Moritz Wagner
Moritz Wagner greift mit Michigan nach der Krone in der US-Collegemeisterschaft © Getty Images

San Antonio und München - Moritz Wagner kämpft mit Michigan im Final Four um die College-Meisterschaft. Der Berliner ist das Gesicht der Wolverines. Nun will er sein Team zum Titel führen.

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Es ist wahrlich ein Kindheitstraum, der für Moritz Wagner an diesem Wochenende in Erfüllung geht.

Das Berliner Basketball-Talent steht beim March-Madness-Turnier mit den Michigan Wolverines im Final Four (1. bis 3. April LIVE im TV auf SPORT1 US) und greift im Showdown der US-Collegemeisterschaft nach dem bislang größten Triumph seiner Karriere.

Denn das Ziel für Michigan lautet spätestens seit dem Halbfinal-Einzug: Titelgewinn.

Coach holt ihn ans College

Bei der letzten Final-Four-Teilnahme der Wolverines 2013 hatte der Power Forward das Basketball-Spektakel noch zuhause vor dem TV verfolgt. Zwei Jahre später klingelte dann Wolverines-Trainer John Beilein in Berlin bei ihm. Er wollte wissen, ob das Talent an sein College passt.

Beileins Trip hat sich für alle gelohnt: Wagner, heute 20 Jahre alt, gehört in der Mannschaft der University of Michigan zu den Leadern. Und ohne die "emotionale Zündkerze" (USA Today) wäre der Sprung ins Final Four kaum möglich gewesen.

Ab Samstag spielt "Moe" Wagner in San Antonio, Texas, vor 70.000 Zuschauern (!) um den Titel. "Ich wollte immer in einem Football-Stadion wie diesem spielen, auf der ganz großen Bühne - und jetzt sind wir hier", so Wagner.

Wieder ein Meister aus Berlin?

Erneut ist es also ein Berliner, der es bei March Madness unter die letzten Vier geschafft hat. Als bislang letzter Deutscher gewann der heutige ALBA-Profi Niels Giffey vor vier Jahren mit den UConn Huskies die Uni-Meisterschaft. Auch für Wagner hat in der Jugend bei ALBA Berlin alles angefangen.

Mittlerweile spielt der 2,11-m-Riese schon sein drittes Jahr am US-College in Ann Arbor, 70 Kilometer entfernt von Detroit, und hat sich dort endgültig zur wichtigen Führungsfigur entwickelt.

In der vergangenen Saison waren die Wolverines noch an den Oregon Ducks im Achtelfinale der Endrunde gescheitert, in der die besten 68 Mannschaften aus über 300 US-Colleges antreten. Diesmal ging es weiter.

Wagner ist der Team-Leader

In der Nacht zum Sonntag (beide Halbfinals ab 0 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US) spielt Michigan sein Halbfinale gegen die Loyola-Chicago Ramblers.

Die Wolverines sind beim Auftaktspiel im Alamodome der Favorit. Im zweiten Duell stehen sich die an Nummer eins gesetzten Villanova Wildcats aus Pennsylvania und die Kansas Jayhawks gegenüber.

Für den großen Auftritt ihres Sohnes sind die Eltern Beate und Axel extra aus Deutschland angereist. Die Unterstützung kann nicht schaden, denn von Wagner wird viel abhängen: Mit 14,3 Punkten und 6,9 Rebounds pro Spiel ist er bester Scorer und Rebounder seiner Mannschaft, zudem trifft er knapp 40 Prozent seiner Dreier.

Doch vor allem emotional ist er der Leader des Teams: "Wenn er gut spielt und uns anfeuert, hebt er unser Spiel auf ein ganz anderes Level", sagt Duncan Robinson über seinen Teamkollegen.

Sprung in die NBA?

Nach dem Finalturnier könnte Wagner noch ein viertes Unijahr absolvieren, er gilt allerdings auch als Kandidat für die NBA. Bereits im vergangenen Jahr hatte er sich für den NBA-Draft angemeldet, dann jedoch wieder zurückgezogen.

"Ich fühle mich hier sehr wohl, und es wäre unfair dem Team gegenüber, wenn ich mich mit meinen Zukunftsplänen beschäftigen würde", hatte Wagner vor March Madness gesagt.

Mit seinen starken Auftritten in dieser Saison dürfte Wagner das Interesse der NBA-Scouts jedenfalls weiter geweckt haben - besonders, falls es ihm gelingt, die Wolverines zum Titel zu führen.