München - Wie kann Juventus den Ronaldo-Deal stemmen? Wie könnte Italiens Rekordmeister mit CR7 spielen? Und was würde der Deal für die Serie A bedeuten? SPORT1 gibt Antworten.

von Kerry Hau

Italien steht Kopf. "Der Transfer des Jahrhunderts" nimmt Gestalt an: Cristiano Ronaldo könnte nach neun Jahren bei Real Madrid zu Juventus Turin wechseln. Nach SPORT1-Informationen liegt den Madrilenen zwar noch kein offizielles Angebot der "Alten Dame" vor. Allerdings verdichten sich die Anzeichen, dass dieses in Kürze erfolgt.

Der fünfmalige Weltfußballer soll sich mit Juve schon über einen Vierjahresvertrag einig sein, der ihm pro Jahr 30 Millionen Euro einbringt. So weit, so gut. Beide Vereine haben sich aber noch nicht geeinigt. Das bestätigte Ronaldos Berater Jorge Mendes der portugiesischen Zeitung Record. Er sagte aber auch: "Wenn es passiert, wäre es eine neue Bühne und eine neue Herausforderung in seiner brillanten Karriere." Und: "Wenn Cristiano Ronaldo Real Madrid verlässt, wäre er dem Klub, dem Präsidenten, dem Management (...) und allen Madridistas ewig dankbar."  

Aber wie will Juve diesen Sensationsdeal überhaupt auf die Beine stellen? Schließlich muss der italienische Serienmeister neben den üppigen Gehaltskosten auch noch eine stattliche Ablösesumme für Ronaldo locker machen.

In den spanischen Medien ist aktuell von 100 Millionen Euro die Rede. Dass die Madrilenen ihren Rekordtorschützen aber tatsächlich zu diesem Preis ziehen lassen, darf bezweifelt werden. Vor dem Hintergrund, dass Juve in diesem Sommer bereits knapp 105 Millionen Euro in Neuzugänge investiert hat, ist der finanzielle Spielraum auch wegen des Financial Fairplays gering.

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zu und rund um den Ronaldo-Deal.

Wie könnte Juve den Ronaldo-Deal stemmen?

Die Führungsriege der Bianconeri um Präsident Andrea Agnelli, Vizepräsident Pavel Nedved und Geschäftsführer Giuseppe Marotta kennt sich mit großen Geschäften aus. 2016 verpflichtete Juve den argentinischen Torjäger Gonzalo Higuain für 90 Millionen Euro vom Ligakonkurrenten SSC Neapel. Allerdings hatte der Klub vorher auch Paul Pogba für 105 Millionen Euro an Manchester United verkauft.

Agnelli und Co. sind nicht für waghalsige Transfers bekannt. Ganz im Gegenteil: eher für gesunde, sinnvolle Transfers. Oft sichern sie sich sogar Spieler zum Nulltarif. Zum Beispiel Sami Khedira, der 2015 aus Madrid kam. Oder Emre Can, den Liverpools Trainer Jürgen Klopp vergeblich von einer Vertragsverlängerung zu überzeugen versuchte.

Soll also heißen: Kommt Ronaldo tatsächlich, muss Juve mit dem einen oder anderen Star Kasse machen, um nicht zu viel Geld zu verlieren. Als Verkaufskandidat gilt vor allem Higuain. Der FC Chelsea soll laut englischen Medien 60 Millionen Euro für den Mittelstürmer bieten. Sein Bruder und Berater Nicolas sah sich am Donnerstag allerdings genötigt, diesem Gerücht Wind aus den Segeln zu nehmen. "Gonzalo hat noch einen Dreijahresvertrag und fühlt sich bei Juve wohl. Ich habe mit keinem anderen Klub gesprochen", sagte er bei Sky Sports.

Welche Spieler könnte Juve außer Higuain noch für Ronaldo opfern?

Italienische Medien nennen die Ex-Bundesliga-Profis Mario Mandzukic und Marko Pjaca, aber auch Mittelfeld-Star Miralem Pjanic, der Begehrlichkeiten beim FC Barcelona weckt.

Am heißesten begehrt ist Paulo Dybala. Nahezu allen europäischen Spitzenklubs wurde schon Interesse an dem 24-jährigen Argentinier nachgesagt. Der technisch versierte Linksfuß gilt allerdings als unverkäuflich - und soll nach Ansicht der Juve-Bosse die neue Traum-Offensive mit Ronaldo bilden.

Für den Fall, dass Juve keine Einnahmen durch Spielerverkäufe erzielt, hat Juve-Boss Agnelli laut Premium Sport einen Plan B in der Hinterhand, um Ronaldos Jahresgehalt zu finanzieren. Als Vorstandsmitglied von Fiat würde Agnelli den italienischen Autoriesen zu einem externen Sponsor des Portugiesen ernennen.

Wie würde Juve mit Ronaldo spielen?

In Italien malen sie sich alle schon das Juventus der Ära CR7 aus. Nach Angaben der Gazzetta dello Sport hat sich Trainer Massimiliano Allegri schon mit Ronaldos Berater Jorge Mendes verständigt, sein System ganz nach dem Superstar auszurichten.

Ähnlich wie in Madrid soll Ronaldo weitgehend von Defensivaufgaben befreit sein und eine Mischung aus Stoß- und Außenstürmer darstellen, um seine Torjägerqualitäten bestmöglich in Szene zu setzen. Juve könnte nach Real-Vorbild im 4-3-2-1 spielen - möglicherweise sogar mit Can statt Khedira.

Welche Bedeutung hätte Ronaldos Transfer für die Serie A?

Ronaldo ist mit 33 Jahren zwar nicht mehr der Jüngste. Nach drei Champions-League-Siegen in Folge dürfte er seine besten Zeiten hinter sich haben. Trotzdem kann er sich als einer der erfolgreichsten Torschützen Europas und als Weltfußballer bezeichnen. Viel wichtiger aber noch: CR7 ist nach wie vor die bekannteste Marke der Fußballwelt. Er hat 122 Millionen Fans auf Facebook, über 133 Millionen Abonnenten auf Instagram und über 74 Millionen Follower auf Twitter. Zahlen, die weder Lionel Messi noch Neymar toppen können.

Klar ist: Mit einem Wechsel würde nicht nur Juve, sondern auch die seit geraumer Zeit an Imageproblemen leidende italienische Liga an riesiger Aufmerksamkeit und Bedeutung gewinnen. Die Serie A versucht seit Jahren vergeblich, in einem Atemzug mit den Top-Ligen aus England und Spanien genannt zu werden. Die verpasste WM-Qualifikation hat für einen zusätzlichen Rückschlag gesorgt.

"Es wäre eine sehr wichtige Sache für die Liga, wenn Ronaldo zu Juventus wechseln würde", sagt etwa der neue italienische Nationaltrainer Roberto Mancini. Er träumt schon davon, dass sich viele andere namhafte Kicker ein Beispiel an dem Portugiesen nehmen: "Es könnte der Anfang davon sein, zur Pracht von vor 15 Jahren zurückzukehren, als alle Spitzenspieler in der Serie A waren." Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg.

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