Die Michigan State University versinkt immer mehr im Missbrauchssumpf
Die Michigan State University versinkt immer mehr im Missbrauchssumpf © Getty Images

Der Missbrauchsskandal an der Michigan State University zieht immer weitere Kreise. Diverse Spieler sollen Frauen sexuell angegriffen haben.

von Franziska Wendler

Die Michigan State University gerät im Zuge mehrerer Missbrauchsvorfälle immer weiter unter Druck. Wie der US-Sender ESPN berichtet, hat die Universität im Laufe der vergangenen Jahre systematisch jegliches Wissen über sexuelle Vergehen geleugnet.

Seit dem Amtsantritt von Football-Coach Mark Dantonio im Jahr 2007 wurden mindestens 16 Spieler seines Teams wegen sexueller Übergriffe oder Gewalt gegen Frauen angeklagt. Die Uni hat demnach versucht, gerichtlich gegen eine Veröffentlichung der Namen vorzugehen. Offenbar ohne Erfolg.

Trainer Dantonio leugnet Mitwisserschaft

Dantonio selbst soll von den Vorgängen in seinem Team gewusst haben, leugnete gegenüber Reportern aber jegliche Mitwisserschaft. "Das ist Neuland für uns", sagte er Journalisten.

Doch nicht nur die Football-Profis, auch die Basketball-Mannschaft soll in den Skandal verwickelt sein. Gegen einen Assistenztrainer des Teams soll ermittelt worden sein. Er stand im Verdacht, eine Studentin in einer Bar geschlagen zu haben. Seinen Job verlor er deshalb nicht.

Nach dem Einzug in das Final Four 2010 geriet derselbe Trainer erneut in Verdacht eine andere Studentin sexuell angegriffen zu haben.

In den vergangenen Tagen traten alle Verantwortliche der MSU – auch Präsidentin Lou Anna Simon – zurück. Sie waren wegen mangelnder Transparenz und Fehlverhaltens massiv in die Kritik geraten. In ihrem Rücktrittsstatement reagierte Simon trotzig: "Die Tragödien wurden politisiert, jemand musste die Schuld tragen."

Nassar zu 175 Jahren Haft verurteilt

Die Michigan State University steht seit geraumer Zeit massiv in der Kritik. Der frühere Mannschaftsarzt der US-Turnerinnen, der wegen sexuellem Missbrauch und dem Besitz kinderpornografischen Materials zu 175 Jahren Haft verurteilt wurde, arbeitete viele Jahre an der MSU.

Bereits 1997 hatten Sportlerinnen der Universität berichtet, dass Nassar sie unter dem Deckmantel medizinischer Behandlungen angegriffen habe. Die MSU handelte nicht und ließ zu, dass noch mehr junge Frauen von dem heute 54-Jährigen betreut wurden.

Die ersten Ermittlungen gegen Nassar wurden im Jahr 2014 eingeleitet – 17 Jahre nach den ersten Vorwürfen.