Isaiah Thomas will bei den Denver Nuggets zu alter Stärke finden
Isaiah Thomas will bei den Denver Nuggets zu alter Stärke finden © SPORT1-Grafik: Getty Images

München - Isaiah Thomas nimmt im Juli 2017 einen Maximalvertrag ins Visier. Ein Jahr später wird der Guard zum Schnäppchen - es ist die nächste Episode des Pechvogels.

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Im Juli 2017 visierte Isaiah Thomas seinen Zahltag an.

"Ich bin ein Spieler, der einen Maximalvertrag verdient. Sie wissen, dass sie einen Geldtransporter schicken müssen", sagte der NBA-Star. Von einem Vertrag über mehr als 200 Millionen Dollar war nach einer großartigen Saison in Boston die Rede.

Im Juli 2018 wird der 29-Jährige einen Vertrag mit einer Zwei vorne unterschreiben - allerdings folgen zwei Nullen weniger. Bei den Denver Nuggets wird Thomas zum Schnäppchen.

Wie konnte das passieren?

Vom 60. Pick zum Star

Die Achterbahnfahrt des Pechvogels begann am 23. Juni 2011. Im NBA-Draft musste Thomas bis zur letzten Sekunde warten, ehe ihn die Sacramento Kings mit dem 60. und damit letzten Pick doch noch erlösten.

Mit seiner geringen Körpergröße von nur 1,75 Metern hatte er ohnehin seit jeher mit Vorurteilen zu kämpfen. Doch mit der Erfüllung des NBA-Traums war Thomas' Kampfgeist endgültig geweckt.

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In Sacramento stellte Thomas unter Beweis, dass er vor niemandem zurückschreckt. Der Mann aus Washington wurde ins All-Rookie-Second-Team gewählt, zwei Jahre später folgte der Durchbruch - und anschließend das nächste Kapitel für "IT".

Fehde mit Schröder

In Phoenix bildete er mit Goran Dragic und Eric Bledsoe ein gefährliches Backcourt-Trio, das allerdings nur für 46 Partien existierte. Thomas wurde zum Wandervogel - und in Boston zum Star.

In der Saison 2015/16 verdiente sich der Guard die Teilnahme am All-Star Game. In den Playoffs erlangte er in Deutschland größere Bekanntheit, weil er gegen die Atlanta Hawks mehrmals mit Dennis Schröder aneinandergeriet. Die Fehde setzte sich 2017 fort.

Schwester stirbt während Playoffs

Seine schwierigste Prüfung bestand Thomas in den letztjährigen Playoffs für die Celtics, als seine kleine Schwester Chyna bei einem Unfall ums Leben kam.

Nur einen Tag nach der Tragödie stand Thomas wieder auf dem Parkett - und erzielte 33 Punkte. Wenige Wochen später steuerte Thomas von Zahnproblemen geschwächt 53 Punkte zu Bostons Krimi-Sieg in der zweiten Runde gegen Washington bei - ein Career-High am 23. Geburtstag der verstorbenen Schwester. "Das Mindeste was ich tun kann, ist für sie zu spielen", so Thomas.

Nachdem er sein Team anschließend in die Conference Finals führte, schien ein großer zukünftiger Zahltag durchaus realistisch. Schließlich hatte Thomas auch in der regulären Saison brilliert und wurde nach 28,9 Punkten im Schnitt Fünfter im MVP-Voting.

Mega-Trade mit Irving

Doch mit den Hüftproblemen, die ihn in den Ost-Finals 2017 gegen die Cavaliers am Ende nicht mehr mitwirken ließen, nahm Thomas' Absturz seinen Lauf. Zunächst verschiffte Boston den Publikumsliebling im spektakulären Trade für Kyrie Irving knallhart nach Cleveland. "Das tat weh, sehr weh", erklärte Thomas anschließend in der Players' Tribune.

Statt bei den Cavs an der Seite von LeBron James zu glänzen, musste Thomas wegen seiner Verletzung allerdings bis Januar 2018 auf seinen ersten Einsatz warten.

Anschließend ging es nach nur 15 Spielen und gerade einmal 14,7 Punkten im Schnitt - also etwa halb so vielen wie 16/17 – nach Los Angeles, wo seine Saison nach nur 17 weiteren Partien beendet war.

Letzte Chance?

Eine Hüft-Operation ließ die Zweifel an Thomas' Leistungsfähigkeit wachsen und schreckte offenbar viele Teams in der Free Agency ab. Am Ende schlugen die Nuggets zu - mit einem für Thomas' sportliche Qualitäten nahezu lächerlichen Vertrag.

Für die Nuggets, die den 29-Jährigen als sechsten Mann und Scoring-Option von der Bank einplanen, ist es ein Coup ohne Risiko. Für Thomas ist die Wiedervereinigung mit dem ehemaligen Kings-Coach Mike Malone die nächste und wohl auch letzte Chance, die Zweifler erneut eines Besseren zu belehren.

In seiner Instagram-Story kündigte Thomas bereits an, den Leuten zu zeigen, dass er vor nicht allzu langer Zeit ein MVP-Kandidat war. Dann könnte das Stehaufmännchen im folgenden Sommer doch noch abkassieren.

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