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Frankfurt am Main - Eintracht Frankfurt hat unter den Folgen der Corona-Pandemie zu leiden. Spätestens im nächsten Sommer muss wohl wieder ein Star verkauft werden. Die Kandidaten.

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Die Coronakrise hat große finanzielle Sorgen bei den Bundesligavereinen ausgelöst.

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Axel Hellmann, Vorstand von Eintracht Frankfurt, gab im Gespräch mit dem kicker einen Einblick: "In der zurückliegenden Saison ist es ein Umsatzeinbruch von 15 bis 20 Millionen Euro gewesen. In der laufenden Saison kommen wir ganz schnell auf 50 bis 70 Millionen Euro, wenn auch die Rückrunde weitgehend ohne Zuschauer verläuft."

Die eisern angesparten Reserven sind langsam auch bei dem Traditionsverein aufgebraucht. Der Bürgerausschuss des Landes Hessens genehmigte eine Landesbürgschaft in Höhe von 16 Millionen Euro, die aber nicht für Transfers verwendet wird. Es gehe um bestehende “Sicherungsmittel für Kreditlinien, die wegen der Pandemie weniger werthaltig wurden".

Sprich: Es ist die Zeit, in der Sportvorstand Fredi Bobic wieder seine Stärken zeigen muss. Die Eintracht, so betonte der Europameister von 1996 immer wieder, sei ein "gehobener Ausbildungsverein". Und als solcher gilt: Spieler müssen vergleichsweise günstig geholt und später für ein Vielfaches verkauft werden.

Doch welche Profis sind das Tafelsilber der Hessen und können somit in die Fußstapfen von Luka Jovic und Sébastien Haller, die vor zwei Jahren rund 100 Millionen Euro in die Kasse spülten, treten? SPORT1 nennt fünf Kandidaten.

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Filip Kostic

Filip Kostic kam im Sommer 2018 zunächst auf Leihbasis vom Hamburger SV zur Eintracht und wurde nach einer überragenden Saison für rund fünf bis sechs Millionen Euro verpflichtet. Nach 99 Pflichtspielen stehen 22 Treffer und 31 Vorlagen auf dem Konto.

Der 28-Jährige hat seinen Marktwert vervielfacht, die Hessen hoffen für ihren Topspieler auf der linken Seite auf eine Ablöse im Bereich von 30 Millionen Euro.

Aktuell fehlt der Serbe wegen einer Knieverletzung, doch spätestens nach der Länderspielpause will Kostic wieder voll angreifen. Sein Vertrag in Frankfurt läuft noch bis 2023.

Daichi Kamada

Daichi Kamada hat eine Entwicklung genommen, von der die Verantwortlichen im Sommer 2017 geträumt haben, als sie ihn für rund 1,6 Millionen Euro aus Japan an den Main holten. Nach einem ersten Jahr zum Vergessen liehen ihn die Hessen nach Belgien aus, wo er mit 16 Treffern und neun Vorlagen überragte.

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Trainer Adi Hütter entpuppte sich nach dessen Rückkehr schnell zum Fan und ließ den 24-Jährigen trotz eines Angebots aus Italien nicht mehr gehen. Die Frankfurter kämpften in diesem Sommer lange um seine Vertragsverlängerung bis 2023 und Kamada setzte sich das Ziel, mit 15 Scorerpunkten den nächsten Karriereschritt gehen zu wollen.

Die ersten sechs Spieltage geben ihm Recht: Ein Treffer und vier Vorlagen stehen auf der Habenseite. Auch wenn dem Spielmacher noch etwas die Konstanz abgeht und er den Ball teilweise zu lange führt, ist er bei Hütter korrekterweise gesetzt. Bei einem Verkauf werden die Frankfurter sicherlich mehr als das fünf- oder sechsfache dessen erlösen, was sie vor drei Jahren bezahlt haben.

Evan N’Dicka

Für Evan N’Dicka griff die Eintracht im Sommer 2018 tief in die Tasche. 5,5 Millionen Euro überwiesen die Hessen an den französischen Zweitligisten AJ Auxerre für das große, aber bis dato noch völlig unbekannte, Talent.

Der Start in die neue Saison lief verletzungsbedingt zwar unglücklich, doch in zwei Spielzeiten stand der erst 21 Jahre alte Innenverteidiger schon in 71 Partien auf dem Platz. Der Linksfuß ist schnell unterwegs, hat einen passablen Spielaufbau, er antizipiert Situationen frühzeitig und löst diese geschickt.

N’Dicka muss sich noch etwas mehr Robustheit aneignen und geschickter im Zweikampf agieren - trotz ordentlicher Quote von rund 55 Prozent gewonnener Duelle. Doch Paris Saint-Germain und diverse englische Klubs haben nicht ohne Grund ein Auge auf den Franzosen geworfen.

Die Eintracht befindet sich auch hier in der komfortablen Situation, den Abwehrmann noch bis 2023 unter Vertrag stehen zu haben.

André Silva

44 Pflichtspiele, 21 Tore und sieben Vorlagen: André Silva ruft nach Anlaufschwierigkeiten regelmäßig sein Potenzial ab und beweist, weshalb die AC Mailand vor drei Jahren noch stolze 38 Millionen Euro an den FC Porto überwies.

Die Eintracht beendete im vergangenen Sommer das auf zwei Jahre angelegte Leihgeschäft und verpflichtete den Portugiesen fest. Seine einzige Schwäche - das fehlende Tempo im Spitzenbereich – gleicht der 24-Jährige mit seinen Stärken aus: Beidfüßig, gut im Kopfball, eiskalt beim Elfmeter, Technik und Torinstinkt.

Sollte Silva fit bleiben und konstant weiter performen, dann ist eine Summe im Bereich Haller oder Jovic, die 50 und 60 Millionen Euro einbrachten, keine Utopie für die Eintracht.

Martin Hinteregger

Hütter schwärmte häufiger schon von Martin Hinteregger, der bei der Eintracht Leistungsträger und Publikumsliebling ist. "Martin ist ein richtig guter Verteidiger, der 100-prozentig in der Champions League spielen könnte, weil er ein kompletter Spieler ist. Wenn er topfit ist, ist er eine Maschine", sagte der Trainer damals dem kicker.

Die Frankfurter bemühten sich lange um den Innenverteidiger, der nach zähem Poker für sieben Millionen Euro vom FC Augsburg kam. Mit seiner Mentalität und Wucht ist der Österreicher unverzichtbar für Hütter, in der vergangenen Spielzeit war er mit neun Treffern und drei Vorlagen zudem enorm torgefährlich.

Hinteregger ist noch bis 2024 gebunden und macht keine Anstalten, den Klub zu verlassen. Doch klar ist: Sollte beispielsweise ein englischer Klub 20 Millionen Euro oder mehr bieten, wird der Klub nachdenken müssen.

Mit großer Freude verfolgen die Verantwortlichen ferner die Entwicklungen ihrer Leihspieler Dejan Joveljic (Wolfsberger AC/9 Pflichtspiele/3 Tore) und Rodrigo Zalazar (FC St. Pauli/7/3). Möglicherweise klappt bei diesem Duo ja schon gut, was zuvor auch bei Kamada funktionierte.

Für die Eintracht wird dieser Weg auch bedingt durch die Coronakrise alternativlos bleiben. "Wir werden auch mal 'Tafelsilber' verkaufen müssen, wenn es Sinn macht", erklärte Fredi Bobic der Bild am Sonntag. Die Frankfurter jedenfalls haben noch immer genügend Potenzial im Kader – und somit Sicherheit in schwierigen Zeiten.