Den Golden State Warriors um Kevin Durant (r.) fehlt nicht nur Star-Point-Guard Stephen Curry
Den Golden State Warriors um Kevin Durant (r.) fehlt nicht nur Star-Point-Guard Stephen Curry © Getty Images

München - Die längste Pleiten-Serie seit 2013 zeigt: Die Golden State Warriors stecken in der Krise. Nicht nur Currys Verletzung schadet. SPORT1 zeigt die Probleme der "Dubs".

von Raphael Weber , Robin Wigger

Vier Niederlagen in Serie, nur noch Rang 5 im Westen, miese Stimmung und verletzte Stars – es ist noch früh in der Saison, aber die Golden State Warriors schlittern immer tiefer in die Krise, die schlimmste ihrer Championship-Ära.

Seit 2013 hat das Über-Team der letzten Jahre nicht vier Spiele am Stück verloren, die 450 Spiele dazwischen sind laut Elias Sports Bureau die viertlängste Serie aller Zeiten.

Auch vor der Saison war Golden State wieder der haushohe Favorit auf den Titel. Nur die Dubs selbst und Verletzungen können dieses Team stoppen, so die einhellige Lehrmeinung. Beides tritt aktuell ein und trifft die Mannschaft von Trainer Steve Kerr hart.

SPORT1 beleuchtet die drei Probleme der Warriors.

Curry fehlt massiv - und ist wichtiger als Durant

Point Guard Stephen Curry sitzt wegen Leistenproblemen seit acht Partien draußen (nur gegen die schwachen Nets und Hawks gewann Golden State seitdem), eine Rückkehr ist frühestens an Thanksgiving zu erwarten.

Currys Fehlen macht sich in der Offense deutlich bemerkbar. Wieder einmal zeigt sich, wer der Schlüsselspieler in Kalifornien ist.

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Bei der Niederlagenserie erzielten die Warriors nur 95,5 Punkte im Schnitt - zu wenig für die Mega-Offense des Meisters. "Wir punkten einfach nicht gut genug", räumte Durant nach der Demontage gegen OKC ein: "Wir haben einfach Probleme, den Korb zu finden. 95 Punkte? Das sind nicht wir."

Seit Durants Ankunft im Sommer 2016 haben die Warriors in Spielen mit Durant und ohne Curry gerade einmal eine ausgeglichene Bilanz von 21 Siegen und 21 Niederlagen - das ist Mittelmaß! Zum Vergleich: Im umgekehrten Fall steht das Team bei 25 und neun.

Ohne Curry und Green kann sich die Defense mehr auf Durant und Thompson konzentrieren, es entstehen weniger freie beziehungsweise gute Würfe. Besonders im Schlussviertel macht sich das bemerkbar, zu viel geht über Durant. "Die Teams wissen, was wir machen wollen", haderte Durant.

Während beim starken Saisonstart mit elf Siegen und zwei Niederlagen die offensive Effektivität die beste der Liga war, fanden sich die Warriors in ihrer 1:4-Woche auf dem 24. Rang wieder. Gerade einmal 8,4 Dreier verwandelte das Team ohne Curry - und damit fünf weniger, als mit dem wohl besten Schützen der Liga-Geschichte auf dem Feld. Nur zwei Teams waren in diesem Zeitraum schlechter. Zudem verteilen die Dubs mit Curry im Schnitt sechs Assists mehr.

Green als Defense-Anker fällt weg

Was Curry für die Offense ist, ist Draymond Green für die Defense der "Dubs" – und auch er fehlt! Nach dem Zoff mit Durant wurde der Big man für ein Spiel suspendiert und wirkte seitdem nur ein Mal mit, ehe ihn eine Zeh-Verletzung ausbremste. Diese behinderte ihn wohl auch schon zuvor.

Mit ihm fehlt den "Dubs" nicht nur der emotionale Anführer, sondern vor allem das Defense-Ass, DER Schlüsselspieler am eigenen Korb. Als Kommandant sortiert er die Vorderleute und ist auch individuell der beste Verteidiger. Zwar kann auch Durant auf kleinere Gegenspieler switchen und dank seiner Länge den eigenen Korb beschützen – dank mehr Masse ist Green hier vor allem gegen physisch stärkere Gegner aber im Vorteil, ohne in anderen Bereichen schlechter zu sein.

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Dazu müssen Youngster und Neuzugänge wie Damian Jones oder Jonas Jerebko für Green in die Bresche springen, obwohl sie sich selbst noch ins Team und das Defensivkonzept einfügen. "Wir haben einen Haufen neuer und junger Typen an Bord und lernen immer noch, wie wir zusammenspielen," erklärte Guard Klay Thompson.

Dass Golden State die schwächelnde Defense (nur Platz 18 im Ligavergleich) aufgrund der noch mehr leidenden Offense nicht ausbügeln kann, macht sich aktuell in den Ergebnissen bemerkbar. Satte sieben Teams haben in der Liga inzwischen eine bessere Bilanz als die Warriors.

Teamgefüge bröckelt, Einstellung fehlt

Schon der Zoff zwischen den Superstars Durant und Green hat gezeigt: Die verschworene Gemeinschaft, die eine solche Star-Truppe braucht, um zu funktionieren, scheint nicht mehr so gegeben zu sein, wie in den letzten Jahren.

Gegen die Los Angeles Clippers am 13. November waren die Alphatiere aneinandergeraten, nachdem Green Durant in der entscheidenden Szene ignoriert hatte. Anschließend lieferten sich beide ein lautstarkes Wortgefecht, Green soll Durant sogar als "bitch" beleidigt haben. Spätestens im Sommer droht der Zerfall, dann wird "KD" Free Agent.

Auch wenn alle Protagonisten das Thema beiseiteschieben wollen – unter der Oberfläche wird Durants drohender Abflug die Warriors das ganze Jahr beschäftigen. Dass mit Green ausgerechnet der lautstarke Anführer des Teams den Megastar vor versammelter Mannschaft rund gemacht hat, tut sein Übriges.

Und wenn es beim Zusammenhalt hapert, wirkt sich das auch auf die Leistung aus, oder genauer: den Einsatz.

"Am Anfang war die Defense solide, da haben wir einen guten Job gemacht. Aber wenn nach einer Weile vorne die Würfe nicht fallen, dann führt das zu anderen Dingen", moserte Durant nach der OKC-Pleite: "Sie nehmen 23 Würfe mehr als wir!? Auf die Art verlierst du dann eben." Im Klartext heißt das: Die Mannschaft lässt sich hängen bzw. die Einstellung stimmt nicht. Der Einsatz im Kampf um die Rebounds (für mehr Würfe) und in der Verteidigung fehlt. Die Quittung gibt es auf dem Scoreboard.

Coach Kerr beschwört trotzdem den Zusammenhalt und gibt sich zuversichtlich, dass bald die Wende gelingt: "Unsere Jungs werden sich nicht zu sehr entmutigen lassen. Sie wissen, wie es läuft. Wir hatten hier nicht oft mit solchen Problemen zu tun – vielleicht ein, zwei Mal – aber so ist diese Liga. Du bist dezimiert, du verlierst Spiele. Du musst deinen Weg da raus kämpfen, wieder gesund werden und durchhalten, dann ändern sich Dinge wieder."

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