© SPORT1-Grafik: Getty Images / Philipp Heinemann
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München - Mit dem zweiten Titel und überragenden Playoffs krönt sich Golden State zu einer NBA-Dynastie. Aber wie fällt der Vergleich mit Michael Jordans Bulls aus?

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Nicht einmal LeBron James, der beste Basketballer der Neuzeit, konnte die Golden State Warriors auf ihrem Weg zum zweiten Titel in drei Jahren aufhalten.

Dabei legte der Star der Cleveland Cavaliers durchschnittlich ein Triple-Double in den NBA-Finals auf und hatte mit Kyrie Irving einen der talentiertesten Point Guards an seiner Seite.

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Die Warriors sind der NBA ihrer Zeit entwachsen - das Überteam galt schon, bevor um den ersten Tip-Off der Saison gekämpft wurde, als künftiger Titelträger. Das erste Team der Geschichte, das nur neun Spiele in der regulären Saison verlor, wurde mit Superstar Kevin Durant gekrönt und lieferte in den Playoffs das erwartete Meisterstück ab.

Warriors auf dem Level der Bulls?

Auch die Chicago Bulls waren in den 90er-Jahren so ein Dominator, angeführt vom Größten aller Zeiten: Michael Jordan.

Unter der Riege des erfolgsbesessenen Jordan zeigten die Bulls in der Saison 1995/96 ihren wohl stärksten Basketball und zementierten mit 72 Saisonsiegen und dem Titel den Status als beste Mannschaft, die dieser Sport je gesehen hat.

Durch ihre unglaubliche Playoff-Serie mit 16 Siegen und nur einer Niederlage machen sich die 2017er Warriors aber als vortrefflicher Herausforderer, diesen Mythos zu zerstören. Diese Debatte fasziniert Fans, Experten und nicht zuletzt Ex-Spieler zugleich.

"Nein, wollt ihr mich verarschen", antwortete Ex-Bulls-Spieler Johny Salley bei TMZ Sports auf die These, dass die Warriors in einem direkten Duell gewinnen würden.

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In den 90ern hätte Jordan die Nase vorn

Die Diskussion ist natürlich akademisch. Vielmehr muss die Frage erweitert werden: zu welcher Zeit und unter welchen Regeln man den Vergleich anstellt. In den 90ern hätten die Bulls mit ihrem physischen Spiel eindeutig die Nase vorn.

Gerade auf das sogenannte "Hand-Checking" waren die Bulls spezialisiert. Heutzutage wird beim Berühren der Hände des ballführenden Spielers schnell ein Foul gepfiffen.

Mit Jordan, Scottie Pippen, Dennis Rodman und Ron Harper hatten die Bulls herausragende Verteidiger. Die Playoff-Spiele damals wurden häufig in den 80ern oder 90ern entschieden. Entsprechend sind 30 Punkte oder mehr eines Spielers damals deutlich höher einzuschätzen als heute, wo Spiele auch mal 137:116 ausgehen (wie Finale 4).

Nach heutigen Regeln sähe es sicher anders aus. Die Frequenz und Präzision aus der Distanz waren den Bulls in dieser Form fremd, zudem ist das Spiel viel schneller und es gibt noch explosivere Athleten. Andererseits würde - wenn Steph Curry oder James 15 oder 20 Freiwürfe in einem Spiel bekommen - Jordan vermutlich locker 30 Mal an die Freiwurflinie gehen und pausenlos Fouls ziehen.

Jordan stellt alles in den Schatten

Der größte Vorteil der Bulls ist Jordan, natürlich. Er holte sechs Titel, gewann jede Finalserie, in der er spielte. 30,1 Punkte, 6,2 Rebounds und 5,3 Assists brachte er durchschnittlich pro Partie auf die Platte, zudem war er ein hervorragender Verteidiger, der den Ball genauso schnell aus den Händen des Gegners klaute, wie er ihn beim Block ins Publikum drosch.

Selbst der außerirdische Scharfschütze Steph Curry oder Finals-MVP Durant (35,2 Punkte gegen die Cavs) können bei diesem Komplettpaket nicht mithalten.

Dem halten die Warriors eine noch flexiblere Offensive entgegen, in der zwei potenzielle Hall of Famer (Durant, Curry) und zwei All-Stars (Thompson, Green) das Spiel entscheiden können.

Die Bulls waren beschränkter, mit drei Offensivspielern von diesem Kaliber (Jordan, Pippen, Toni Kukoc). Dazu kam aber beispielsweise der heutige Warriors-Coach Steve Kerr als Dreierspezialist.

Warriors in der Defense schwächer

In der Verteidigung und bei den Rebounds liegen die Bulls der 90er - nicht zuletzt dank Rodman - klar vorn. Die Team-Verteidigung der Warriors leidet natürlich unter der Highspeed-Offensive, weil dadurch der Gegner auch mehr Angriffe bekommt.

In den Playoffs gaben sie nur fünfmal weniger als 100 Punkte ab (dreimal gegen Utah), aber dafür gleich siebenmal über 110.

Jeder Bulls-Spieler hat individuell statistisch etwas besser verteidigt, als sein Pendant aus der Neuzeit.

Potenzial von Durant und Co. ist größer

Die Mentalität der Bulls war zudem gefürchtet. Jordan gab mit seiner Versessenheit auf Siege die Marschrichtung im Team an, der Rest formierte sich um den natürlichen Führer zu einer verschworenen Einheit. Die Warriors sind, auch durch die Lehren aus der Final-Niederlage 2016, auf dem Weg eine ähnliche Einheit zu formen, wenn auch mit einer anderen Mentalität.

Das Potenzial ist vermutlich der größte Vorteil des Teams von Steve Kerr: Der Kern ist Mitte, Ende 20. Die Dubs von 2017 verlieren einen historischen Vergleich mit den 95/96er Bulls.

Aber die 2018er, 2019er oder 2020er Warriors? Das ist eine ganz neue Geschichte.