Scott Skiles gelingt am 30. Dezember 1990 gegen die Denver Nuggets das Spiel seines Lebens
Scott Skiles gelingt am 30. Dezember 1990 gegen die Denver Nuggets das Spiel seines Lebens © Getty Images
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München - Der 30. Dezember 1990 geht in die NBA-Historie ein. Scott Skiles von den Orlando Magic ist nicht zu stoppen. Von einem nahenden Rekord bekommt er nichts mit.

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Die ersten Jahre der glorreichen 90er waren in der NBA auch geprägt von zahlreichen hochkarätigen Point Guards.

Magic Johnson (Los Angeles Lakers), Isiah Thomas (Detroit Pistons), John Stockton (Utah Jazz), Mark Price (Cleveland Cavaliers), Mark Jackson (New York Knicks) oder Tim Hardaway (Golden State Warriors) waren zu dieser Zeit die Stars ihrer Teams - und mit die bestimmenden Akteure der Liga. Der 30. Dezember 1990 war aber der Tag eines eher im zweiten Glied stehenden Spielers: Scott Skiles von den Orlando Magic. 

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Der damals 26 Jahre alte Skiles gab im Spiel gegen die Denver Nuggets 30 (!) Assists. So viele direkte Korbvorlagen hatte bis dahin kein anderer Spieler verteilt. Der Rekord ist auch 29 Jahre nach Skiles' Gala noch immer unangetastet.

Skiles mit einer Vorahnung

"Ich wusste vor dem Spiel, dass es ein High-Assist-Spiel werden würde, solange wir Würfe nehmen können", sagte Skiles rückblickend auf den letzten Sonntag des Jahres 1990. 

Seine Prognose basierte maßgeblich auf dem Gegner. Die Nuggets verfolgten unter Head Coach Paul Westphal eine Strategie, die auf Tempo und möglichst viele Würfe ausgerichtet war. So führten die Nuggets die NBA in der Saison 1990/91 mit 119,9 Punkten pro Spiel an. Ihr Problem war aber, dass sie mit durchschnittlich 130,8 Punkten pro Partie auch die meisten Punkte zuließen.

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In der Orlando Arena dominierten die Magic an jenem 30. Dezember von Beginn an. Nach dem ersten Viertel führten sie mit 35:23. Bis zur Pause bauten sie den Vorsprung weiter aus - 72:49. Zu diesem Zeitpunkt lag Skiles bereits bei 14 Assists.

"In dieser Nacht war es nur eine Kombination ihres Spielstils, gepaart mit Spielern in meinem Team, die Würfe getroffen haben. Sie haben einige schwierige getroffen und auch die einfachen gemacht. Ich bin in das Ganze irgendwie reingestolpert", sagte Skiles.

Skiles nähert sich der alten Rekordmarke

Als der Vorsprung der Magic zum Ende des dritten Viertels auf 110:80 anstieg, erreichte die Anzahl von Skiles' Assists ungewohnte Höhen. Zu Beginn des letzten Viertels durchbrach er erstmals in seiner Karriere die Marke von 20 Assists und näherte sich stetig dem bisherigen Rekord von 29 Vorlagen. Diesen hatte 1978 Kevin Porter im Trikot der New Jersey Nets aufgestellt. 

Skiles, 1989 im Expansion Draft von den neugegründeten Orlando Magic an Position elf gezogen, bekam auf dem Parkett selbst nichts von einem möglichen NBA-Rekord mit. 

"Ich wusste tatsächlich nichts davon, bis sie es in der Halle sieben oder acht Minuten vor Schluss verkündet haben. Ich hatte bereits mit unserem Trainer Matt Goukas darüber gesprochen, dass er mich auswechselt", erklärte Skiles. Diesen Gefallen tat ihm Goukas natürlich nicht. "Du bist noch einen Assist vom Rekord entfernt", sagte dieser zu Skiles und schickte ihn wieder aufs Spielfeld. 

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Reynolds trifft die entscheidenden Würfe

Mit noch sechs Minuten und 57 Sekunden auf der Spieluhr war es dann soweit. Skiles bediente Jerry Reynolds, an diesem Abend mit 27 Punkten Topscorer der Magic, der mit einem krachenden Dunking vollendete. Es war Skiles' 29. Assist, der Rekord war eingestellt. 

Reynolds war es auch, der Skiles 25 Sekunden vor Spielende mit einem getroffenen Sprungwurf den alleinigen Assist-Rekord bescherte. Der Jubel in der gesamten Arena war riesengroß. 

Stockton schafft "nur" 28 Assists

In den vergangenen 29 Jahren ist es keinem Spieler gelungen, den Rekord von Skiles einzustellen oder gar zu brechen. John Stockton, mit 15.806 Assists bester Assistgeber in der Geschichte der NBA, hatte 1991 zwar ein Spiel mit 28 Assists, an Skiles' Marke biss er sich aber während seiner gesamten Karriere die Zähne aus. 

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Die Saison 1990/91 war für Skiles nicht nur wegen seines Rekordes etwas Spezielles: 17,2 Punkte und 8,4 Assists im Schnitt über die gesamte Saison brachten ihm die Auszeichnung als "Most Improved Player" ein. 1996 endete seine NBA-Karriere, in 600 Spielen gab er insgesamt 3.881 Assists. 

Trainer in der NBA

Auch nach seiner Karriere als Spieler blieb er dem Basketball treu - als Trainer. Von 1999 bis 2016 war er in der NBA Cheftrainer der Phoenix Suns, Chicago Bulls, Milwaukee Bucks und Orlando Magic.

Wie lange er noch in den Geschichtsbüchern der NBA als bester Assistgeber in einem Spiel stehen wird, ist natürlich ungewiss.

In den nächsten Jahren wird es wohl wegen des sich stark verändernden Spielstils der Point Guards in der NBA - diese fungieren inzwischen meist eher selbst als Punktesammler denn als Assistgeber - aber wohl eher nicht passieren.