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München - Während der FC Bayern weiter nach Neuzugängen sucht, hat Dortmund seine Kaderplanung bereits großteils beendet. Hintern dem BVB liegt ein verrückter Transfersommer.

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Die Saison war gerade drei Tage vorbei, da ging es plötzlich Schlag auf Schlag.

Innerhalb von nicht einmal 40 Stunden präsentierte der BVB Ende Mai in Nico Schulz, Thorgan Hazard und Julian Brandt drei hochkarätige Neuzugänge. Schlanke 76 Millionen Euro ließen sich die Dortmunder ihre drei neuen Stars kosten.

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Die Leere und Trauer über den verspielten Meistertitel? Offenbar kein Thema mehr bei den Schwarzgelben. Aufbruchstimmung war das Stichwort. Das verdeutlichten auch die Worte von BVB-Boss Hans-Joachim Watzke einige Tage später in der Bild am Sonntag. "Wir wollen Meister werden", erklärte Watzke. Der BVB verspüre eine Verpflichtung gegenüber Fußballdeutschland, ab sofort das Ziel zu haben, um den Titel mitzuspielen. "Wann, wenn nicht jetzt?"

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Effenberg lobt Königstransfer Hummels

Wenige Tage vor dem Start in die neue Bundesliga-Saison ist die Personalplanung des BVB so gut wie abgeschlossen. Auch wenn das Transferfenster erst am 2. September schließt, so lässt sich eines bereits festhalten: Hinter den Dortmundern liegt die wahrscheinlich ereignisreichste Transferperiode der Vereinsgeschichte. Und wohl auch die erfolgreichste.

Neben Hazard, Schulz und Brandt wurde der junge Mateu Morey ablösefrei vom FC Barcelona verpflichtet, zudem die Kaufoption von 21 Millionen Euro für Toptorjäger Paco Alcácer gezogen.

Und da ist dann ja auch noch der Königstransfer: Mats Hummels kehrte nach drei Jahren beim FC Bayern zum BVB zurück. Für 30,5 Millionen Euro ließen die Münchner den Weltmeister von 2014 zum direkten Konkurrenten ziehen. Eine Tatsache, die bei Experten und den Fans des Rekordmeisters für viel Unverständnis sorgte.

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Die Dortmunder, da sind sich alle Experten einig, haben sich sehr gut verstärkt. "Der Coup mit Mats Hummels ist ein richtiges Pfund für den BVB. Dazu noch Julian Brandt, Thorgan Hazard und Nico Schulz: Viel erfolgreicher kannst du den Sommer nicht bestreiten", erklärte SPORT1-Experte Stefan Effenberg im CHECK24 Doppelpass.

Auch die Zahlen belegen die Ambitionen des Vizemeisters. 127,5 Millionen Euro gab die Borussia für neue Spieler aus - Vereinsrekord. Stand jetzt rangieren die Dortmunder in den Top Ten der Transferausgaben - neun Millionen Euro vor dem Rivalen aus München, der weiterhin verzweifelt versucht, seine groß angekündigte Transferoffensive in die Tat umzusetzen.

BVB-Transfers setzen 200 Millionen Euro um

Doch die eigentliche Schwerstarbeit für Sportdirektor Michael Zorc war weniger, die Neuzugänge von einem Wechsel nach Dortmund zu überzeugen. Vielmehr galt es, sich von Altlasten zu befreien, den aufgeblähten Kader auszudünnen.

Auch das war bisher sehr erfolgreich. Großverdiener wie André Schürrle (Spartak Moskau) wurden an den Mann gebracht, Spieler ohne Perspektive wie Shinji Kagawa (Real Saragossa) und Jeremy Toljan (U.S. Sassuolo) wurden verliehen oder verkauft. Zuletzt wurde auch Verteidiger Ömer Toprak mit Kaufverpflichtung an Werder Bremen verliehen. Nachwuchstalent Sergio Gómez schloss sich auf Leihbasis dem spanischen Zweitligisten SD Huesca an.

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Einnahmen und Ausgaben zusammengerechnet wurden durch BVB-Transfers in dieser Transferperiode bereits rund 200 Millionen Euro umgesetzt. Die Verkäufe von Maximilian Philipp (Dynamo Moskau) und Abdou Diallo spülten zusammen über 50 Millionen Euro in die Kasse, insgesamt nahm der BVB bisher rund 70 Millionen Euro ein. Dadurch steht die aktuelle Transferbilanz trotz der Großoffensive bei "nur" minus 57 Millionen Euro. Bei den Bayern sind es jetzt schon 84 Millionen Euro Minus.

Mit Diallo verlor der BVB lediglich einen Stammspieler. Der französische Innenverteidiger sah durch die Hummels-Verpflichtung seinen Stammplatz gefährdet und wechselte für 32 Millionen Euro zu Paris Saint-Germain.

Durch die frühzeitige Abwicklung ihrer Transfers haben die Dortmunder zwei entscheidende Vorteile in der Hand. Trainer Lucien Favre konnte frühzeitig mit seinen Neuen trainieren und so für eine schnelle Integration ins Mannschaftsgefüge sorgen.

Weitere Zu- und Abgänge nicht ausgeschlossen

Außerdem kann sich der BVB voll und ganz auf den Saisonstart konzentrieren. Während in München immer wieder - auch von Spielerseite – deutlich gemacht wird, dass der aktuelle Kader den Ansprüchen nicht genügt, gibt es in Dortmund quasi keine Nebengeräusche.

Zurücklehnen ist für Zorc trotz bislang äußerst erfolgreichem Transfersommer jedoch noch nicht angesagt. Durch den Toprak-Wechsel hat der BVB-Kader eine annehmbare Größe erreicht, zu den 27 Mann zählen dabei auch der vierte Torhüter Luca Unbehaun und U19-Aufrücker Tobias Raschl, der allerdings für die Reserve eingeplant ist.

Dennoch schließt Zorc weitere Abgänge nicht aus. "Es geht um die richtige Balance in der Struktur des Kaders, nicht darum, ob wir einen Spieler mehr oder weniger haben", sagte er den Ruhr Nachrichten.

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Das größte Fragezeichen steht noch hinter Raphael Guerreiro. Immer wieder wurde über einen möglichen Abgang des Portugiesen berichtet, auch wenn Favre nach dem Supercup-Erfolg gegen die Bayern erklärte, den Europameister von 2016 halten zu wollen.

Doch auch weitere Zugänge sind nicht ausgeschlossen, wie Favre Anfang August erklärte. Der Name Patrik Schick wird dabei immer wieder genannt, der Stürmer von der AS Rom wäre ein Backup für Alcácer.

Doch auch ohne einen weiteren Zugang wäre der Kader des BVB qualitativ so aufgestellt wie vielleicht nie zuvor. Sollte es in dieser Spielzeit mit dem ersehnten Titel klappen, dürften Zorc und Watzke mit einem Lächeln an die 40 ereignisreichen Stunden Ende Mai zurückdenken. Den Start des verrücktesten Transfersommers der Vereinsgeschichte.