München - Weil im zentralen Mittelfeld des FC Bayern dichtes Gedränge herrscht, sollen noch zwei Stars verkauft werden. SPORT1 beleuchtet, wen es am ehesten treffen könnte.

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Der aktuelle Kader des FC Bayern besitzt derzeit vor allem im zentralen Mittelfeld eine Unwucht. Nicht weniger als neun Profis tummeln sich auf einer Position, die in der Regel nur drei Spielern Platz bietet. 

Während sich die Spielerauswahl dort im Sommer mit Leon Goretzka und Rückkehrer Renato Sanches um zwei weitere Spieler vergrößerte, herrscht auf der Abgangsseite noch Flaute.

Die Frage lautet: Wie lange noch? Sportdirektor Hasan Salihamidzic deutete bereits an, dass sich demnächst etwas bewegen könnte. Wegen des Überangebots im zentralen Mittelfeld sei es "die Pflicht des Vereins, dem Trainer einen Kader zur Verfügung zu stellen, in dem keine Unzufriedenheiten vorprogrammiert sind", sagte er in der Süddeutschen Zeitung.

Wen aber könnte es erwischen? Und wer gilt als gesetzt? SPORT1 macht den Abgangs-Check im Mittelfeld des Rekordmeisters.   

1. Thiago

Fünf Jahre steht der 27-Jährige schon im Kader der Münchner - so richtig Eindruck hat er bislang jedoch nicht hinterlassen. Der von Pep Guardiola 2013 vehement Geforderte ("Thiago oder nix") ist immer noch ein unerfülltes Versprechen. Zahlreiche Blessuren, darunter eine schwere Knieverletzung im Oktober 2014, bremsten Thiago immer wieder aus.

Doch auch wenn er über einen längeren Zeitraum verletzungsfrei blieb, konnte er die an ihn gestellten Erwartungen selten erfüllen. Sein größte Manko: Thiago ist zwar eine Passmaschine, doch an die Effizienz zum Beispiel eines James kommt er nicht heran. Zu oft stirbt sein Spiel in Schönheit. 

Nach SPORT1-Informationen ist Thiago daher der erste Wechselkandidat - zumal er mit einem Bruttogehalt von zwölf Millionen Euro auch einer der teuersten Spieler im Kader ist. 

Das Hauptproblem dürfte seine hohe Ablöse sein. Für den spanischen Nationalspieler, dessen Vertrag noch bis 2021 läuft, sind über 50 Millionen Euro fällig. 

2. Arturo Vidal

Der chilenische "Krieger" hat in seinen drei Jahren beim FC Bayern durchaus überzeugt. In wichtigen Spielen ging Vidal voran und war kämpferisch ein absolutes Vorbild, wenngleich er oftmals zu ungestüm agierte.

Zudem gilt der neue Trainer Niko Kovac als Fan solcher Spielertypen wie Vidal. Bereits bei Eintracht Frankfurt hatte der Coach mit Kevin-Prince Boateng einen ähnlichen Kämpfer in seinen Reihen - und trieb ihn zur Hochform.

Warum also sollten die FCB-Bosse auf die Idee kommen, den 31-Jährigen zu verkaufen? Zum einen, weil sein Kontrakt in München nur noch bis 2019 läuft und es für die Bayern die letzte Gelegenheit ist, in diesem Sommer eine Ablöse einzustreichen. 

Für einen Wechsel spricht zudem Vidals Verletzungshistorie. Aktuell ist er nach einer Außenmeniskus-Operation im rechten Knie im Aufbautraining.

Nach SPORT1-Informationen beschäftigt sich vor allem Atletico Madrid mit Vidal. Sein Gehalt liegt bei rund zehn Millionen Euro brutto im Jahr.  

3. Renato Sanches

Nach der weniger erfolgreichen Leihzeit bei Premier-League-Absteiger Swansea hat sich Kovac des Bayern-Sorgenkindes angenommen. Dem neuen Trainer wird zugetraut, den Portugiesen wieder in die Spur zu bringen.

Bei seiner Vorstellung sagte Kovac über den Europameister von 2016: "Ich werde versuchen, ihn zu formen. Ich freue mich auf ihn. Er hat Fähigkeiten, die man in der Bundesliga nicht alltäglich sieht. Ich hoffe, dass er den Kampf annimmt und hier letztlich einschlägt."

Als unlängst Gerüchte aufkamen, Sanches könne noch einmal verliehen werden, wiegelte Karl-Heinz Rummenigge ab und stellte klar, dass der 20-Jährige an der Säbener Straße bleibe.

Gesetz ist das aber noch nicht. Sollten Thiago und/oder Vidal keinen neuen Verein finden, wäre Sanches nicht unverkäuflich.

Allerdings würden die Bayern den Mittelfeldspieler, dessen Vertrag noch bis 2021 datiert ist, wohl nicht unter 30 Millionen Euro verkaufen. Sein aktuelles Gehalt beläuft sich auf rund drei Millionen Euro brutto im Jahr.   

4. Sebastian Rudy

Der frühere Hoffenheimer, dessen Vertrag bis 2020 läuft, gilt als zuverlässiger Spieler, der sich im Team unterordnet. 

Rudy selbst hatte bereits im Frühjahr bei SPORT1 klar gestellt, dass ein Abgang für ihn nicht in Frage kommt. "Ich weiß nicht, wie die Leute auf so etwas kommen. Das ist gar kein Thema für mich." Damals waren Gerüchte über einen Wechsel nach Stuttgart aufgekommen.

Dennoch: Stimmt das Angebot und passt der potenzielle neue Verein auch zu Rudys Zukunftsplanungen, ist ein Wechsel des deutschen Nationalspielers nicht unwahrscheinlich. Rudy spielte in seiner ersten Bayern-Saison zwar solide, über den Status des Ergänzungsspielers kam der im Team beliebte 28-Jährige jedoch nicht hinaus. 

5. Javi Martinez, Corentin Tolisso, James Rodriguez, Joshua Kimmich

Fest im Bayern-Mittelfeld eingeplant sind Javi Martinez und Corentin Tolisso.

Martinez hat in den vergangenen Jahren gezeigt, dass auf ihn in Top-Spielen Verlass ist. Zudem kann der kopfballstarke Sechser auch in der Innenverteidigung spielen. Allerdings häufen sich die Verletzungen, am Dienstag zog er sich eine leichte Knieblessur zu. Tolisso, der nach gewonnenem WM-Titel mit breiter Brust aus dem Urlaub zurückkommen wird, greift ebenfalls nach einem Stammplatz.

Die Gerüchte, James könnte zurück zu Real wechseln, hatten sich zwischenzeitlich nahezu in Luft aufgelöst, bekamen am Dienstagabend durch einen Bericht der Marca aber neue Nahrung. 

Demnach sucht der FC Bayern bereits einen Nachfolger für den Kolumbianer. James' Berater Jorge Mendes befinde sich bereits in Verhandlungen mit den Münchnern, um die zweijährige Leihe vorzeitig aufzulösen.

Fakt ist: Die Bayern haben das Heft des Handelns selbst in der Hand und werden den Nationalspieler nach dessen überzeugenden Leistungen in der ersten Saison höchstwahrscheinlich nicht abgeben. James gilt im Kader als einer der wenigen Spieler, die den Unterschied ausmachen können.

Die Bayern haben bereits bei Robert Lewandowski bewiesen, dass sie hart bleiben wollen und können. Zum jetzigen Zeitpunkt ist mit großer Sicherheit davon auszugehen, dass James in München bleibt.

Perspektivisch möchte auch Stammspieler Joshua Kimmich von Rechtsaußen in die Mitte ziehen. Bis dahin dürfte das Münchner Mittelfeld aber deutlich weniger bevölkert sein.