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München - Die Philadelphia 76ers können aktuell nicht die hohen Erwartungen vor der Saison erfüllen. Ihre beiden Stars werden hart kritisiert.

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Er hatte wieder einmal eine Sternstunde: 16 Punkte, 17 Assists und 13 Rebounds steuerte Ben Simmons zum jüngsten 125:109-Erfolg der Philadelphia Sixers bei – eine Leistung, die zuletzt 100-Punkte-Mann Wilt Chamberlain 1968 im Sixers-Trikot gelang.

Doch obwohl Simmons immer wieder Triple-Double abliefert und defensiv oft herausragend agiert, wird er von vielen als als wichtiger Grund ausgemacht, warum Philadelphia im Titelrennen kein ernsthafter Kandidat ist - trotz einer Ansammlung von Stars in der Starting Five.

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Nach mehr als einem Viertel der NBA-Saison liegen die 76ers im Osten aktuell auch nur auf Rang fünf - mit bereits zehn Niederlagen auf dem Konto. Zuletzt wurde das Team im heimischen Wells Fargo Center bei der Pleite gegen die ohne Luka Doncic antretenden Dallas Mavericks sogar ausgebuht.

Kaum Abgänge bei Philadelphia vor der Saison

Rückblick: Gemeinsam mit den Milwaukee Bucks wurde Philly vor der Saison als Top-Team im Osten gehandelt. Kein Wunder - die Starting Five ist auf dem ersten Blick das beste, was der Osten zu bieten hat.

Für Jimmy Butler (Miami Heat) wurde Josh Richardson verpflichtet, der defensiv exzellent ist und die Rolle hinter den großen Stars Joel Embiid und Simmons besser akzeptiert als Butler. Zudem kam mit Al Horford von den Boston Celtics noch eine Entlastung für Embiid, der auch neben ihm agieren kann.

Ein von vielen unterschätzter Verlust war allerdings jener von Dreier-Scharfschütze J.J. Redick - dazu später mehr.

Leonard wirft Sixers aus Playoffs

Der restliche Kern des Teams, der in der vergangenen Saison nur durch einen irren Buzzerbeater von Kawhi Leonard im Conference Semifinale aus den Playoffs flog, blieb zusammen.

Zahlreiche Experten sahen die Sixers auch aufgrund ihrer Größe und Physis auf dem Feld als defensivstärkstes Team der Liga. Phasenweise ist das auch zu sehen - immerhin liegen die Sixers im Defensive Rating auf Rang vier. Doch besonders in der Zone lassen sie mit 46,6 Punkten pro Partie deutlich mehr als ihre Konkurrenten zu.

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Das viel größere Problem bei den Sixers liegt aber in der Offense - und daran hat Simmons trotz aller Spielmacher-Qualitäten einen großen Anteil.

Dreier sind ein Problem - auch wegen Simmons

Denn als einziger Aufbauspieler der Liga nimmt der 23-jährige Australier nahezu nie einen Dreier. Gerade einmal zwei mickrige Dreier versenkte Simmons bisher und nahm insgesamt erst fünf Versuche.

Nun verfügt er mit 2,08 Metern über eine herausragende Größe für einen Point Guard und kann dank seiner ungeheuren Athletik auch leicht zum Korb ziehen. Doch darauf haben sich inzwischen alle Gegner eingestellt.

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Klar ist Simmons so gut, dass schwächere Teams ihn trotzdem nicht stoppen können. Doch gegen starke Teams taucht Simmons gerne ab. In den Playoffs wird das zum großes Problem für die Sixers, wenn Spieler genau auf seine Spielweise eingestellt werden.

Simmons muss Dreier werfen

Für den Erfolg der Sixers muss Simmons daher den Dreier nehmen. Auch wenn er ihn nur ab und an trifft, würde dies reichen, damit Gegenspieler zumindest rausrücken und nicht drei Meter von ihm entfernt warten, bis er zu ihnen kommt.

Dies würde vor allem Platz für Embiid unter dem Korb, aber auch für die passablen, wenngleich nicht sonderlich guten Dreierschützen Tobias Harris (32,9 Prozent in dieser Saison) und Richardson (34,7 Prozent) schaffen.

Mit 29,8 Dreierversuchen pro Partie rangieren die Sixers aktuell auf Rang 26 ligaweit. Zwar ist ihre Trefferquote mit 36,1 Prozent (Rang 9) in Ordnung, doch durch die geringere Anzahl ihrer Versuche geraten sie in der modernen NBA dennoch ins Hintertreffen.

Selbe Wurfdistanz wie einst Shaq

Nach Simmons' zweitem getroffenen Dreier forderte Coach Brett Brown zukünftig öffentlich in jedem Spiel einen Dreierversuch von ihm. Die Reaktion von Simmons darauf? Er versuchte es in den neun folgenden Spielen noch insgesamt ein einziges Mal.

Seine durchschnittliche Wurfdistanz liegt aktuell bei 1,43 Metern Entfernung vom Korb – als Point Guard. Zur Einordung: In der selben Range bewegte sich der ehemalige Lakers-Center Shaquille O’Neal in der Saison 2000/01.

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Auch seine häufige Passivität gegen große Gegner in den letzten Minuten ist ein Problem. Gegen Dallas verschwand er im vierten Viertel sogar komplett aus den Statistiken. Simmons reichte schlichtweg nur noch den Ball weiter und machte in der Zone die Räume für seine Mitspieler eng.

Kevin O'Connor von Ringer twitterte zur Leistung von Simmons: "Traurig zu sehen, wie Ben Simmons im vierten Viertel zu einer Mischung aus Jahlil Okafor und Michael Carter-Williams wird. Sixers-Fans sollten sauer über sein Mangel an Entwicklung in der Offensive sein. Simmons ist immer noch ein feiger Schütze und ein Nachteil für Phillys Playoff-Chancen.

Legenden wie Barkley kritisieren Embiid

Aber nicht nur Simmons, sondern auch Co-Star Embiid muss trotz durchaus beeindruckender Zahlen (23,0 Punkte, 12,6 Rebounds) Kritik einstecken, nachdem seine Werte im Vergleich zur Vorsaison etwas nach unten gegangen sind.

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Nach einigen defensiv wie offensiv für Embiids Verhältnisse lethargischen Auftritten warfen ihm die NBA-Legenden Shaquille O’Neal und Charles Barkley vor, nicht genügend zu dominieren.

"Wenn du nur gut sein willst, dann mach weiter mit den 22 Punkten. Wenn du großartig sein willst, dann gib mir 28, gib mir 30. Wenn du großartig sein willst, dann schau dir Giannis (Antetokounmpo, Anm. d. Red.) an. Er will es", meinte O'Neal in Richtung Embiid.

Antetokounmpo als Vorbild für Simmons und Embiid

Antetokounmpo - der Superstar der Milwaukee Bucks ist der Name, der bei den Sixers über alles schwebt. Denn sollten sich die Sixers in den nächsten Monaten steigern und zu ihrer erwartbaren Form finden, ist der MVP die größte Gefahr auf den Weg in die Finals für Philadelphia.

Der Grieche zeigt genau all das, was sich Sixers-Fans von Embiid und Simmons wünschen - er dominiert das Spiel gegen jeden Gegner und zu jedem Zeitpunkt. Dabei hatte er zu Beginn seiner Karriere ähnliche Wurf-Probleme wie Simmons und praktisch keinen Dreier.

Doch Antetokounmpo übte diese Distanzwürfe nicht nur im Training, was Simmons ebenfalls macht und da oft gut trifft, sondern versuchte es auch in Spielen - egal, wie viele daneben gingen. Der "Greek Freak" sagte immer: Mein Team braucht es, dass ich diese Dreier versuche.

Greak Freak als Dreierspezialist gegen Lakers

Das sollte sich auszahlen. Im Spitzenspiel gegen die Los Angeles Lakers um LeBron James warf Antetokounmpo gleich fünf Dreier, was hauptverantwortlich für den Sieg der Bucks war.

Das Christmas Games zwischen 76ers und Bucks (ab 20.30 Uhr in den LIVESCORES) wird daher mit Spannung erwartet. Es könnte ein erster Vorgeschmack auf die Playoffs sein - und Simmons sowie Embiid müssen zeigen, ob sie bereit sind, alles zu tun, um Antetokounmpos Bucks zu stoppen.

Denn sind sie das nicht, könnte in Philadelphia die Erkenntnis reifen, dass nur einer von beiden eine langfristige Zukunft in der Stadt der brüderlichen Liebe hat.