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München - Inter Mailands Besitzer flirtet durch ein Bild von Lionel Messi auf dem Mailänder Dom offensiv mit dem Argentinier. Ist ein Abgang aus Barcelona realistisch?

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Wunschdenken? Oder doch ein Indiz für die Zukunft?

Als das Konterfei von Lionel Messi jüngst den Mailänder Dom anstrahlte, sorgte das für helle Aufregung in der italienischen Modemetropole. Schließlich war es der TV-Sender PPTV, der dieses virtuelle Plakat auf den Dom projizierte. Der Sender gehört Suning, dem chinesischen Eigentümer von Inter Mailand.

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Und der Gründer sowie Leiter Zhan Jindong gehört zu den reichsten Chinesen - unter anderem hält sein Sender PP Sports in China die Übertragungsrechte für die Top-5-Ligen in Europa, also auch für die Bundesliga.

Mit dieser Aktion befeuerte der Inter-Besitzer die jüngsten Wechselgerüchte um den Argentinier vom FC Barcelona.

Trainer Antonio Conte hielt sich zu den Gerüchten bedeckt. "Ich habe das nicht gesehen. Aber es ist einfacher, den Dom zu bewegen, als Messi zu Inter zu holen", kommentierte Conte, der am vergangenen Wochenende die Klubbosse heftig attackierte und nun vor dem Aus zu stehen scheint, das Bild.

"Wir reden hier von 'Fantacalcio' (ein virtuelles Managerspiel, Anm. d. Red.), das ist absolut kein Ziel von uns", erklärte wiederum Geschäftsführer Giuseppe Marotta bei Sky hinsichtlich der Gerüchte um Messi.

Messi-Vater kauft angeblich Anwesen in Mailand

Also doch einfach nur ein PR-Gag?

Die Barca-Verantwortlichen betonten in der Vergangenheit stets, dass Messi seine Karriere bei den Blaugrana beenden wolle. Doch der 33-Jährige hat laut Cadena Ser die Verhandlungen um eine Ausdehnung des bis 2021 laufenden Vertrags nun vorerst gestoppt.

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Die Gerüchte um einen Wechsel nach Mailand heizte indirekt auch Messis Vater und Berater Jorge an, der laut Gazzetta dello Sport ein Anwesen in der Modestadt gekauft haben soll. 

"Im Fußball können Träume wahr werden", sagte Ex-Präsident Massimo Moratti in einem Radio-Interview: "Messis Vater würde zu Fuß zur Vertragsunterzeichung kommen."

Klar ist immerhin: Messi ist alles andere als angetan von der Entwicklung seines Klubs in den vergangenen Jahren. Unter anderem der Abgang von Neymar soll ihm nicht gefallen haben.

Auch die Tatsache, dass die Katalanen nicht Klublegende Xavi als Nachfolger für Ernesto Valverde verpflichteten, sei ihm sauer aufgestoßen. Zudem hatte Messi Anfang des Jahres Sportdirektor Eric Abidal öffentlich kritisiert. Der hatte den Spielern mangelnde Einstellung vorgeworfen.

Messi kritisiert Team öffentlich

Nachdem Barcelona am 37. Spieltag durch ein 1:2 gegen Osasuna die Meisterschaft endgültig verspielt hatte, platzte dem mehrmaligen Weltfußballer dann der Kragen. "Ich habe es bereits vor einiger Zeit gesagt - wenn wir so weitermachen, wird es für uns extrem schwer, die Champions League zu gewinnen", polterte er.

Mehr noch: Gegen die SSC Neapel könnte nun auch im Achtelfinal-Rückspiel (Hinspiel: 1:1) einmal mehr das vorzeitige Aus kommen.

Die Katalanen hatten in den vergangenen Jahren zwar reichlich Geld für neue Spieler ausgegeben, ein glückliches Händchen bewiesen sie dabei allerdings nur selten.

Spieler wie Philippe Coutinho und Ousmane Dembélé verschlangen hunderte Millionen Euro und brachten nicht die gewünschte Verstärkung, auch Antoine Griezmann blieb den Nachweis der für ihn gezahlten 120 Millionen Euro in der ersten Saison schuldig.

Baldige Besserung scheint nicht in Sicht zu sein, Geld für Neuverpflichtungen ist insbesondere aufgrund der Coronakrise kaum vorhanden. Selbst der Wunschtransfer von Lautaro Martínez ist ohne verrechnete Tauschmasse für den spanischen Vizemeister kaum zu stemmen.

Bei Inter träfe Messi dagegen auf einen Klub, der ihn verehrt. Schon Moratti träumte in der Vergangenheit öffentlich von "La Pulga". Vor allem aber: Mit Suning haben die Mailänder einen mächtigen Geldgeber im Rücken, der langfristig das Ziel hat, Dauermeister Juventus mit dem alten Messi-Rivalen Cristiano Ronaldo vom Thron der Serie A zu stoßen.

Schon in der abgelaufenen Saison gaben die Nerazzurri fast 200 Millionen Euro für Neuzugänge aus, holten unter anderem Romelu Lukaku und im Winter Christian Eriksen. Zur neuen Saison kommt noch der Ex-Dortmunder Achraf Hakimi für 40 Millionen Euro von Real Madrid, dazu wurde Talent Nicoló Barella für 25 Millionen fest verpflichtet.

Geldprobleme aufgrund der Coronakrise? Fehlanzeige.

Schnürt Mailand 260-Millionen-Paket?

Den Mailändern, die am Mittwoch mit einem 2:0 gegen den FC Getafe das Viertelfinale der Europa League klar machten, kommt die aktuelle Situation offenbar sogar entgegen. Die UEFA hat die Regelungen für das Financial Fair Play (FFP) für das Jahr 2020 gelockert, die Bewertung soll gemeinsam mit der des Jahres 2021 erfolgen.

Das gibt Zhan Jindong noch mehr Spielraum, um den erwünschten Deal zu finalisieren. Laut Gazzetta dello Sport arbeiten die Mailänder an einem Megapaket im Gesamtwert von 260 Millionen Euro.

Eine Ablöse für Messi beinhaltet dieses Paket allerdings nicht, vielmehr soll er im kommenden Jahr ablösefrei kommen und einen Vierjahresvertrag unterschreiben, der ihm 65 Millionen Euro brutto im Jahr einbringen soll. Damit würde Messi auch Ronaldo übertrumpfen, der 58 Millionen verdienen soll.

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Doch bei den ganzen Gerüchten darf man eines nicht vergessen: Will Messi die Katalanen wirklich verlassen, hätte er es schon längst tun können. Doch er ließ eine Klausel verstreichen, die einen ablösefreien Wechsel vor Vertragsende möglich gemacht hätte.

Und auch Barcelona rechnet weiter fest mit seinem Aushängeschild. So erklärte Präsident Josep Bartomeu unlängst: "Ich werde Ihnen keine Einzelheiten nennen, aber Messi hat schon häufig erklärt, dass er sein Leben als Fußballer in Barcelona beenden wird."

Im Interview mit der Sporttageszeitung Sport legte der Barca-Boss am Sonntag noch einmal nach. "Messi will seine Karriere bei Barca beenden", betonte Bartomeu dort und prophezeite: "Er hat noch drei oder vier gute Jahre Fußball in sich."

Ob Messi selbst seine Zukunft genauso eindeutig vor Augen hat? So oder so: Der nächste Vertrag dürfte sein letzter großer werden.

Sollte er dabei vornehmlich auf das Geld schauen oder zum Karriereende doch noch eine neue Herausforderung suchen, könnte bald der echte Messi den Mailänder Dom erstrahlen lassen.