München - Real Madrid verpflichtet Mariano Diaz. Die Königlichen narren mit dem Deal gleich zwei Klubs. Der Neuzugang bekommt Cristiano Ronaldos Nummer.

von Kerry Hau

Neymar, Kylian Mbappe, Edinson Cavani, Robert Lewandowski, Mauro Icardi, Harry Kane, Timo Werner, Rodrigo Moreno: Nach dem Abgang von Cristiano Ronaldo wurden zuletzt zahlreiche prominente Torjäger mit Real Madrid in Verbindung gebracht.

Am Ende kam Mariano Diaz - und erhielt Ronaldos legendärer Nummer 7. Mariano wer?

Der spanisch-dominikanische Angreifer spielte einst in der Jugend des Champions-League-Siegers und avancierte unter dem ehemaligen Erfolgscoach Zinedine Zidane zum Profi, entschied sich dann aber 2017 für einen Wechsel zu Olympique Lyon, um mehr Spielpraxis zu sammeln.

In seiner ersten Saison in Frankreich explodierte er förmlich. 21 Treffer und sieben Vorlagen machten ihn zu einem für viele europäische Klubs begehrten Mann. Auch für seine alte Liebe Real.

Real bricht Mariano-Gespräche zunächst ab

So richtig glaubte in Spanien zu Beginn des Sommers aber niemand daran, dass die Königlichen ihr Eigengewächs zurückholen würden. Zu unbekannt war sein Name im Vergleich zu den anderen gehandelten, zu hoch sein Preisschild.

Lyon verlangte laut der renommierten Tageszeitung El Pais immerhin stolze 60 Millionen Euro für den wuchtigen Stürmer, der keine zwölf Monate zuvor für 52 Millionen weniger aus Madrid gekommen war.

Real-Boss Florentino Perez brach die Gespräche mit Olympique-Präsident Jean-Michel Aulas deshalb schnell ab und gab vor, kein Interesse mehr an Mariano zu haben. 

Tatsächlich ließen sich er und die sportliche Leitung um Neu-Trainer Julen Lopetegui aber eine Hintertür für den Fall offen, Ende August noch ohne qualitativ hochwertige Alternative zu den Angreifern Karim Benzema, Gareth Bale und Marco Asensio da zu stehen.

Es sollte sich auszahlen. Drei Tage vor dem Ablauf der Transferperiode meldete sich Real aus heiterem Himmel im Mariano-Poker zurück. Zu diesem Zeitpunkt gab Lyon nämlich bekannt, sich mit dem FC Sevilla auf einen Transfer des 25-Jährigen geeinigt zu haben.

Die Ablösesumme belief sich mit möglichen Bonuszahlungen auf rund 33 Millionen Euro. Also gerade einmal auf etwas mehr als die Hälfte von dem, was Lyon zunächst von Real verlangt hatte.

Sevilla will Mariano - Real bekommt ihn

Der große Trumpf der Madrilenen: Sie hatten sich im Vorjahr neben einer Weiterverkaufsbeteiligung von 35 Prozent auch ein Vorkaufsrecht für Mariano gesichert.

Dieses Vorkaufsrecht erlaubte dem spanischen Rekordmeister, den Spieler bei Einhaltung einer 48-Stunden-Frist für 65 Prozent der ausgehandelten Ablösesumme zurückzuholen.

Diese Chance wollten sich die Königlichen angesichts der dünnen Besetzung in ihrer Offensive nicht entgehen lassen.

Die zwischen Lyon und Sevilla vereinbarte Ablöse schrumpfte von 33 auf 21,5 Millionen Euro. Ein frecher, aber kluger Schachzug, sparte Real am Ende doch fast 40 Millionen Euro.

"Ich war überrascht", sagte Lyon-Boss Aulas. Mariano habe ihm zwar schon "vor einigen Wochen" mitgeteilt, zu Real zurückkehren zu wollen, aber Perez habe ihm versichert, nach einem anderen Spieler zu suchen. "Wir hätten nicht damit gerechnet, dass sie von dem Vorkaufsrecht Gebrauch machen."

Sevilla-Präsident sauer auf Real

Auch Sevillas Präsident zeigte sich angefressen. "Madrid wollte Mariano den ganzen Sommer lang nicht haben und jetzt, wo wir uns mit ihm einig sind, wollen sie ihn plötzlich", sagte Jose Castro kurz vor der Bekanntgabe des kuriosen Deals.

Die Andalusier seien laut Castro jedoch schon auf ein derartiges Szenario "vorbereitet" gewesen: "Wir arbeiten immer an Parallel-Optionen und wir sind uns sicher, dass wir uns vor dem Ende der Transferperiode noch gut verstärken."

Vielleicht ja mit Borja Mayoral. Nach der Ankunft von Mariano darf der ehemalige Wolfsburger Real verlassen. Sevilla soll mit dem 21-Jährigen verhandeln.

Mayoral hatte es in der vergangenen Spielzeit nicht geschafft, den im Sturmzentrum gesetzten Benzema zu entlasten.

Ob Mariano nach einer überzeugenden Saison in der Ligue 1 dazu bereit ist? Seine Kaltschnäuzigkeit hat er zumindest schon einmal in Madrid unter Beweis gestellt. Unter Zidane erzielte er in 302 Profi-Minuten fünf Treffer.

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