Ben Simmons (Philadelphia 76ers)
Ben Simmons (Philadelphia 76ers) © SPORT1-Montage/Getty Images/Imago
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München - Ben Simmons von den Philadelphia 76ers ist ein Phänomen in der NBA, denn der Point Guard kommt ohne Wurf aus und zeigt trotzdem rekordverdächtige Leistungen.

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"Vermisst! Haben Sie seinen Wurf gesehen?"

Ein Fahndungsplakat mit diesem Aufruf prangte vor dem Barclays Center in New York vor Spiel drei der Playoff-Serie zwischen den Brooklyn Nets und den Philadelphia 76ers.

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Darauf das Konterfei von Sixers-Guard Ben Simmons. Als Belohnung sind exakt 26.620.450 Dollar ausgerufen - genau so viel ist sein Vierjahresvertrags in Philadelphia wert.

Wenig später lieferte der 22-Jährige eine eindrucksvolle Antwort auf dem Parkett: 31 Punkte, neun Assists, drei Blocks und zwei Steals. Elf von 13 Wurfversuchen aus dem Feld und neun seiner elf Freiwurfversuche fanden den Weg durch die Reuse.

Simmons nur aus der Nahdistanz erfolgreich

Mit einer Wurfquote von 84,6 Prozent wurde Simmons dabei der erste Sixers-Spieler in der Geschichte der Franchise, der in einem Playoff-Spiel mindestens 30 Punkte bei einer Quote von über 80 Prozent erzielte.

Wie so oft nahm der Nummer-Eins-Pick des Jahres 2016 alle seine Würfe aus kürzester Distanz, sein weitester erfolgreicher Wurf war nur knapp dreieinhalb Meter vom Korb entfernt.

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Für einen Point Guard von Simmons' Talent sehr ungewöhnlich, aber beim Australier die Regel. Als Scorer strahlt er die größte Gefahr in Zonennähe aus. Statt Sprungwürfen und Dreiern besteht sein Repertoire vor allem aus Layups und Floater-Würfen. Erst im Februar hatte er seinen ersten richtigen Dreier-Versuch überhaupt in der NBA gewagt.

Selbst Freiwürfe sind für ihn ein Problem

So ist Simmons in der Offensive leicht ausrechenbar und damit eine potenzielle Gefahr für die Titelambitionen der Traditionsfranchise aus Philadelphia. Einige Sixers-Fans fordern deshalb sogar seinen Trade.

Auslöser dafür war die Playoff-Partie 2018 gegen Boston. Die Celtics ließen Simmons draußen frei stehen und versperrten nur den Weg zum Korb. Der Point Guard verweigerte die freien Würfe und wurde auf dem Weg zum Korb von der Celtics-Defense gestoppt.

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Selbst bei Freiwürfen hat der 22-Jährige große Probleme. Diese sind so groß, dass die Nets im Schlussabschnitt "Hack-a-Simmons" spielten, um den Guard an die Freiwurf-Linie zu zwingen. Der Ursprung dieser Taktik liegt bei den Gegnern von Shaquille O'Neal. Diese hatten den Center aufgrund seiner Freiwurf-Schwäche gegen Ende von Partien ständig gefoult.

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NBA-Experten hatten Simmons in der Vergangenheit sogar bereits empfohlen, Freiwürfe von unten auszuführen. Diesmal behielt er aber die Nerven und leistete sich bei 13 Versuchen nur zwei Fehlwürfe. 

"Greek Freak" macht Simmons Hoffnung

Doch es gibt auch Hoffnung für den Wurf des Philly-Stars, wie der Fall von Giannis Antetokounmpo zeigt.

Ähnlich wie Simmons war auch der "Greek Freak" in seinen ersten beiden NBA-Jahren nahezu ohne Wurf unterwegs, hat dann aber sukzessive an dieser Baustelle gearbeitet und verfügt inzwischen über einen guten Mitteldistanzwurf und verwandelt sogar 25 Prozent seiner Dreierversuche. 

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Von Simmons ist zu hören, dass er im Training regelmäßig Würfe nimmt und diese sogar trifft, aber offenbar fehlt ihm während des Spiels das nötige Vertrauen. So ist er aktuell ein absolutes NBA-Unikat, da selbst zahlreiche Center regelmäßig Dreier verwandeln können.

Trotzdem zählt der gebürtige Melbourner zu den größten Stars der NBA. Im Fastbreak ist er mit seiner Geschwindigkeit und seiner Übersicht kaum zu stoppen. Und dann gibt es noch die "Triple-Double-Maschine Simmons". In seiner Rookie-Saison gelangen ihm zwölf - mehr als Super-Rookie Luka Doncic von den Dallas Mavericks schaffte.

Simmons mit berühmter Partnerin

Auch in der aktuellen Spielzeit erzielte er bisher zehn Triple-Doubles. In Spiel zwei gegen die Nets schaffte er diese Leistung zum zweiten Mal in den Playoffs und ist damit neben Wilt Chamberlain (8) und Charles Barkley (2) der einzige Sixers-Profi der Geschichte, mit mehreren Triple-Doubles in den Playoffs.

Noch eindrucksvoller ist die Anzahl seiner Double-Doubles: In 160 Spielen der regulären Saison gelangen ihm 80. Zum Vergleich: Russell Westbrook, der seine elfte NBA-Saison spielt, steht bei 369 Double-Doubles in 821 Partien der regulären Saison. 

Während Simmons in der NBA - aufgrund seines nicht vorhandenen Wurfs - noch kein echter Superstar ist, hat er privat bereits einen solchen an seiner Seite. Der 22-Jährige ist mit Supermodel Kendall Jenner, einer Schwester von Kim Kardashian, liiert.

Noch schreibt diese die größeren Schlagzeilen, doch sollte sich Simmons je einen Wurf zulegen, dürfte sich das ändern.