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München - Immer mehr mächtige Personen des Sports wenden sich von Donald Trump ab, auch solche, die als Unterstützer galten. Fragen bleiben dennoch offen.

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Wenn einer einen Preis vergibt, geht es ihm nicht zwingend nur um die Person, die ihn bekommt.

In der großen, bunten Welt der Orden, Abzeichen und anderen Ehrungen gibt es so einige Ehrungen, bei denen es weniger darum geht, den Träger zu schmücken. Der Preisträger ist oft selbst das Schmuckobjekt, dessen Glanz auf die Auszeichnung abstrahlen soll – und auf den, der sie verleiht.

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Umso größer ist dann nur eben auch der Eklat, wenn der Preisträger sich der Inszenierung verweigert.

Der scheidende US-Präsident hat das soeben auf eine Weise zu spüren bekommen, die ihn schmerzen muss: Die Weigerung des NFL-Starcoachs Bill Belichick, die "Presidential Medal of Freedom" aus seinen Händen in Empfang zu nehmen, ist für Trump ein Fanal.

Mächtige Sport-Persönlichkeiten wenden sich von Trump ab

Der schon immer umstrittene Präsident ist an einem Punkt angelangt, an dem sich auch Sportpromis, die eigentlich als Anhänger galten, nicht mehr mit ihm abgeben wollen. Erst am Tag zuvor hatte es in dieser Hinsicht einen mindestens ebenso großen Knall gegeben, als der Golf-Verband PGA einen großen Deal mit Trumps Firmenkonglomerat aufgekündigt hatte.

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Nach dem Sturm seiner radikalen Anhänger auf das US-Kapitol und der trüben Rolle, die Trump dabei spielte, fliegen Trump und seinen Freunden aus der Sportwelt ihre oft heiklen Verflechtungen um die Ohren. Wobei sich in beiden Fällen aber auch die Frage stellt: Hätten die Verflechtungen nicht eigentlich viel früher gelöst werden müssen?

Trumps Verbindung zum US-Golfverband ist ein anschauliches Beispiel: Seine Vereinbarung mit der PGA of America, die unter anderem die Austragung des Major-Turniers PGA Championship 2022 auf dem Trump National Golf Club in Bedminster beinhaltet, war zwar schon 2014 geschlossen worden, vor Wahlkampf und Amtsantritt 2016/17.

Durch Trumps Aufstieg zum politischen Machthaber ergaben sich jedoch Interessenkonflikte, die schon seit einigen Jahren für interne Diskussionen im Verband gesorgt haben sollen.

PGA ging erst nach Abwahl auf Distanz

Golf-Fan Trump - der für die Anlage in Bedminster auch schon die Erlaubnis eingeholt hat, dort nach seinem Tod ein Mausoleum zu errichten - hat nie ein Problem gesehen. Seine Behauptung "Das Gesetz ist total auf meiner Seite, ein Präsident kann keine Interessenkonflikte haben" ist Legende.

Anders als seine Vorgänger hat er bei der Amtsübernahme seine Business-Projekte nicht aus den Händen gegeben, um den Anschein zu vermeiden, dass er politische und geschäftliche Interessen vermischt. Er behielt die Anteile an seiner "Trump Organization", die auch seine Golfclubs verwaltet - übertrug lediglich das Tagesgeschäft an die Söhne Donald Jr. und Eric.

Den Mut, von sich aus auf Distanz zu Trump zu gehen, brachte die US-PGA vier Jahre lang aber nicht auf, obwohl die Geschäftsbeziehung von Beginn an von Irritationen begleitet war.

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USA Today berichtete 2015, dass Verbandsfunktionär Derek Sprague sauer auf Trump war, weil die Ankündigung des Deals vor der geplanten Veröffentlichung in die Medien sickerte - durch Trump, wie der damalige Vize und spätere Präsident vermutet haben soll.

Pete Bevacqua fädelte den PGA-Deal mit Donald Trump ein
Pete Bevacqua fädelte den PGA-Deal mit Donald Trump ein © Imago

Geschäftsführer Pete Bevacqua, ein Golf-Kumpel Trumps, hätte vermittelt. Bevacqua, mittlerweile bei NBC Sports, war damals die Schlüsselfigur: Er fädelte die Verbindung mit Trump ein, mit dem sein Vorgänger Joe Steranka trotz Trumps seit langem bekannter Golf-Passion keine Geschäfte hatte machen wollen – aus Gründen, die er nie kommentieren wollte.

Trump weiter mit Macht im Golf-Geschäft

Dank Türöffner Bevacqua freute sich der damalige PGA-Präsident Ted Bishop dann aber über "ein neues Kapitel in der Geschichte unserer Major-Turniere" und den Zugriff auf einen Kurs, "der Trumps Label der Exzellenz trägt".

Dass die Marke Trump inzwischen mit vielen anderen Dingen belastet ist, war schon mehrfach auf die PGA of America zurückgefallen: Die ebenfalls geplante Austragung des Grand Slam of Golf auf dem Trump National Los Angeles Golf Club wurde 2015 abgesagt, kurz nachdem der damalige Präsidentschaftsbewerber Trump mit als rassistisch kritisierten Äußerungen über mexikanische Einwanderer für Wirbel sorgte – wobei versichert wurde, dass die Entscheidung keine politischen Gründe gehabt hätte.

2017 stieg dann die US Women's Open in Bedminster, unter Protest diverser Frauenverbände, die "Grab 'em by the pussy" und andere Ausfälle Trumps noch im Ohr hatten.

An dem Deal für das Männerturnier 2022 hielt die PGA bis zuletzt fest und reagierte erst, als Trump mit haltlosen Behauptungen über Wahlfälschungen und dem indirekten Anstacheln des Kapitol-Mobs weiter ins antidemokratische Zwielicht rückte.

Bevacquas Nachfolger Seth Waugh, ehemaliger Amerika-Chef der Deutschen Bank, begründete die Entscheidung mit "irreparablen" Schäden, die ansonsten gedroht hätten. Die Sorge ums Image überwog am Ende die Furcht vor Trump, der trotz seiner Abwahl gerade im Golf-Geschäft ein mächtiger Mann bleiben wird.

Seth Waugh (l., mit Golfer Charley Hoffman) ist nun Geschäftsführer der PGA
Seth Waugh (l., mit Golfer Charley Hoffman) ist nun Geschäftsführer der PGA © Imago

Trump auch für Bill Belichick nicht mehr vermittelbar

In einer ähnlichen Bredouille fand sich nun auch Belichick wieder. Der hatte Trump - wie Patriots-Besitzer und Trump-Buddy Robert Kraft - im Wahlkampf 2016 noch unterstützt, will sich inzwischen aber nicht mehr vereinnahmen lassen will.

Schon im von Trump geschürten Konflikt um Colin Kapernick und die Hymnen-Proteste hatte Belichick die Balance aus seiner konservativen Haltung und dem "Respekt" vor den Trump-Kritikern in seinem Team gesucht, von denen viele 2017 den Empfang des damaligen Super-Bowl-Siegers im Weißen Haus boykottiert hatten.

Auch nun betonte er seine Verantwortung als Mann, der unabhängig von seiner Privatmeinung auch "meine Familie und das Team der New England Patriots" repräsentiere.

Mit anderen Worten: Wenn er sich jetzt noch mit Trump abgebe, als wäre nichts gewesen, gäbe es Stunk mit seinen Spielern und seinen Verwandten.

Den Sport oft benutzt

Dass Trump spaltet wird ihn nicht stören, es war immer Teil seiner Methode, gerade den Sport hat er gern benutzt, um die Emotionen seiner Anhänger zu mobilisieren und Feindbilder zu pflegen.

Dass nun aber auch vermeintliche Freunde sich im Zweifel auf die andere Seite schlagen: Es zeigt, dass sich die Verhältnisse in Trumps Welt verschoben haben. Nicht nur in seiner Sportwelt.