München - Juventus investiert 232 Millionen Euro in Cristiano Ronaldo. Die mächtige Firma Exor kann es sich leisten - und will umfassend vom neuen Star profitieren.

von Martin Hoffmann

112 Millionen Euro Ablöse. 120 Millionen Euro Gehalt. 232 Millionen Euro für einen 33 Jahre alten Fußballer.

Es ist Cristiano Ronaldo, natürlich. Aber trotzdem: Kann sich so eine Investition wirklich rechnen? Und wo nimmt Juventus das Geld für den Transfer des bisherigen Superstars von Real Madrid in Italiens Serie A überhaupt her?

"Eine globale Industriefusion"

Mit rein sportlichen Argumenten lässt sich Frage eins nicht beantworten, bei Ronaldo geht es um mehr.

"Eine Art globale Industriefusion" nennt die italienische Zeitung La Repubblica den Deal: Das Juve-Imperium mit dem Mutterkonzern Exor würde Ronaldo quasi "annektieren" - und mit ihm seinen gigantischen Geld- und Werbewert.

Exor (Jahresgewinn 1,4 Milliarden Euro) ist eine Investmentgesellschaft, die 63,77 Prozent der Anteile an Juve hält.

Bekannter als die Firma ist ihre Hauptgesellschafterfamilie, die Agnelllis, Herrscher über die Fiat-Gruppe. Und seit den 20er-Jahren eben auch mit Juve verbunden, im Moment ist der 42-jährige Andrea Agnelli Präsident der "Alten Dame".

Andrea Agnelli ist Juve-Präsident - und Nachfolger Karl-Heinz Rummenigges als Vorsitzender der ECA (European Club Association)
Andrea Agnelli ist Juve-Präsident - und Nachfolger Karl-Heinz Rummenigges als Vorsitzender der ECA (European Club Association) © Getty Images

Auto-Gigant will von Ronaldo profitieren

Mittlerweile ist das Agnelli-Imperium global verflochten. Fiat ist fusioniert mit dem US-Riesen Chrysler und Exor hält unter anderem auch Anteile an Ferrari, am Economist-Verlag und am Versicherungs-Unternehmen PartnerRe.

Ein so umtriebiges Unternehmen kann auf vielfache Weise von Ronaldo profitieren. Genau das erwarten auch die Aktionäre von Juve, die seit dem Ronaldo-Deal einen sprunghaften Wertanstieg ihrer Papiere verzeichnen konnten - während bei Fiat selbst wiederum Streiks angekündigt wurden, aus Verärgerung über das viele Geld, das für Ronaldo aus dem Unternehmen abgezogen wird.

Die Bosse sehen dagegen die Chancen der Investition, nicht nur auf direktem Wege, über Trikot- und Fanartikelverkäufe: Der Weltfußballer dürfte zum Werbegesicht der Exor-Marken werden. Das Wirtschaftsportal Bloomberg etwa ist sich sicher, dass Fiat Chrysler vor allem Juves Trikotsponsor Jeep mit Ronaldo weiter pushen will.

Die gigantische Fanbasis Ronaldos, gerade im spanisch- und portugiesischsprachigen Raum: alles auch potenzielle Autokäufer.

Ronaldos Web-Präsenz: eine riesige Werbefläche

Gerade Ronaldos Omnipräsenz in den sozialen Medien ist eine attraktive Werbefläche für die Exor-Firmen: Ronaldo hat 74,5 Millionen Follower auf Twitter, 123 Millionen auf Facebook, 134 Millionen auf Instagram. Viel mehr als Juve selbst (6, 33, 10).

Ein einziger Instagram-Post von Ronaldo, so errechnete das Unternehmen HopperHQ Ende 2017, sei für einen Sponsor rund 350.000 Euro wert.

Unter diesen Voraussetzungen hat Exor gute Aussichten, einen ordentlichen "Return on Investment" zu bekommen.

Und wenn Ronaldo Juve auch sportlich zu neuen Höhen führt - was dann auch die Geschäftsentwicklung befruchten würde - werden die Aussichten noch einmal deutlich besser werden.