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München - Fred VanVleet krönt in den NBA Finals seine unglaubliche Geschichte. Eine richtige Kindheit wird ihm früh genommen, Colleges und NBA-Teams ignorieren ihn lange - doch er beißt sich durch.

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Kawhi Leonard ist das Gesicht des ersten NBA-Titelgewinns in der Franchise-Geschichte der Toronto Raptors - doch als es in Spiel 6 gegen die Golden State Warriors um alles geht, wird ein Underdog zum Helden, dessen Teilnahme in den NBA Finals einem Wunder gleichkommt.

Der 1994 in Rockford (90 Kilometer nordwestlich von Chicago, Anm. d. Red.) geborene Fred VanVleet war fünf Jahre alt, als sein Vater bei einem Drogendeal erschossen wurde. Auch einige seiner Freunde fielen der Waffengewalt in der unsicheren Gegend zum Opfer.

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"Wir hatten Kinder, die schusssichere Westen zur Schule trugen. Meine Jungs und ich waren in viele Probleme verwickelt, aber ich war derjenige, der versuchte zu schlichten", sagte VanVleet bei CBS und ergänzte, dass Waffen und Gras rauchen an seiner Schule zur Tagesordnung gehörten.

Harte Schule für VanVleet

Damit er nicht in ähnliche Kreise wie sein Vater abrutschte, hielt ihn sein Stiefvater mit Basketball auf Trab.

Die Methoden waren hart. Das Training begann um fünf Uhr morgens und um seine Ausdauer zu verbessern, musste VanVleet 13 Kilogramm schwere Westen tragen. Trotz guter Leistungen in der High School, bekam er jedoch keine Angebote von großen Traditions-Colleges.

Doch für VanVleet spielte dies keine große Rolle: "Ich wollte einfach nur aus dieser Stadt raus. Das war alles, ins College gehen. Ich wusste, dass ich in die NBA wollte, aber zu diesem Zeitpunkt wollte ich einfach nur aus der Umgebung raus und mich dann um den Rest kümmern."

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VanVleet wird nicht gedraftet 

VanVleet entschied sich daher für Wichita State. Als Freshman brachte er sein Team mit entscheidenden Würfen ins erste Final Four seit 1965. Der Durchbruch gelang ihm im Sophomore-Jahr, als er zum Spieler des Jahres in der Missouri Valley Conference ausgezeichnet wurde.

Trotz dieser starken Leistungen entschied sich am Drafttag kein NBA-Team für ihn - seine für einen Combo Guard geringe Körpergröße von 1,83 Meter spielte hierbei sicher auch eine Rolle. Zwei Angebot für Farmteams in der NBA Development League zu spielen, hatte VanVleet zuvor abgelehnt.

"Das ist, wie ich den Großteil meines Lebens verbrachte. Der Underdog sein, nicht respektiert werden und ausgezählt werden", sagt der heutige 25-Jährige bei The Eagle rückblickend über seine bisherige Basketball-Karriere.

Doch VanVleet hat Glück - die Toronto Raptors geben ihm die Chance, sich in der Summer League zu beweisen. Nach guten Leistungen im Trainingscamp wird er als vierter Point Guard im Team mit einem Kaderplatz belohnt, wechselt aber öfter zwischen NBA und D-League, als ihm lieb ist. 

Über die Summer League in die NBA

In der zweiten Saison konnte er sich steigern und wurde sogar für den NBA Sixth Man of the Year Award nominiert. Dennoch lief VanVleet vor der Saison 2018/2019 Gefahr, seinen Kaderplatz zu verlieren. Gerade so konnte er sich den 15. und letzten Platz für die Saison sichern.

Nach einer ordentlichen Spielzeit eröffnete sich durch den Abgang von Konkurrent Delon Wright wegen des Gasol-Trades eine neue Chance. Defensiv zeigte er sein Können, doch offensiv gelang ihm in den Playoffs zunächst nichts.

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In der Zweitrundenserie gegen die Philadelphia 76ers traf er drei von 24 Würfen, in den ersten drei Spielen in den Conference Finals gegen die Milwaukee Bucks waren es vier von 20. Nicht wenige forderten, dass VanVleet nicht mehr spielen sollte, doch Coach Nick Nurse baute auf seine Defense.

VanVleet dreht nach Geburt des Kindes auf

Wenige Tage später kommt Sohn Fred Jr. zur Welt und aus dem Backstein-Werfer wird plötzlich ein Scharfschütze, der selbst Stephen Curry und Klay Thompson in den Schatten stellt. In den folgenden drei Spielen wirft er unfassbare 14 Dreier bei 17 Versuchen aus der Distanz.

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Auch in den Finals gegen die Warriors wird der von der Bank kommende VanVleet zum X-Faktor und erzielt im Schnitt 14 Punkte. In Spiel 4 wird ihm von Warriors-Spieler Shaun Livingston unabsichtlich ein Zahn ausgeschlagen, dazu strömt Blut über seine rechte Gesichtshälfte. 

Sieben Stiche später sitzt "FVV" wieder auf der Bank und will eingewechselt werden. Raptors-Coach Nurse verzichtet, da die Raptors auch so bereits klar auf Siegkurs liegen. Ganz im Gegensatz zu Spiel 6, als die Raptors im vierten Viertel einem knappen Rückstand hinterlaufen.

VanVleet stoppt Curry und trifft Big Shots

Hier schlägt die große Stunde von VanVleet. Neben seiner das ganze Spiel über exzellenten Verteidigung gegen Curry nimmt er in der entscheidenden Phase einen Big Shot nach dem anderen – und trifft diese auch noch. Mit zwölf Punkten im Schlussviertel wird er zum Matchwinner neben Kyle Lowry.

VanVleet hat es tatsächlich geschafft - als erster Wichita-State-Spieler seit Cliff Levingston 1992 mit den Chicago Bulls ist er NBA-Champion.

Für ihn soll das aber erst der Anfang sein. "Ich habe es geschafft – allen Widrigkeiten zum Trotz. Aber ich bin nicht fertig. Ich bin nicht zufrieden. Ich will weiter machen und danach streben, um noch besser als Basketballspieler und Mensch zu werden."