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München - Nach dem K.o. in den NBA-Finals stecken die Cleveland Cavaliers in einer Zwickmühle. LeBron James sucht ein Superteam - und braucht neue Kräfte.

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33,6 Punkte, 12,0 Rebounds, 10,0 Assists. Solch unglaubliche Statistiken qualifizieren in aller Regel für den Titel des Finals-MVP in der NBA.

Nicht so in dieser Saison. Aufgrund des deutlichen 4:1-Erfolges der Golden State Warriors über James' Cleveland Cavaliers verpasste der King neben seinem vierten Ring auch seinen vierten Titel als Finals-MVP. Kevin Durant holte sich stattdessen die Auszeichnung.

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James erkannte die Übermacht der vor der Saison um Durant verstärkten Warriors an. "Wenn du das Gefühl hast, dass du alles auf dem Platz gegeben hast, dann kannst du immer nach vorne gehen, ohne nach hinten zu schauen" sagte er nach dem Spiel.

Seine Cavs waren in den diesjährigen NBA-Finals chancenlos - schwer zu verarbeiten für den unstillbar erfolgshungrigen James. "Ich werde etwas Abstand vom Spiel nehmen", verriet er deshalb. Aber die Frage bleibt: wie geht es angesichts der Warriors-Dominanz für James auf seiner Jagd nach Phantom Michael Jordan weiter?

Cavs-Management unter Druck

Eine Schlüsselrolle kommt dem Management der Cavaliers zu. Es muss James das Gefühl geben, die Warriors wirklich in Bedrängnis bringen zu können. Dafür bräuchte es Verstärkung. Das Problem: Die Cavs steuern auf riesige Probleme mit dem Salary Cap zu.

Schon acht Spieler aus dem aktuellen Kader reichen aus, um in der nächsten Saison die erwartete Luxussteuergrenze von 121 Millionen Dollar zu pulverisieren - darunter mit Tristan Thompson (16,4 Millionen Jahresgehalt) ein Spieler, die in den NBA-Finals nur selten überzeugen konnte. Dass ihm James den großen Vertrag einst verschaffte, wird nun zum Boomerang.

General Manager David Griffin wird deshalb wohl einen von LeBrons Co-Stars ins Visier nehmen: Kevin Love. Gerüchte gibt es schon länger, seine Defensivschwäche wurde von den Warriors gnadenlos aufgedeckt.

Doch selbst bei einem Love-Trade würde im Gegenzug wohl kaum ein Jimmy Butler oder Paul George den Weg nach Ohio finden. Bei Blake Griffin oder Carmelo Anthony wäre wiederum die Frage, ob sie Cleveland wirklich besser machen würden.

Baustelle Second Unit

Eine große Baustelle ist die Bank der Cavs, die eine Frischzellenkur dringend benötigt. Dass der 36-jährige Richard Jefferson im Finale die beste Waffe war und sich teilweise um Kevin Durant kümmern musste, gleicht einem Armutszeugnis. 

Von den kommenden Free Agents Kyle Korver, Deron Williams, James Jones und Dahntay Jones hat sich eigentlich nur Korver einen zukünftigen Platz an LeBrons Seite verdient. Ex-Nowitzki-Kollege Williams baut immer weiter ab.

Allerdings sind Cleveland auch hier aufgrund der finanziellen Lage die Hände gebunden. Starke Rollenspieler wie Korver müssten auf Geld verzichten, um die Titelchance zu erhöhen. Ein defensivstarker Flügel und ein Playmaker, der mehr Output bringt als Williams, sollten ganz oben auf der Agenda stehen.

Das aktuelle Talent in Cleveland reicht aus, um auch in den nächsten Jahren der (Mit-)Favorit im Osten zu sein. Doch um auch gegen das Überteam der Warriors mitzuhalten, sind Veränderungen unabdingbar.

Geht James?

Ob James diese Aussichten reichen? Nach dem entscheidenden fünften Spiel ließ der 32-Jährige seiner Enttäuschung freien Lauf, insistierte im Interview, er habe "noch nie für ein Super-Team gespielt".

Eine skurille Aussage im Hinblick auf seine Zeit bei den Miami Heat. Zudem eine versteckte Aufforderung an die Cavs, den Kader aufzuwerten - oder doch die implizite Andeutung eines Abgangs? Klar ist, James kann vor der Saison 2018/2019 aus seinem Vertrag aussteigen und Free Agent werden.

Basketball-Experte Adrian Wojnarowski hatte schon vor einem Jahr einen Abgang von James nicht ausgeschlossen. Der Titelgewinn mit den Cavs 2016 habe ihm "lebenslange Immunität" beschert, ihm die Möglichkeit eröffnet, seine Heimatstadt erneut zu verlassen, ohne seine Reputation zu beschädigen. Ob man das in Cleveland genauso sähe, darf bezweifelt werden.

Vergangene Woche brachte ESPN einen James-Wechsel zu den Los Angeles Lakers und The Ringer einen Trade zu den Clippers ins Gespräch.

James: "Wir kommen zurück"

Diese Spekulationen sind aber noch weit von konkreten Anbahnungen entfernt, und das mögliche neue Team müsste James' Ansprüchen eines Superteams genügen.

Dennoch stehen die Verantwortlichen der Cavs vor einem äußerst intensiven Sommer. Von ihren Entscheidungen wird abhängen, ob der größte Basketballer des 21. Jahrhunderts in Cleveland seinem vierten Ring hinterherjagt, oder 2018 einen Wechsel in Betracht zieht.

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Mindestens einen Versuch wird James in Cleveland aber noch wagen. "Wir kommen zurück, wir kommen zurück", schwor James laut Bleacher Report Irving nach der Final-Pleite ein. Die Fans, für eine bessere Titelchance, wieder vor den Kopf stoßen oder sich an den Warriors auf Jahre die Zähne ausbeißen - James steckt im Teufelskreis.