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München - Satou Sabally tritt in Dallas in die Fußstapfen von Dirk Nowitzki. Die deutsche Basketballerin ist auf allen Ebenen eine besondere Sportlerin.

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Dallas ist und bleibt die deutsche Basketball-Hochburg in den USA.

Nur ein Jahr nach dem Rücktritt von Dirk Nowitzki tritt Satou Sabally ein neues deutsches Ausnahmetalent in das Rampenlicht der texanischen Metropole.

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Die 21-Jährige tritt in die Fußstapfen der Legende, nachdem sie im WNBA-Draft in der Nacht auf Samstag an zweiter Stelle von den Dallas Wings ausgewählt wurde.

Mit Sabally, der an 21. Position ebenfalls von den Wings gedrafteten Luisa Geiselsöder und Maverick Maxi Kleber sind damit drei deutsche Basketballer in Dallas vertreten.

Doch wer ist die neue Basketball-Hoffnung, die laut Wings-Boss Greg Bibb "ein Generationentalent" sein kann? Und was macht sie so besonders? SPORT1 klärt auf.

Saballys besondere Persönlichkeit

Sabally beschreibt sich selbst als "Kind aus Gambia, den USA und Deutschland" und betont: "Für mich sind diese Wurzeln so wichtig an meinem größten Tag."

Ihr Vater Jerreh kommt aus Gambia, ihre Mutter Heike aus Deutschland. Geboren wurde Sabally wiederum 1998 in New York.

Im Alter von zwei Jahren ging es nach Gambia, ehe es die Familie zu ihrem ersten Schuljahr nach Berlin zog, um Sabally die beste Bildung zu ermöglichen.

Regelmäßig setzt sich die deutsche Nationalspielerin, die im Sommer 2019 im 3-gegen-3-Format bei den European Games für Deutschland antrat, gegen Polizeigewalt und Rassismus und für Gleichberechtigung ein.

Mit ihrem Grundgehalt in der WNBA, das etwa 68.000 Dollar (rund 63.000 Euro) betragen wird, und weiteren Einkünften aus Deals mit europäischen Vereinen im Winter will sie ihrer Familie in Deutschland und Gambia helfen.

In den Teenagerjahren machte Sabally einst selbst rassistische Erfahrungen. "Je älter ich wurde, desto mehr Leute fragten mich: Wo kommst du her? Sie haben mich nicht wirklich als Deutsche gesehen", schilderte sie bei The Undefeated.

Häufig nutzt sie ihre sozialen Kanäle, "um darauf aufmerksam zu machen und darüber zu sprechen. Ich hatte so viele Gespräche mit Fans, die mehr wissen wollen."

Zuletzt präsentierte sie einen Hoodie aus authentischen afrikanischen Stoffen mit der Aufschrift "Mehr als ein Athlet", der deutschen Version einer Kampagne, die LeBron James ins Leben gerufen hat.

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"Das ist die perfekte Beschreibung von mir. Ich habe mich niemals nur als Sportlerin gesehen", meinte Sabally.

Neben James sei auch Footballer Colin Kaepernick "eine gewaltige Inspiration, ein Held." Und Serena Williams sei "meine Definition einer Athletin. Es ist großartig, wie sie sich gegen ungleiche Chancen für Frauen einsetzt."

Ihr Ex-Trainer Kelly Graves von den Oregon Ducks schwärmt nicht nur von der Sportlerin Sabally, sondern auch von der Person. "Sie ist die interessanteste und interessierteste Spielerin, die ich je gecoacht habe", erklärte er bei The Undefeated.

Saballys basketballerische Anfänge

Die Entscheidung für den Basketball entstand eher durch Zufall, wie Sabally im Gespräch mit SPORT1 verriet.

"Meine erste Trainerin hat mich auf dem Spielplatz gesehen und bemerkt, dass ich relativ groß bin. Dann hat sie meine Eltern angesprochen und gefragt, ob ich nicht zu einem 'Girls-Basketball-Day' kommen möchte, der vom DBB organisiert wurde", erzählte das Ausnahmetalent.

Im zarten Alter von neun Jahren fing sie mit dem Basketballspielen an, ihre Karriere begann sie beim Deutschen Basketball Club in Berlin.

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Mit 15 war Sabally bereits Stammspielerin in der zweiten Liga beim TuS Lichterfelde aus Berlin. 2015 wagte sie dann den Sprung in die Bundesliga zum Freiburger Team USC Eisvögel, bevor es 2017 in die USA ging.

Saballys College-Zeit

Bei den Oregon Ducks am College, wo ihre Schwester Nyara ab dem zweiten Jahr eine große Unterstützung darstellte, hatte sie zunächst Startprobleme.

In ihrem ersten Spiel unterliefen Sabally in den ersten fünf Minuten gleich drei Schrittfehler. Von den gegnerischen Fans wurde sie deswegen ausgebuht und verhöhnt. "Das hat sich nicht schön angefühlt. In solchen Situationen habe ich anfangs schon an mir gezweifelt", gestand sie.

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Doch ihre Startschwierigkeiten überwand das Top-Talent schnell. Bereits in ihrer ersten Saison wurde sie in der Pac-12-Division zum "Freshman of the Year" gekürt.

In ihrem zweiten und dritten Jahr hob sie ihr Spiel an der Seite von Sabrina Ionescu, die mit dem ersten Pick von den New York Liberty gezogen wurde, auf ein neues Level und erhielt die Auszeichnung zum besten Small Forward der NCAA. Auf der schulinternen Scoringliste warf sich Sabally auf den siebten Platz vor.

"Jedes Jahr hat sie etwas Neues und entscheidendes zu Ihrem Spiel hinzugefügt. Sie wurde besser und besser und hat noch viel in sich drin. Ich kann es nicht erwarten, zu sehen, wie gut sie werden wird", sagte Graves.

Mit Oregon hatte sie 2020 den NCAA-Titel fest im Blick, ehe die Corona-Pandemie für ein unsanftes Saisonende sorgte.

Für Schlagzeilen sorgte die Ducks Anfang November, als sie als erstes College-Team seit 20 Jahren die US-amerikanische Frauen-Nationalmannschaft mit 93:87 besiegten. Sabally erzielte 25 Punkte.

Saballys Vorbilder

Es war besonderer Tag für Sabally - nicht nur aufgrund des Spielausgangs. "Das war echt surreal, es war super", schwärmte die Basketballerin bei SPORT1 rückblickend. "Da waren Vorbilder dabei, zu denen ich schon mein ganzes Leben lang aufgeschaut habe. Zum Beispiel Diana Taurasi oder Sue Bird."

Taurasi von Phoenix Mercury ist All-Time-Leading-Scorer der WNBA, wurde bereits zwei Mal Finals-MVP und erhielt die Auszeichnung 2014 zudem für Ihre Saisonleistungen.

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Drei Mal feierte die 37-Jährige, die bereits als "Michael Jordan des Frauenbasketballs" und "White Mamba" getauft wurde, mit ihrem Team die Meisterschaft.

Schon jetzt gibt Taurasi auch mit Blick auf Saballys Engagement das Lob zurück: "Satou hat alle Eigenschaften, um eine dieser besonderen Spielerinnen zu werden, die unsere Sichtweise auf den Basketball auf allen Ebenen verändert."

Bird wiederum feierte mit Seattle Storm ebenfalls drei Meisterschaften, wurde elf Mal All-Star und liegt in der historischen Assist-Rangliste der Liga ganz vorne.

Sabally betont: "Ich bin auch ein großer Fan von LeBron James. Auch Luka Doncic ist ein super großes Vorbild für mich, weil er den Weg aus Europa beschritten hat." Allerdings sei es "für meine eigene Profikarriere besser, mich mit anderen Frauen zu vergleichen. Das ist schon relevanter."

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr dennoch der am 26. Januar im Alter von 41 Jahren verstorbene Kobe Bryant. Die Lakers-Ikone und seine Tochter Gigi, die ebenfalls beim Helikopterabsturz ums Leben kam, waren Fans der Oregon Ducks.

"Wir weinten, wärmten uns auf und weinten noch mehr“, beschrieb Sabally in der FIVE den Moment, als sie und ihr Team von einem wichtigen Spiel gegen Oregon State von Kobes Tod erfuhren.

"Ich durfte ihn kennenlernen und werde ihn niemals vergessen können", sagte Sabally, die in der Nationalmannschaft wegen des fünfmaligen NBA-Champions die Trikotnummer 8 trägt.

Saballys Verbindung zu Nowitzki

Taurasi, Bird, Doncic, LeBron, Kobe. Doch was ist eigentlich mit Dirk Nowitzki?

Dass sie in Texas auf den Spuren des Mavs-Superstars, wandelt, findet sie unglaublich. "Das würde mir so viel bedeuten", betonte sie im Vorfeld des Drafts über die Möglichkeit, nach Dallas zu kommen: "Er ist so eine Legende und so eine Inspiration. Es wäre alles für mich."

Nach dem Draft begrüßte sie Nowitzki bereits euphorisch. "Dallas ist ein großartiger Ort. Let’s go!". Sabally antwortete: "Ich werde bald da sein. Ich kann es kaum erwarten."

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Auf Instagram ergänzte Nowitzki: "Alles, alles Gute, ich werde dich und deine Karriere verfolgen, viel Glück! Wir sprechen uns!"

Mit starken Leistungen in der WNBA würde Sabally, die die Auszeichnung als "Rookie of the year" ins Visier nimmt, nun noch mehr Aufmerksamkeit erhalten und den Frauenbasketball auch in Deutschland voranbringen. Ein Stück weit so, wie es Nowitzki bei den Männern gemacht hat.

"Ich hoffe, ich kann Dallas auf die Karte setzen und einige Siege erzielen, genau wie er“, sagte sie bei ESPN: "Er hat den deutschen Basketball wirklich enorm inspiriert und ich hoffe, dass ich den gleichen Einfluss habe."