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Paradise Island - Paul Pierce schwärmt im SPORT1-Interview von Dirk Nowitzki und schätzt die Leistungen der deutschen NBA-Profis Dennis Schröder und Daniel Theis ein.

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Paul Pierce war einer der ganz Großen der NBA. 2008 gewann er mit den Boston Celtics die Meisterschaft, im selben Jahr wurde er auch als MVP der Finals ausgezeichnet. Insgesamt zehnmal wurde er ins All-Star-Team berufen.

Doch der heute 41-Jährige machte auch schwere Zeiten durch. 

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Im Jahr 2000 war seine Karriere und sogar sein Leben in Gefahr: In einer Disco in Boston wurde er mit einem Messer attackiert, erlitt Verletzungen an Gesicht, Hals und Rücken. Zudem wurde ihm eine Glasflasche über dem Kopf zerschlagen. Doch nur weniger als eine Woche nach seiner Lungenoperation konnte Pierce die Klinik schon wieder verlassen - und verpasste kein einziges Spiel der folgenden Saison.

SPORT1 sprach mit Pierce, der 2017 seine aktive NBA-Laufbahn beendete, am Rande eines Pokerturniers mit rund 26 Millionen Dollar Preisgeld auf den Bahamas. Der Hobby-Zocker schied schon an Tag 1 aus, sorgte aber mit Humor und Show-Talent für einige Unterhaltung am Pokertisch.

SPORT1: Mister Pierce, Sie können auf eine eindrucksvolle Basketball-Karriere zurückblicken. Was ist dabei ihre liebste Erinnerung?

Paul Pierce: Das ist einfach. Als ich 2008 mit den Boston Celtics NBA-Champion geworden bin. So lange Basketball zu spielen und dann die Meisterschaft zu gewinnen ist der Traum von jedem. Auf diesen Moment bin ich am stolzesten.

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SPORT1: Jeder konnte sehen, wie emotional der Titel für Sie war. Was ging Ihnen an diesem Tag durch den Kopf?

Pierce: Ich dachte einfach daran, wie viel Arbeit und Training ich in meine Karriere gesteckt habe, um endlich an die Spitze zu kommen. Und dann kamen all diese Emotionen heraus. Die Menschen wissen nicht, wie hart ich arbeiten musste, um an diesen Punkt zu kommen. Als ich es dann endlich geschafft hatte, war es das ultimative Gefühl.

SPORT1: Sie hatten auch schwierige Momente in ihrer Karriere. Im Jahr 2000 gerieten Sie in eine Messerstecherei ...

Pierce: Mir wurde in einem Nachtklub in Boston insgesamt elf Mal in den Rücken und den Hals gestochen. Ich musste um mein Leben kämpfen. Aber ich bin ein Mensch mit einem starken Willen. Das habe ich genutzt. Ich glaube, dass mir meine mentale Stärke wirklich dabei geholfen hat, wieder gesund zu werden. Und natürlich auch die Unterstützung, die ich aus meinem Umfeld bekam. So konnte ich auf den Court zurückkehren. Es war ein schwieriger Moment, aber wir alle gehen durch schwierige Momente in unserem Leben. Es ist wichtig, wie man damit umgeht. Ich konnte danach jedes Spiel dieser Saison spielen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich nach diesen lebensgefährlichen Verletzungen wieder Basketball spielen konnte.

"Macht Spaß, den Warriors zuzusehen"

SPORT1: Mit Ray Allen, Kevin Garnett und Rajon Rondo formten Sie damals ein echtes Superteam. Was sagen Sie zur Entwicklung des jüngsten Superteams, der Golden State Warriors?

Pierce: Ich glaube, die Superteams sind großartig für den Basketball, denn die meisten werden zu den Bösewichten der NBA. Jeder will sie schlagen. Aber man kann ihre Klasse einfach nicht bestreiten. Es macht Spaß, den Warriors zuzusehen. Sie sind eines der großartigsten Teams, die jemals zusammengestellt wurden. Jeder will wie sie sein. Wie sie Smallball spielen, diese tollen Spieler, die das Spiel einfach beherrschen und jederzeit einen Dreier versenken können.

SPORT1-Reporter Sebastian Mittag (l.) sprach auf den Bahamas mit Paul Pierce
SPORT1-Reporter Sebastian Mittag (l.) sprach auf den Bahamas mit Paul Pierce © SPORT1

SPORT1: Wie beurteilen Sie die Entwicklung "Ihrer" Boston Celtics, die zum Saisonstart mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatten?

Pierce: Sie werden besser. Ich denke, jeder bei den Celtics wächst dieses Jahr besser in seine Rolle herein. Ich glaube, sie können dieses Jahr sogar um den Titel mitspielen. Unter der Führung von Kyrie Irving werden sie eines der besten Teams der Liga sein. Aber einige der jüngeren Spieler müssen erwachsen werden und konstanter spielen, wenn sie den nächsten Schritt gehen und Meister werden wollen. 

SPORT1: Was denken Sie über Bostons Deutschen Daniel Theis?

Pierce: Mann, er ist wirklich gut! Er hatte letztes Jahr eine Verletzung, aber es macht mir wirklich Spaß zu sehen, wie er da draußen seinen Beitrag zu dem leistet, was die Celtics dieses Jahr erreichen wollen.

SPORT1: Sie kommen ursprünglich aus Los Angeles, waren als Kind Lakers-Fan. Wie sehen Sie L.A. mit LeBron James?

Pierce: Es macht Spaß, ihnen zuzuschauen. LeBron ist einer der besten Spieler, die es jemals gab. Sie sind wie die Celtics ein junges Team. Wenn LeBron nicht auf dem Court steht, haben sie Probleme. Es ist großartig für den Basketball, wenn gerade ein Team aus L.A. einen Spieler von LeBrons Kaliber hat. Da muss man den Fernseher einfach einschalten.

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Nowitzki? "Einer meiner absoluten Lieblingsspieler"

SPORT1: Sie wären beinahe mal bei den Dallas Mavericks gelandet. Wie kam das zustande?

Pierce: Naja, ich wollte damals zu den Mavericks wechseln. Im Sommer 2006 hatten wir Probleme in Boston, ich dachte, ich würde getradet. Und eines der Teams, zu denen ich gerne gewechselt wäre, waren die Mavericks. Ich hatte das Gefühl, Dirk Nowitzki bräuchte nur noch einen Spieler, um ein ganz großes Team zu haben. Ich hätte es geliebt, mit Dirk zu spielen. Er ist einer meiner absoluten Lieblingsspieler aller Zeiten. Er ist eine Legende. Ich ziehe meinen Hut davor, was er auf dem Basketball-Court gemacht hat. Ich schaue wirklich zu ihm auf. 

SPORT1: Warum genau hätten Sie so gerne mit Nowitzki gespielt?

Pierce: Er ist ein großartiger Spieler. Ich glaube, großartige Spieler brauchen andere großartige Spieler, die ihnen dabei helfen, den Titel zu erreichen. Als Dirk NBA-Champion wurde, hatte er andere fantastische Spieler um sich herum. Als ich NBA-Champion wurde, hatte ich auch andere gute Spieler im Team, wie Kevin und Ray.

SPORT1: Der Mann der Zukunft in Dallas ist Luka Doncic. Denken Sie, er kann zu einem ganz großen NBA-Star werden?

Pierce: Ja, er hat auf jeden Fall alle Werkzeuge, um eine NBA-Größe zu werden. Es geht jetzt darum, wie er sich weiterentwickelt, wie selbstbewusst er bleibt, und wie konstant er spielen kann. Aber bisher hatte er einen tollen Start.

SPORT1: Mit Dennis Schröder präsentiert sich ein weiterer Deutscher stark in der NBA. Was sagen Sie zu seinen Leistungen?

Pierce: Mir gefällt wirklich, wie sich Schröder jetzt bei OKC (Oklahoma City Thunder, Anm. d. Red.) schlägt. Er hat ihnen neue Möglichkeiten gegeben, er nimmt Druck von Russell Westbrook. Er ist wirklich ein guter Spieler, er spielt dort eine exzellente Rolle. Er ist ein großer X-Faktor für das Team.

SPORT1: Zum Abschluss: Was denken Sie, wer wird dieses Jahr NBA-Champion? 

Pierce: Ich glaube, Golden State wird den Titel holen und Kevin Durant wird noch einmal Finals-MVP.