NBA: LeBron James, Lonzo Ball und Brandon Ingram stecken mit den Los Angeles Lakers in der Krise
LeBron James, Lonzo Ball und Brandon Ingram stecken mit den Los Angeles Lakers in der Krise © SPORT1-Montage: Getty Images
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München - LeBron James und die Los Angeles Lakers stehen vor einem Scherbenhaufen - verschiedene Faktoren sind dafür verantwortlich. Wie geht es jetzt weiter?

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Es war der Blockbuster-Deal des vergangenen Sommers: LeBron James zu den Los Angeles Lakers.

Der NBA-Superstar unterschrieb einen Vierjahresvertrag, der ihm insgesamt rund 154 Millionen Dollar einbringt. Die Euphorie in Kalifornien war groß, sollte doch "King James" höchstpersönlich die Lakers wieder zu altem Glanz führen. Doch neun Monate später ist beim 16-maligen NBA-Champion Ernüchterung eingekehrt. (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM) 

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Drei Wochen nach der All-Star-Pause gibt man sich in der Stadt der Engel geschlagen. James geht nicht mehr über 33 Minuten pro Partie. Die hoffnungsvollen Talente Lonzo Ball und Brandon Ingram sind mit Verletzungen für den Rest der Saison außen vor.

James wird zum ersten Mal seit 2005 die Playoffs verpassen - wie konnte es so weit kommen? Fakt ist: So kann es im Sommer nicht weitergehen. In dieser Form ist LeBrons Lakers-Projekt gescheitert.

Probleme bei Lakers hausgemacht

Die erste Saison der Lakers mit LeBron ist schon jetzt ein Desaster. Allerdings sind die Probleme hausgemacht. Bei der Kaderzusammenstellung wurde nicht auf die Verpflichtung von Dreier-Schützen geachtet.

Stattdessen gibt es zu viele Spieler neben LeBron, die ihre Stärken mit dem Ball in den Händen haben (Rajon Rondo, Lonzo Ball, etc.). Im Gespann mit Rondo hat James die mit Abstand schwächste Plus-Minus-Bilanz (-55). Coach Luke Walton wollte Julius Randle und vor allem Brook Lopez halten, stattdessen bekam er Michael Beasley, Lance Stephenson, JaVale McGee und eben Rondo. Als Team haben die Lakers die zweitschlechteste Dreierquote der NBA (33,4 Prozent).

Auch in Sachen Defense hat das aktuelle Lakers-Team noch Luft nach oben. Seit der aggressive Ball fehlt, geben die Lakers regelmäßig 120 Punkte oder mehr ab. Nur drei Teams geben mehr Dunkings ab als die Lakers, das spricht eher nicht für eine gute Rotation. Der 34 Jahre alte James ist nur noch selten ein Top-Verteidiger.

Das vor der Saison propagierte Abgeben der Verantwortung des Spielgestalters, eine größere Präsenz im Low-Post - wie einst auch Michael Jordan vormachte - oder gar regelmäßiges Auftauchen als Center in einem Warriors-mäßigen Small Ball, erwiesen sich als Trugschluss und waren mit LeBrons Selbsteinschätzung nicht zu vereinbaren. Seine Energie investiert er seit Jahren deutlich lieber im Angriff, wie sein NBA-Rang jenseits der 300 bei Defensive Win Shares in der vergangenen Saison zeigt.

Trade-Theater um Davis sorgt für Zoff im Team

Zudem ist die Chemie zwischen LeBron und Walton offensichtlich nicht die Beste. Der Coach wird die neue Saison wohl nicht erleben. Dafür ist James' Einfluss auf die Lakers viel zu groß. LeBron hat die Fäden in der Hand. Das wurde im Trade-Theater um Anthony Davis mehr als deutlich. Die Lakers gingen vor der Trade-Deadline "All in" und hätten beinahe ihr komplettes Team - auf das Bestreben von LeBron und seines Beraters Rich Paul hin - nach New Orleans getradet.

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Mit allen Mitteln wollte James einen weiteren Superstar in sein Team lotsen - wie schon in Cleveland, als er den Wiggins-Trade für Love verlangte. Mit dem Schlachtruf "LeBron wird dich traden" wurden die verbliebenen Lakers-Profis in den Hallen verhöhnt. Die Stimmung war nun auch innerhalb des Teams endgültig im Keller. Denn die Spieler fühlten sich von ihrem Superstar vor den Kopf gestoßen. Der Superstar des Teams setzte bereitwillig ihre Zukunft aufs Spiel - nicht gerade die beste Motivation.

Letztlich platzte der Deal, aber spätestens im Sommer wird Davis wieder ein Thema werden. Doch dann besitzen die Boston Celtics die deutlich besseren Karten, weil sie ein attraktiveres Paket schnüren können, um den Big Man an sich zu binden.

Lakers müssen Jungstars traden

Ein Team voller junger Talente, die noch keine etablierten Stars sind, war von Anfang an keine optimale Umgebung für LeBron. Seine Klasse ist unbestritten, seine Kombination aus Athletik, Übersicht und Willensstärke ist praktisch unmöglich zu verteidigen. Dennoch sollte man den Mythos, er mache alle Mitspieler besser, endgültig begraben.

Am besten funktionieren neben ihm schon immer Schützen wie Mo Williams, Mike Miller oder selbst J.R. Smith, während Chris Bosh oder Kevin Love ohne ihn deutlich stärkere Zahlen auflegten. In LeBrons Schatten zum Superstar wachsen, ist praktisch nicht möglich. Auch deshalb haben die Lakers gar keine andere Chance, als die Balls, Ingrams und Kuzmas zu traden. Nur etablierte Stars und Schützen können helfen, ein Meisterteam um LeBron zu basteln.

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Gehen Lakers bei Davis leer aus?

Sollten sich die Pelicans dazu entscheiden, Davis an ein anderes Team als die Lakers abzugeben, stünde man in L.A. plötzlich mit leeren Händen da.

Kann Magic Johnson dieses Blatt wenden? Zudem bräuchten die Lakers einen Trainer, der mit LeBron klar kommt und der Mannschaft neues Leben einhaucht. Beispielsweise durch ein innovatives Spielsystem – auch mit dem Risiko, dass James ohne neue Stars seine Koffer in Los Angeles aufgrund von fehlender Titel-Perspektive wieder packt.

Es ist ein schmaler Grat für die Verantwortlichen des Traditionsteams. Bisher konnte auch LeBron das Mittelmaß nicht aus L.A. vertreiben.