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München - Alen Halilović spielt mit nur 24 Jahren bei seinem neunten Verein. In Kroatien bricht er einst Rekorde und gilt bei Barca als Balkan-Messi. Dann folgt der Absturz.

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"Sein Bundesliga-Debüt gab er gegen Bayern Leverkusen" ist auf der offiziellen Homepage von Birmingham City in der Transfermeldung zu Alen Halilović zu lesen.

Bei all den Klubs, für und gegen die der erst 24-Jährige in diversen europäischen Ligen in den vergangenen Jahren spielten, kann man schon einmal leicht zwei Klubs vermischen.

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Denn der englische Zweitligist ist bereits sein neunter Verein innerhalb von sechs Jahren und wahrscheinlich auch seine letzte Chance, um seiner Karriere noch einmal eine Wende zu geben.

Das einst hochgejubelte kroatische Wunderkind, das in Spanien als "Messi vom Balkan" und in Hamburg als "Mini-Messi" bei seiner jeweiligen Ankunft gefeiert wurde, entpuppte sich seit seinem Abgang von Dinamo Zagreb bei beinahe jedem Klub als große Enttäuschung.

Halilović bricht Rekorde in Kroatien

In der Fußballschule von Zagreb wurde Halilović ausgebildet, ehe er im Juni 2012 direkt nach seinem 16. Geburtstag einen Profivertrag unterschrieb. Kurz darauf wurde der Sohn des früheren bosnischen Nationalspielers Sejad Halilovic zum jüngsten Spieler und Torschützen in der Geschichte der kroatischen Liga.

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Auch international machte er schnell von sich reden, da er noch vor seinem 17. Geburtstag sein Länderspiel-Debüt für Kroatien gab, als bisher jüngster kroatischen Nationalspieler. Obwohl Halilović sich bei Zagreb nicht als Stammspieler durchsetzen konnte, wurde so der FC Barcelona auf ihn aufmerksam.

Die Talentscouts der Katalanen waren so überzeugt von ihm, dass Barca 2,2 Millionen Euro und das junge Talent Dani Olmo, der alle U-Mannschaften dort durchlaufen hatte, im Gegenzug für den jungen Mittelfeldspieler nach Zagreb schickte.

Ein folgenschwerer Fehler. Während Olmo in Zagreb der Durchbruch gelang und er inzwischen als spanischer Nationalspieler beim Champions-League-Klub RB Leipzig eine wichtige Rolle einnimmt, begann anschließend der unaufhörliche Abstieg von Halilović.

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Barcelona tauft ihn "Balkan-Messi"

Dabei hatte sich Barcelona zunächst sehr über die Ankunft von Halilović gefreut, schnell war der Spitznamen "Balkan-Messi" geboren.

Die Ähnlichkeiten mit dem argentinischen Superstar sind auf den ersten Blick vorhanden. Mit 1,69 Meter ist er ähnlich klein wie Messi und zählt in Sachen Physis nicht zu den stärksten Spielern. Wie bei Messi zeichnen ihn dafür seine Schnelligkeit, Dribbelstärke und Schusstechnik aus.

Der entscheidende Unterschied war allerdings, dass Messi damit internationale Superstars vorführte, während Halilović sein Potenzial zuvor nur in der kroatischen Liga angedeutet hatte. So durfte er bei Barca bis auf einen Kurzeinsatz in der Copa del Rey nur in der zweiten Mannschaft ran.

"Er hätte schon um Längen besser als seine Mitspieler oder seine gegnerischen Spieler sein müssen, um sich einen Platz im Profikader zu verdienen. Das konnte er gar nicht sein, weil er als Teenager aus Kroatien kam und man ihm überhaupt nicht die nötige Zeit gab, sich einzugewöhnen und mit Geduld an sich zu arbeiten, um zu beweisen, eines Tages für die Profis spielen zu können", sagte sein damaliger Barca-Trainer Jordi Vinyals bei Spox und Goal.

Alen Halilović bei seinem einzigen Einsatz für die erste Mannschaft des FC Barcelona
Alen Halilović bei seinem einzigen Einsatz für die erste Mannschaft des FC Barcelona © Imago

HSV-Wechsel "ein großer Fehler"

Barcelona verlieh Halilović zunächst innerhalb Spanien an Sporting Gijon. Dort zeigte er bis heute seine besten Leistungen außerhalb Zagrebs, weshalb Gijon ihn sogar fest verpflichten wollte. Doch der Kroate hatte keine Lust gegen den Abstieg zu spielen und wollte lieber zu einem größeren Klub.

Dass er sich ausgerechnet für den Hamburger SV entschied, wirkt aus heutiger Sicht kurios - doch der HSV hatte die Saison 2015/2016 gerade als Zehnter beendet und den Anspruch, weiter oben anzugreifen. Halilović sah es als ideales Sprungbrett, um seine Karriere in Gang zu bringen.

Da Barcelona zudem immer noch keinen Platz für ihn im Profi-Kader hatte, gab man ihn für fünf Millionen Euro an Hamburg ab. Dass sich Barca eine Rückkaufoption in Höhe von zehn Millionen Euro zusicherte, zeigte, dass nicht nur der HSV vom großen Potenzial von Halilović überzeugt war.

Doch in Hamburg kam die Karriere von Halilović endgültig von den ihr vorhergesagten Wegen ab. Rückblickend sagte er Jahre später im Interview mit Voetbal International: "Es war ein großer Fehler, zum HSV zu gehen."

Auch der AC Mailand sortiert ihn aus

Zu seinem Pech wurde Bruno Labbadia, der laut Halilović große Stücke auf ihn hielt, bereits nach wenigen Spielen entlassen. "Es kam ein neuer Trainer (Markus Gisdol, d. Red.) und er sagte mir schon nach einer Woche, dass ich nicht in sein System passe", sagte Halilović über seine HSV-Zeit.

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Nach nur sieben Einsätzen beim HSV, lediglich einmal von Beginn an, wird Halilović bereits im Winter für anderthalb Jahre an UD Las Palmas verliehen. Obwohl ihn eine schwere Knöchelverletzung aus der Bahn warf, schaffte er es schließlich, sich dort in die Startelf zu kämpfen.

Doch nach dem Abstieg des Klubs war klar, dass er sich einen neuen Klub suchen würde. Mit dem AC Mailand fand er sogar einen Spitzenklub. Der damalige Trainer Gennaro Gattuso sortierte ihn jedoch nach nur zwei Einsätzen in der Europa League wieder aus.

Die Italiener liehen ihn daraufhin nach Belgien zu Standard Lüttich aus. Eine Zeit, auf die Halilović ähnlich wie auf seine HSV-Erlebnisse zurückblickt: "Sie fanden, dass ich weg muss und das wollte ich selbst auch. Es war kein einfacher Deal, weil Standard irgendwann mit neuen Lügen und Problemen kam."

Halilović: "Kann so gut wie Modric werden"

Nachdem sein Leihvertrag Anfang September aufgelöst wurde, verlieh ihn Mailand bis zum Saisonende auf Leihbasis zum SC Heerenveen. Dort kündigte er direkt einmal vollmundig an: "Nach meinem Gefühl kann ich noch immer so gut wie Luka Modrić werden.“

Dieses Gefühl teilte sein neuer Klub allerdings nicht und versetze ihn zeitweise sogar in die zweite Mannschaft. Halilović musste anschließend zurück nach Italien, ehe Milan Anfang Oktober die Vertragsauflösung "in beidseitigem Einvernehmen" bekannt gab.

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Nach Kroatien, Spanien, Deutschland, Italien, Niederlande und Belgien versucht der Wandervogel sein Glück nun in England. Auf der Homepage preist Birmingham den Neuzugang an, der nun endlich sein "unbestrittenes Potenzial entfalten" soll.

Es ist vermutlich die letzte Chance für Halilović, den Klubs in den Topligen zu zeigen, dass sie auf ihn setzen können. Ansonsten könnte die Nummer 35, die er für Birmingham tragen wird, am Ende seiner Karriere auch für die Anzahl der Klubs stehen, die ihn weiterreichten.