Die überlebenden Spieler der Humboldt Broncos leiden an den Folgen des Unglücks
Die überlebenden Spieler der Humboldt Broncos leiden an den Folgen des Unglücks © Getty Images

Bei der Fahrt zu einem Auswärtsspiel sterben bei einem Busunglück 16 Menschen, darunter viele Spieler. Nun stehen die Humboldt Broncos erstmalig wieder auf dem Eis.

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Rund fünf Monate nachdem Brayden Camrud und Derek Patter dem Tod nur durch Glück entkamen, schien die Welt der beiden Eishockey-Spieler der Humboldt Broncos für einen weiteren Moment stillzustehen.

Mit gesenktem Kopf blickten die 20-Jährigen auf das Eis, auf dem sie bis zum 6. April dieses Jahres noch völlig selbstverständlich ihrer Leidenschaft nachgingen. Ein folgenschweres Busunglück sollte alles verändern.

Nach Tragödie: Broncos spielen wieder

Camrud und Patter sind im neu formierten Team der Broncos die einzigen noch aktiven Spieler, welche die Tragödie im Frühjahr überlebten.

Der Bus des Teams aus der Saskatchewan Junior Hockey League (SJHL) war auf dem Weg zum Auswärtsspiel nach Nipawin von einem LKW gerammt worden. 16 Insassen kamen beim Unfall ums Leben, 13 weitere Personen wurden teils schwer verletzt und kämpfen noch heute mit den Folgen.

"Der erste Wechsel war heftig, mit sehr vielen Gefühlen", sagte Camrud bei TSN. Vor dem ersten Pflichtspiel nach der Tragödie hatte er mit Patter, weiteren Überlebenden, der neuen Mannschaft sowie den 1998 Zuschauern in der Elgar Petersen Arena der Opfern gedacht.

Nummern werden nicht mehr vergeben

Die spätere 1:2-Niederlage gegen die Nipawin Hawks - jenem Team, das die Broncos am 6. April eigentlich zu einem Playoff-Spiel erwartete - war reine Nebensache. Und doch richtete Patter den Blick irgendwie auf den Sport: "Für unser erstes gemeinsames Spiel war es eine ziemlich starke Leistung", sagte Patter, zuvor sichtlich gezeichnet von der emotionalen Zeremonie.

Bei der feierlichen Andacht waren weitere Überlebende auf dem Eis, auch der ehemalige Torwart Jacob Wassermann, der im Rollstuhl sitzt. Nach dem Spiel wurden 29 Banner im Gedenken an die Toten und Verletzten enthüllt.

Die Nummern der Spieler werden nicht mehr vergeben. Hinter dem Haupteingang der Halle ist zudem ein großes Kreuz angebracht, an der Gedenkstätte sind die Namen der Opfer aufgelistet. Ein überdimensionaler Eishockeyschläger steht daneben.

"Wir werden die Tragödie vom 6. April niemals vergessen, aber ich hoffe, dass das heutige Spiel uns helfen wird, einen weiteren Schritt nach vorn zu machen", sagte der neue Trainer Nathan Oystrick.

Gleiches Reiseziel wie bei dem Unglück

Sein Vorgänger Darcy Haugan war wie zehn Spieler im Alter zwischen 16 und 21 Jahren ums Leben gekommen. Zu den anderen sechs Todesopfern zählen Mannschaftsbetreuer, Journalisten sowie der Busfahrer.

Bis in der 5000-Einwohner-Stadt in der Provinz Saskatchewan so etwas wie Normalität einkehrt, wird es noch dauern. Zuvor steht für die junge Mannschaft der nächste schwere Gang an. Schon am Freitag reisen die Broncos nach Nipawin zum Rematch. Es ist das gleiche Ziel, das 16 Personen vor rund fünf Monaten nicht erreichten.