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München - Amin Younes verzückt die Fans von Eintracht Frankfurt immer mehr. Bei SPORT1 spricht jetzt sein Berater und verrät Interessantes über seinen Klienten und das Business.

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Marijo Knez ist Spielberater und arbeitet für eine der Top-Agenturen in England.

Jetzt will CAA Base den deutschen Markt angreifen. Der 44-jährige Deutsch-Kroate, in Frankfurt geboren, hat im Januar unter anderem den Wechsel von Timothy Fosu-Mensah von Manchester United zu Bayer Leverkusen eingefädelt und im vergangenen Herbst auch den Transfer seines Klienten Amin Younes zu Eintracht Frankfurt abgewickelt.

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Im SPORT1-Interview spricht Knez über seine Pläne, Younes und die Unterschiede zwischen der Premier League und der Bundesliga.

SPORT1: Herr Knez, Sie wollen auf dem deutschen Markt angreifen. Was sind ihre konkreten Pläne?

Marijo Knez: Der Fußball entwickelt sich von Jahr zu Jahr und die Zusammenhänge werden immer komplexer und aufwendiger, sodass der Bedarf und die Nachfrage dies zu bewerkstelligen auch immer größer wird. Neben der reinen sportlichen Entwicklung nimmt das Thema Vermarktung und öffentliche Wahrnehmung immer mehr an Bedeutung zu. Dafür wollen wir Lösungen schaffen und anbieten. Die Headline ist 360-Grad-Service. Der Spieler soll den Fokus auf die Ausübung seiner Arbeit haben. Neben all den Business-Aufgaben darf man den Menschen, seine Werte und Bedürfnisse aber nicht außer acht lassen. Wir möchten auf jeden Klienten individuell eingehen mit unserem sehr ausgeprägten Netzwerk. Auf dem englischen Markt sind wir damit bereits seit Jahren sehr erfolgreich, doch nun möchten wir auch auf dem sehr großen und spannenden deutschen Markt aktiver werden. Wir sehen hier viel Entwicklungspotenzial. Der Plan unserer Agentur ist es, das Portfolio mit deutschen Spielern weiter auszuweiten. 

SPORT1: Sie haben in Ihrer Agentur Spieler wie Fosu-Mensah oder Heung-min Son (Tottenham Hotspur). Der eine spielt aktuell in Deutschland, der andere war früher dort. Wo steht die Bundesliga im Ranking für Sie?

Knez: Die Bundesliga ist eine der attraktivsten Ligen in Europa. Im Vergleich zu den anderen Ligen fallen im Durchschnitt viel mehr Tore, sodass es für den Zuschauer immer spannend ist. Die Infrastruktur ist sehr professionell, die Stadien sind im Normalfall sehr gut besucht. Die Emotionen kommen zu jedem Akteur durch. Die Vereine arbeiten hochprofessionell und wirtschaften sehr gut, die Konkurrenz in der Liga ist groß und teilweise ausgeglichen, das steigert die Qualität. Dies spiegelt sich dann auch im internationalen Vergleich wider, wo Bundesligisten kontinuierlich vertreten sind und eine tragende Rolle spielen.

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SPORT1: Wie hat sich das Transfergeschäft in der Corona-Pandemie verändert?

Knez: Wie jede andere Branche, haben auch die Vereine extreme finanzielle Einbußen. So, dass das Transfer-Volumen, also die Anzahl der getätigten Transfers, zurückgegangen ist. Die Vereine gehen noch viel bedachter an die Transfers heran, obwohl das in Deutschland schon immer der Fall gewesen ist. Man spürt definitiv das Ungewisse und die Unsicherheit. Leih-Modelle mit überschaubarem Risiko sind bei den Vereinen gefragter denn je. Der abgebende Verein gibt sich dann manchmal schon damit zufrieden, dass bei Spieler X bei einer Leihe nicht mehr die vollen Gehaltskosten übernommen werden müssen.

SPORT1: Wird es irgendwann wieder wie früher sein?

Knez: Der Fußball wird sich im Vergleich zu anderen Branchen schneller erholen, da er auch während der Pandemie stattgefunden hat. Jedoch wird es sicherlich eine Zeit dauern, bis sich alles wieder normalisiert hat. In jeder Krise entstehen auch Chancen, so dass ich denke, dass sich das Ganze etwas umstrukturiert und Risiken überschaubarer gestaltet werden.

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SPORT1: Wie sehen Sie inzwischen den englischen Transfermarkt im Vergleich zum deutschen?

Knez: Der deutsche Markt ist im Vergleich zum Englischen bedachter und mit weniger Risikobereitschaft aufgebaut. Das liegt einfach daran, dass die englischen Vereine generell mehr und bessere finanzielle Möglichkeiten haben. Es gibt bei einzelnen Spielern häufig regelrechtes Wettbieten untereinander. Nicht-englische Vereine waren dann oft froh, wenn das englische Transferfenster ein paar Tage früher geschlossen wurde, da sich der Markt danach meist etwas beruhigt hatte für den Rest der Saison.

Lob für Neuzugang: Younes lässt Frankfurt hoffen

SPORT1: Wie ticken die deutschen Vereine im harten Transfergeschäft?

Knez: Jeder Verein ist bedacht, das Bestmögliche für sich heraus zu ziehen. Generell sehr strategisch, hochprofessionell und vor allem lösungsorientiert.

Timothy Fosu-Mensah (r.) wechselte im Januar von Manchester United zu Bayer Leverkusen.
Timothy Fosu-Mensah (r.) wechselte im Januar von Manchester United zu Bayer Leverkusen. © AFP/SID/RONNY HARTMANN

SPORT1: Wie beurteilen Sie Ihre Spieler Fosu-Mensah und Amin Younes nach einigen Monaten in Deutschland? (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga) 

Knez: Timo (Fosu-Mensah, d. Red.) hat sich gut eingelebt und findet seinen Rhythmus. Er hatte in England aufgrund einer Verletzung nicht kontinuierlich spielen können. Er bringt sehr viel Potenzial mit und in Leverkusen kann er diese weiterentwickeln. Amin fühlt sich pudelwohl in Frankfurt, er hat viel Spaß am Fußball und es macht sehr viel Freude, ihm und der Eintracht zu schauen. Mit seiner positiven Energie steckt er viele an. Amin ist ein harter Arbeiter und ein Vorbild für jeden. Er zaubert aktuell jedem Fußball verliebten ein Lächeln ins Gesicht. 

Tolle Geste! Amin Younes gedenkt nach seiner Auswechslung des Opfern von Hanau und sorgt für Gänsehaut
Tolle Geste! Amin Younes gedenkt nach seiner Auswechslung des Opfern von Hanau und sorgt für Gänsehaut © Imago

SPORT1: Wie wohl fühlt sich Amin bei der Eintracht? (Die Tabelle der Bundesliga)

Knez: Schon in den ersten Gesprächen hat er das Vertrauen und die Wertschätzung seitens der Eintracht gespürt. Dies hat sich bis heute bestätigt. Alle haben ihn super aufgenommen, auch die Fans der Eintracht. Er mag die Stadt Frankfurt sehr, auch wenn seit seinem Wechsel Corona bedingt privat noch kein normales Leben für ihn dort möglich war.

SPORT1: Die Leihe dauert zwei Jahre: Bis wann muss die SGE die Kaufoption ziehen?

Knez: Prinzipiell kommentieren wir ungern detaillierte vertragliche Inhalte. Aber ja, eine zweijährige Leihe hat für die SGE und den Spieler am meisten Sinn gemacht. Amin wollte auf keinen Fall eine Lösung, bei der sich die Wege nach einigen Monaten schon wieder trennen könnten. Das war dann auch im Interesse der Eintracht.

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SPORT1: Er hat ja auf viel Gehalt verzichtet - wurde nach diesen Topleistungen über deine Erhöhung nachgedacht?

Knez: An erster Stelle steht Amin der Spaß am Fußball. Er ist ungemein dankbar, dass er das Privileg hat, sein Traum zu leben und diesen zum Beruf gemacht zu haben. Und das ist und bleibt auch weiterhin absolute Priorität.

SPORT1: Wie denkt Ihr Klient über das Thema Nationalmannschaft? Und war er zuletzt schon mal im Kontakt mit Löw?

Knez: Ich denke, es ist der Traum jeden Fußballers, das Trikot der Nationalmannschaft zu tragen. Dies wird auch immer bestehen bleiben. Amin hat die Zeit rund um den Confed-Cup-Sieg 2017 sehr genossen. Aktuell ist er absolut auf die Eintracht fokussiert und seine Gedankengänge sind nur den Leistungen des nächsten Spiels gewidmet. Derzeit gibt es keinen Kontakt zu Herrn Löw.