München - Die Los Angeles Lakers beginnen das LeBron-Kapitel mit zwei Pleiten und einer Prügelei. Die Baustellen sind groß, auch LeBron selbst spielt eine Rolle.

von Robin Wigger

Es dauerte nicht einmal zwei komplette Partien, bis sich die Zweifel an der Reife der Los Angeles Lakers bestätigt haben.

Nach einem Foul 4:13 Minuten vor dem Ende des Spiels gegen die Houston Rockets schubste Brandon Ingram James Harden weg und löste damit eine Massenschlägerei aus. Lakers-Kollege Rajon Rando lieferte sich eine Prügelei mit Chris Paul, nachdem er diesen offenbar angespuckt hatte, was Ingram wiederum dazu brachte, seine Faust ebenfalls fliegen zu lassen.

Die NBA brummte anschließend allen drei Raufbolden Spielsperren auf. Ingram muss als Initiator der Auseinandersetzung vier Spiele lang aussetzen. Rondo wurde für drei Spiele suspendiert, Paul für zwei.

Zwei Niederlagen zum Saisonstart, eine handfeste Auseinandersetzung und zwei suspendierte Leistungsträger - so hat sich LeBron James den Beginn seiner Zeit in Hollywood sicherlich nicht vorgestellt, auch wenn Anlaufschwierigkeiten zu erwarten waren.

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Doch wo liegen die Probleme im LeBron-La-Land? Und welche Rolle spielt der Superstar selbst?

Schwierige Charaktere mit Rondo und Stephenson im Team

Dass die Mannschaft nicht gerade pflegeleicht ist, war bereits im Sommer abzusehen. Ob Rondo, Lance Stephenson, JaVale McGee oder Michael Beasley – mehrere Akteure haben in der Vergangenheit mit zweifelhaften Aktionen auf sich aufmerksam gemacht.

Während Stephenson etwas überraschend gemeinsam mit James versuchte, während des Zoffs für Ruhe zu sorgen, schockierte besonders Ingram mit seiner Handlung.

Denn der 21-Jährige wirkte bislang nicht unbedingt wie ein Hitzkopf. Ließ er sich von seinem Frust leiten oder hat bereits der Einfluss der schwierigen Charaktere abgefärbt? Sein Ansehen hat auf jeden Fall gelitten.

Rondo bestätigte nur seinen Ruf als Bad Boy. Ob mit Teamkollegen, Trainern oder Gegenspielern – Rondos Liste an Streitereien ist lang. Auch mit Chris Paul hat er bereits eine Vorgeschichte.

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Spucken und Schläge sind allerdings vollkommen inakzeptabel. Wollen die Lakers erfolgreich sein, müssen sich alle Spieler auf ihre sportlichen Fähigkeiten konzentrieren. Denn Suspendierungen kann sich das Team kaum leisten. So wird durch Rondos Ausfall Lonzo Ball gefordert sein, der bislang eigentlich unter einer Minuten-Beschränkung stand.

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Schlechte Defense um McGee

Ein Team mit LeBron James wird immer eine Möglichkeit finden, zu punkten. 119 Zähler gegen Portland und 115 gegen Houston sprechen eine klare Sprache. Alarmierend sind allerdings die Zahlen 128 und 124. Denn so viele Punkte kassierten die Lakers bei ihren Niederlagen jeweils. 

Zum einen ist LeBron selbst nur noch selten ein guter Verteidiger. Die Talente der Lakers machen zudem vermeidbare Fehler oder verschlafen Rotationen, in der Mitte hält nur JaVale McGee den Laden zusammen. Dem einstigen Pannen-Center gelangen gegen Houston fünf Blocks. Allerdings spielte er nur 20 Minuten und schmorte in der entscheidenden Phase der Partie auf der Bank.

Schlechte Dreier-Quote, nur Ball trifft

Trotz der eigenen hohen Scores: Ein großes Problem ist aktuell auch der Drei-Punkte-Wurf. Im ersten Spiel traf L.A. gerade einmal sieben von 30 Versuchen, im zweiten waren es acht von 32.

Ingram steht bei null Treffern aus fünf Versuchen, Vorjahresüberraschung Kyle Kuzma bei zwei von zwölf, Kentavious Caldwell-Pope, in dessen Wurffähigkeiten man durch LeBrons Ankunft durchaus Hoffnungen gesetzt hat, zielte bei fünf Dreiern vier Mal daneben.

So war gegen Houston ausgerechnet Lonzo Ball, der mit seinem Wackel-Wurf im Vorjahr eher für Gelächter gesorgt hatte, mit vier Treffern von Downtown sicherster Schütze.

Und LeBron James? Der hat bislang elf Mal aus der Distanz gefeuert – und gerade mal einen einzigen Dreier verwandelt.

LeBron James bittet um Geduld

Somit trägt auch der King selbst durchaus Schuld an der frühen Misere. Zum einen durch seine Fahrkarten, ein wenig auch durch seine Passivität.

James versucht, ein Zusammenspiel mit den Mitspielern zu entwickeln und diese ins Rollen zu bringen, um die Scoring-Last und damit auch die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen. Das ist löblich, nur zwei Punkte aus dem Feld im Schlussviertel sind für James in einem engen Spiel wie gegen die Rockets aber zu wenig.

Noch besteht kein Grund zur Sorge. Doch wollen die Lakers nicht frühzeitig im Playoff-Kampf hinterherlaufen, muss James in der entscheidenden Momenten übernehmen. Denn er spielt, bei allem Talent im Team, in einer anderen Liga.

Dann sollte sich auch seine Plus-Minus-Bilanz verbessern – denn in beiden Partien hatte der Superstar die schlechteste in der Starting Five der Lakers.

Noch bittet James um Geduld. "Ich bin überhaupt nicht enttäuscht. Ich wusste, dass wir Probleme haben werden. Keiner hat gesagt, dass es einfach werden wird", so der 33-Jährige. Doch die Erwartungen sind groß. Bleibt der Erfolg aus, wird der Druck steigen - und damit auch der Frust.