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München - Joel Embiid zählt zu den besten Centern der NBA. Doch um ein Haar wäre es dazu nie gekommen. Nach einer Familientragödie denkt er über die Flucht aus den USA nach.

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Joel Embiid gehört zu den besten Centern der Liga und wurde folgerichtig erneut ins All-Star-Team berufen.

Hinsichtlich der Playoffs in der NBA ist der gebürtige Kameruner trotz der momentanen Krise der Philadelphia 76ers zuversichtlich, dass sein Team ein anderes Gesicht zeigen wird, wie er SPORT1 im Interview verriet.

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Doch um ein Haar wäre Embiids NBA-Karriere beendet gewesen, bevor sie überhaupt begonnen hatte. In einem emotionalen Brief auf Players Tribune spricht Embiid darüber, warum er wegen eines herben Schicksalsschlag fast auf seine Karriere verzichtet hätte.

Embiid denkt über Rückzug aus NBA

"Ich weiß nicht, wie viele Leute das wissen, aber kurz nachdem ich 2014 gedrafted wurde, habe ich darüber nachgedacht, nicht mehr zu spielen. Ich übertreibe dabei nicht. Ich habe ernsthaft darüber nachgedacht, mich aus der NBA zurückzuziehen, bevor ich mein erstes Spiel überhaupt gemacht hatte", schreibt Embiid.

Kurz zuvor war Joel Embiids Bruders Arthur verstorben, zu dem er ein enges Verhältnis führte: "Ich denke, wir haben alle eine Person in unserem Leben, die immer positive Energie abgibt. Diese Person, die einfach Spaß macht, weißt du? Und der sich immer für dich einsetzt, egal was. Für mich war das Arthur."

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Embiid siedelt in die USA um

Rückblick: 1994 in Kamerun geboren, siedelte Joel Embiid mit 16 Jahren in die USA um.

Dort entwickelte sich der 2,13-Hüne an seinen zwei High Schools und dem College schnell zu einem der besten Nachwuchsspieler des Landes. Im Jahr 2014 meldete sich Embiid zum NBA-Draft an und galt bis zu seiner schweren Fußverletzung als möglicher Nummer-1-Pick.

Es war ein schwerer Rückschlag für den jungen Mann, der schließlich an Nummer drei von den Sixers gedraftet wurde, nach der Operation aber mehrere Monate ausfiel.

Verletzung verhindert Wiedersehen

Da der Draft 2014 in New York stattfand und es bei der Gala zum Wiedersehen kommen sollte, verweilte die Familie im Osten des Landes.

"Ich habe meinen Bruder drei Jahre nicht gesehen. Trotzdem hat er meine ganze Karriere verfolgt, und als ich vor dem Draft stand, war er so stolz auf mich", sagt Embiid hinsichtlich der Beziehung zu seiner Familie während seiner Abstinenz. 

Doch aufgrund seiner Verletzung wurde Embiid im Westen, in Kalifornien, operiert. Und durch die Angst der Ärzte, es könnten sich Blutgerinsel bilden, durfte er den Flug nach New York nicht antreten.

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Dennoch hatte Embiid damals "das Gefühl, dass wir viel mehr Möglichkeiten haben würden, uns zu treffen. Er war erst 13 - er hatte alle Zeit der Welt, um zurückzukommen und mich zu sehen."

Embiids Bruder stirbt bei Autounfall

Dazu sollte es jedoch nicht kommen. Bruder Arthur stirbt, nachdem er auf dem Rückweg von der Schule von einem Lastwagen angefahren wird.

"Als Arthur weg war, hatte ich das Gefühl, meinen Lebenszweck verloren zu haben. Ich wollte eigentlich nur das Spiel beenden und nach Kamerun zurückkehren, um mit meiner Familie zusammen zu sein", schreibt Embiid über seine Gefühlswelt nach dem Schicksalsschlag.

Es begann eine Phase, in der er sich jeden Tag aufs Neue motivieren musste, um die Lust am Basketball nicht zu verlieren: "Viele Tage waren einfach scheiße. An vielen Tagen wollte ich einfach nur einen Flug nach Hause buchen."

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Embiid will Bruder stolz machen

Doch er entscheidet sich dazu weiterkämpfen: "Ich habe zwei Jahre lang jeden Tag hart gearbeitet, um gesund zu werden, um besser zu werden, um einen Schritt weiter in Richtung NBA zu machen. Ich hatte das Gefühl, wenn ich das mache, wäre mein Bruder verdammt stolz auf mich."

Eine hilfreiche Stütze fand Embiid in dieser schweren Zeit auch in seinem Umfeld in Philadelphia - und besonders bei den Fans. 

"Ich werde niemals vergessen, wie ich meinen ersten Korb erzielt habe. Ich rannte zurück und das ganze Publikum rastete aus. Nach all dem, was ich durchgemacht habe, war das mit Sicherheit einer der schönsten Momente meines Lebens", schreibt Embiid.