "Prinz von Nord Philly" wurde er als nächster Star der Basketball-Hochburg Philadelphia gefeiert. Eine große Karriere in der NBA schien vorgezeichnet.

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Ursprünglich wollte Jordan an der renommierten UCLA am College spielen, entschied sich wegen eines Trainerwechsels aber kurzfristig doch, an der Ostküste zu bleiben und für St. John's in New York City - es war der Start einer folgenschweren Kettenreaktion, die für Jahre im Gefängnis endete.

"Wenn ich in Kalifornien gewesen wäre, wäre ich wahrscheinlich das geworden, was ich hätte sein sollen", sagt Jordan im Gespräch mit der New York Post.

Jordan war klarer NBA-Anwärter

Aber der Reihe nach: der extrem athletische Point Guard war zum Start seiner College-Karriere ein Juwel - er gehörte landesweit zu den Top-20-Highschool-Spielern.

"Ich sah einen Jungen, der 50 oder 60 Punkte in einem Spiel machte, der aus jeder Lage treffen konnte", sagt der damalige Coach von St. John's, Steve Lavin, der ihn mit seinem früheren Schützling und NBA-Profi Baron Davis verglich.

Die räumliche Nähe zu seiner wenig glamourösen Nachbarschaft und zwielichtigen Kontakten verursachte allerdings von Anfang an Probleme.

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Enger Freund von Polizei erschossen

Einer seiner besten Freunde wurde von der Polizei nach einer Auto-Verfolgungsjagd erschossen, Jordan kassierte zudem eine Sperre wegen eines nicht näher genannten Vergehens, mit einem homophoben Tweet handelte er sich noch mehr Ärger ein.

Zudem musste er sich um seine schwer kranke Mutter und die Großfamilie kümmern, entsprechend litten seine akademischen und sportlichen Leistungen.

Zwölf Punkte erzielte Jordan in seinem ersten College-Jahr im Schnitt, ließ jedoch Effizienz und Disziplin vermissen. Letztlich stürzte einfach zu viel auf den Teenager ein, während eines Spiels in Philadelphia wurde zudem seine Tante ermordet.

"Ihm fehlte die Konstanz, das lag zum großen Teil an seinem Privatleben. Er war das Oberhaupt einer Familie. Wenn man das alles bedenkt, war er bemerkenswert", erinnert sich Lavin.

Anmeldung für NBA-Draft verpasst

Jordan zeigt sich heute sehr selbstkritisch: "Mein Kopf war nicht richtig. Ich habe die hohen Erwartungen nie erfüllt, bei mir ging es drunter und drüber."

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Schlechte Angewohnheiten oder Umgang taten ihr übriges, trotz aller Probleme ist er bis heute mit damaligen Mitspielern und Coach Lavin in Kontakt. Vor allem Lavin ist eine große Stütze für ihn. Dessen Entlassung 2015 war ein Schlüsselmoment.

Jordan bekam massive schulische Probleme und verpasste die Anmeldung für den NBA-Draft, er ließ das College sausen und wurde an Nummer fünf im Draft der G-League (der NBA-Unterbau) gewählt, nach nur elf Spielen wurde er gefeuert.

Verhaftung wegen versuchten Mordes

Am 1. Juni 2016 wurde er verhaftet. Während eines schiefgelaufenen Drogengeschäfts in Philadelphia wurde ein Mann zweimal in den Arm geschossen.

Jordan wurde auf einer Überwachungskamera festgehalten, ihm wurden versuchter Raub und Mord vorgeworfen, es drohten 20 Jahre im Gefängnis. Er selbst sagt, er habe lediglich Freunde getroffen und sei zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen. Letztlich bekannte er sich des tätlichen Angriffs, Raub und Besitz einer Feuerwaffe schuldig und bekam dreieinhalb Jahre aufgebrummt.

"Ich habe mich schuldig bekannt, weil ich nicht wusste, wie lange das sonst gedauert hätte. Vermutlich wäre ich immer noch drin und würde vor Gericht kämpfen. Ich musste so schnell wie möglich wieder daheim sein", sagt Jordan.

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"Du sitzt hinter Gittern, deine Träume sind geplatzt"

Im Gefängnis hatte er viel Zeit zum Nachdenken: "Es fühlte sich unwirklich an. Du sitzt hinter Gittern, deine Träume sind geplatzt und du denkst dir nur: 'Was für eine Talentverschwendung'."

Einige wenige Menschen hielten ihm die Treue: zum Beispiel Lavin, der ihn im Gefängnis besuchte. "ER hat mich nie im Stich gelassen, das sagt viel über ihn aus", betont Jordan.

Nur so überstand er auch die Nachricht vom Tod seiner Mutter im Sommer 2019, auch deshalb schwor er sich, sein Leben zu ändern.

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Seit vier Monaten wieder frei

Seit vier Monaten ist Jordan nun wieder frei und arbeitet - immer noch erst 25 - an einem Basketball-Comeback. Bis zum Corona-Shutdown spielte er für ein Halbprofiteam, um wieder in Form zu kommen.

Er hält inzwischen auch Motivationsvorträge in Schulen, um jungen Menschen zu helfen, das Andenken seiner Mutter zu bewahren und sein Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Egal ob er es im Basketball noch einmal zum Profi schafft oder nicht, seine Geschichte sollte Warnung und Inspiration zugleich sein.