Eddy Curry wurde 2001 von den Chicago Bulls gedraftet
Eddy Curry wurde 2001 von den Chicago Bulls gedraftet © Getty Images
Lesedauer: 6 Minuten

München - Eddy Curry musste in seiner NBA-Zeit viel Spott ertragen. Nun erzählt er, wie ein brutales Drama und Betrug sein Leben fast komplett zerstört hätten.

Anzeige

Eddy Curry war für Kritiker und Spötter immer ein gefundenes Fressen.

Ob wegen seines Übergewichts, seiner insgesamt enttäuschenden Leistungen oder seiner finanziellen Probleme trotz Millionenverträgen in der NBA - Angriffsfläche bot der Center genug.

Anzeige

Doch hinter der Fassade einer NBA-Lachnummer verbirgt sich eine brutale Lebensgeschichte. Die Geschichte eines brutalen Doppel-Mordes, bei dem seine kleine Tochter ums Leben kam, eine Geschichte von Betrug und Verrat selbst enger Freunde und Vertrauter.

Bei The Players Tribune hat Curry nun die schockierenden Details erzählt, vor allem zum Schicksalsschlag am 24. Januar 2009.

Affäre und Tochter von Curry werden erschossen

Damals spielten seine New York Knicks bei den Philadelphia 76ers - ohne Curry.

"Ich saß auf der Bank in Straßenklamotten, als mir plötzlich jemand auf die Schultern tippte. 'Eddy! Sie brauchen dich hinten. Du musst in die Trainerkabine gehen.'"

Dort angekommen, traf er auf einen Freund, der bereits tränenüberströmt war. Curry rief einen Assistenten an, der ihm die Horrornachricht überbrachte: "Nova ist tot. Sie haben sie umgebracht. Ich bin nun hier am Tatort. Es gibt überall Blut. Das Baby könnte auch tot sein."

Nova war Currys Affäre, mit ihr hatte er zwei Kinder - seine Ehefrau Patrice wusste bis zur Tragödie von nichts. "Da wurde mir bewusst, dass meine Ehe, die schon vier Jahre hält, dadurch wohl am Ende ist. Es gibt keine Chance mehr, irgendetwas zu verschleiern", schildert Curry den Moment der schrecklichen Nachricht. Er habe nur noch geheult.

DAZN gratis testen und die NBA live & auf Abruf erleben | ANZEIGE

Eddy Curry (r.) spielte von 2005 bis 2010 bei den New York Knicks
Eddy Curry (r.) spielte von 2005 bis 2010 bei den New York Knicks © Getty Images

Sohn schläft neben ermordeter Mutter

Er sei anschließend nach New York geflogen und habe dort die schrecklichen Einzelheiten der Tragödie erfahren.

"Ich fand heraus, dass mein Sohn Noah dabei war, als seine Mutter und seine Schwester ermordet wurden. Aber er war so klein, dass er das nicht verstand. Er dachte, sie würden schlafen und legte sich dazu. Als er gefunden wurde, war er voller Blut und hatte geschlafen", erzählt Curry: "Mein kleiner Junge sah, wie alles passiert ist. Er war drei Jahre alt und sah, wie seine Familie erschossen wurde und hat deren Blut überall an seinem Körper."

Curry erfuhr anschließend, dass Novas eigener Anwalt (den sie datete) sie und Tochter Ava umgebracht habe. Seine Affäre hatte den NBA-Star sogar einmal gewarnt, dass ihr Anwalt gefährlich sei. So brachte dieser eine Waffe zur Babyparty für Currys Tochter mit, weil er dachte, der Sport-Star würde auftauchen.

Curry gibt sich Schuld am Tod der Tochter

Die Tage nach der Tragödie habe er in einer Wohnung von Teamkollege Quentin Richardson wie in Trance erlebt (seine Frau hatte Curry rausgeschmissen), berichtet Curry: "Ich saß einfach nur da. Komplett still. Wusste nicht, was ich tun sollte oder wie es weitergehen soll. Nur ich im Dunklen, Rollläden zu."

Die Schuld am Tod seiner Tochter gibt er sich selbst, bis heute: "Ich habe sie im Stich gelassen. Das verfolgt mich bis heute." Und eine weitere bittere Erkenntnis machte er: "Geld wird dir keine geliebten Menschen zurückbringen und die Leute auch nicht vergessen lassen, was du getan hast. Manchmal kannst du dir mit Geld nur eine schönere Beerdigung leisten."

Curry vom eigenen Agenten bestohlen - mit Unterschriften-Stempel

Zu dem Zeitpunkt, als er seine Tochter beerdigen musste, war Curry am Boden.

"Mein Leben stürzte schon um mich herum zusammen, blickt die einstige NBA-Hoffnung zurück: "Ich klebte in New York am Ende der Spielerbank, mein Bankkonto trocknete aus, mein Haus in Chicago war kurz vor der Pfändung, meine ältesten Freunden belogen mich und klauten mit mein Geld."

Doch der absolute Tiefpunkt war selbst das noch nicht: "Irgendwie ging es selbst von da an noch bergab."

So verklagte Curry 2009 seinen eigenen Agenten - weil er herausgefunden hatte, dass dieser "Tonnen von Geld ausgab, ohne es mir zu sagen". Unglaublich: Der Berater hatte einen Stempel mit Currys Unterschrift, mit dem er einfach jeden Vertrag in dessen Namen signieren konnte - für eigene Reisen, Fernseher und einen fetten Kredit, für den der NBA-Star letztlich zwei Millionen Dollar zahlen musste.

Jetzt aktuelle NBA-Fanartikel kaufen - hier geht's zum Shop | ANZEIGE

Als Fettarsch und Pleitegeier veräppelt

Letztlich führten auch all diese Dramen abseits des Feldes dazu, dass Curry in der NBA nie der Star wurde, den einst die Chicago Bulls in ihm sahen, als sie ihn 2001 nach dem zweiten Rücktritt von Michael Jordan an vierter Position drafteten, um eine neue Ära einzuleiten.

Zu Beginn seiner Karriere wurde er mit Legende Shaquille O’Neal verglichen, konnte diese Erwartungen aber nicht erfüllen. Stattdessen wurde er oftmals wegen seiner Gewichts- und Geldprobleme verspottet. "Fettarsch Curry, Pleitegeier Curry", habe er sich anhören müssen. Oder auch: "Wie kannst du in der NBA spielen und dir das Haus pfänden lassen, Bro?"

Meistgelesene Artikel
  • Fußball / Bundesliga
    1
    Fußball / Bundesliga
    Bayern verlängert mit Thomas Müller
  • Int. Fussball
    2
    Int. Fussball
    Coronavirus stoppt Arnautovic
  • Fussball / Bundesliga
    3
    Fussball / Bundesliga
    Nationalspieler erneut in Quarantäne
  • Kampfsport / Wrestling
    4
    Kampfsport / Wrestling
    WWE-Durchbruch mit Beigeschmack
  • Fußball / Bundesliga
    5
    Fußball / Bundesliga
    Klose lässt die Bayern zappeln

Über 70 Millionen Dollar verdiente er in seiner NBA-Karriere, die er 2013 beendete. Doch umgehen konnte er mit Geld nie, gibt er selbst zu - finanzielle Probleme waren auch hausgemacht. "Wenn jemand eine traurige Geschichte für mich hatte, konnte ich nicht nein sagen", sagt der heute 37-Jährige. Nicht nur, dass sich das gehäuft habe - oft sei er einfach Lügen aufgesessen.

Frau Patrice bleibt bei Curry

Mittlerweile hat sich Currys Leben aber zum Guten gewendet - dank Ehefrau Patrice, die ihm nicht nur seine Affäre verziehen hat.

"Wenn es einen Helden in meiner verrückten Lebensgeschichte gibt, dann auf jeden Fall meine Frau Patrice. In 15 Jahren Ehe hat sie genug Drama für 15 Leben durchgestanden. Sie hätte mich tausendmal verlassen können. Und ich hätte es ihr nicht vorwerfen können. Aber sie hat mir nie den Rücken gekehrt", schwärmt Curry von der Frau, die all seinen sieben Kindern eine liebende Mutter ist - auch Noah, den mittlerweile 14-jährigen Sohn seiner Affäre, den sie wie ihren eigenen angenommen habe. Curry erzählt: "Er nennt sie Mom."