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München - Leon Draisaitl, Max Kepler und Jakob Johnson gelingen deutsche Meilensteine in NHL, MLB und NFL. Ein reiner Zufall ist diese Häufung nicht.

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Leon Draisaitl ist der erste deutsche MVP in der NHL. Max Kepler ist der erste in Europa geborene Baseballer, der in der MLB 100 Homeruns geschafft hat. Jakob Johnson der zweite Deutsche, dem ein Touchdown in der NFL gelungen ist.

Drei deutsche US-Sport-Meilensteine innerhalb weniger Tage. Und ein weiterer könnte theoretisch noch hinzukommen, Daniel Theis ist mit mit den Boston Celtics noch im Rennen im Kampf um die NBA-Meisterschaft.

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Eine Häufung, die einerseits ein Zufall ist. Andererseits aber doch etwas mehr als das: Umfassender und nachhaltiger als je zuvor haben junge Athleten und Athletinnen "made in Germany" - WNBA-Durchstarterin Satou Sabally ist bei der Aufzählung nicht zu vergessen - in den amerikanisch-kanadischen Nationalsportarten Fuß gefasst, als Leistungsträger, nicht als Mitläufer.

Aus unterschiedlichen Gründen sind sie dafür in der Breite besser gerüstet als die vorigen Generationen, auch die des großen Vorbilds Dirk Nowitzki. Sie zahlen es zurück mit Spitzen-Leistungen.

Erfolg hat Basis auch in Deutschland

Bei allen Genannten wurde ein Teil der Basis für den Erfolg in Deutschland gelegt: Der 24 Jahre alte Draisaitl, Sohn der deutschen Eishockey-Legende Peter Draisaitl, bekam neben der familiären DNA auch eine Nachwuchsausbildung bei den Kölner Haien und den Jungadlern Mannheim mit, ehe er den Schritt ins Farmsystem der NHL machte.

Der 27 Jahre alte Berliner Kepler galt schon mit 15 Jahren als Ausnahmetalent und holte sich im Sportinternat in Regensburg den Feinschliff für den Sprung über den Großen Teich. Der 25 Jahre alte Fullback Johnson spielte in der GFL für die Stuttgart Scorpions, ehe ihm ein Förderprogramm für internationale Spieler den Weg in die NFL ebnete - wo der Spätberufene  seine Nische bei den Patriots fand.

Theis empfahl sich (wie auch Dennis Schröder) mit guten Leistungen in der BBL, ehe 2017 nach diversen vergeblichen Anläufen, sich zu empfehlen, ein NBA-Team zugriff.

Persönliche Bezüge erleichtern den harten Weg

Nach wie vor ist für die meisten Deutschen der Weg durch das System ein langer und steiniger, die Umstellung auf den erhöhten Leistungs- und Konkurrenzdruck in der neuen Umgebung, wo die Mitbewerber die jeweilige Sportart aufgesogen haben, eine große.

Den deutschen Talenten kommt allerdings zugute, dass der US-Sport auch aus Gründen der internationalen Vermarktung aktiver als früher Talente von außerhalb sucht und die Förderung gezielter ist - der Weg von Johnson ist das beste Beispiel.

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Auffällig ist auch, dass familiäre oder sonstige private Bezüge nach Übersee den Wechsel erleichtern: Kepler hat eine texanische Mutter, Johnson einen amerikanischen Vater. Noch größer ist der Wettbewerbsvorteil beim in den USA geborenen NFL-Receiver Equanimous St. Brown (Green Bay Packers), dessen Mutter eine deutsche Auswandererin ist.

Der kulturelle Faktor ist nicht zu unterschätzen, amerikanische "Expats", gerade auch in Deutschland stationierte US-Soldaten haben in der Vergangenheit eine wesentliche Rolle dabei gespielt, die populären Sportarten aus der Heimat in Deutschland zu etablieren und Begeisterung für sie zu schüren.

Auch US-Legenden begeistert

Nun sind viele amerikanische Fans und Sporthelden begeistert von den Deutschland-Importen: Bei der MVP-Verleihung adelte der große Wayne Gretzky Draisaitl. Defensivspezialist Theis bekam zuletzt Applaus von NBA-Legende Shaquille O'Neal - auch wenn er seinen Namen nicht kannte.

Kepler ist bei den Minnesota Twins nicht nur Leistungsträger, sondern auch Publikumsliebling: Die Cinderella-Story eines deutschen Baseball-Exoten, der in den USA Fuß gefasst hat und zu einem der Stars der Liga aufgestiegen ist, kommt bei den Zuschauern an.

Und was ihm dort gelungen ist, überraschte ihn auch selbst: "Ich habe nie gedacht, dass ein Junge aus Deutschland das schaffen kann", sagte er zu seinem jüngsten Homerun-Meilenstein.

Ein Junge (oder auch ein Mädchen) aus Deutschland kann das nicht schaffen? Diesen Gedanken brauchen die nächsten deutschen Sportler-Generationen dank Kepler, Draisaitl und Co.  nicht mehr haben.