Yannick Carrascos dubioser Winter-Transfer nach China wirft Fragen auf: Eine Rückkehr nach Europa bahnt sich an - zum FC Bayern?

von Ljubo Herceg

Kurz vor Transferschluss in China vermeldete Dalian Yifang die Verpflichtung Yannick Carrascos von Atletico Madrid. Eigentlich nichts Außergewöhnliches.

Auf den zweiten Blick aber verwundert die relativ niedrige Ablösesumme für den belgischen Nationalspieler.

Atletico lässt Juve und Bayern abblitzen

Denn im Oktober 2016 verlängerten die Colchoneros noch den Vertrag des Shooting Stars bis 2022 - mit einer festgeschriebenen Ablösesumme in Höhe von 100 Millionen Euro. Damit sollten Kaufinteressenten wie der FC Bayern, Arsenal und Juventus Turin abgeschreckt werden.

Kein Wunder, überzeugte Carrasco in der spanischen Hauptstadt auf Anhieb: Nach seinem 25-Millionen-Wechsel von Monaco im Sommer 2016 kam der damals 22-Jährige auf 43 Einsätze und verbuchte zehn Scorer-Punkte. 

In der darauffolgenden Saison wurde der neue Hoffnungsträger dann Stammspieler. Die AS berichtete 2017, Bayern sei mit einer Offerte von 60 Millionen Euro auf taube Ohren gestoßen. Auch Juves Tauschangebot für Carrasco, das Juan Cuarado plus Summe X beinhaltete, wurde dankend abgelehnt. Atletico bestand auf die 100-Millionen-Ausstiegsklausel. Punkt.

Fragwürdiger Carrasco-Deal geht unter

Winter 2018: Carrasco wechselt nach Dalian. In seinen Augen "boomt die chinesische Liga". Der Super-League-Aufsteiger schnappt sich den belgischen Flügelflitzer für 30 Millionen Euro. Diese Meldung geht in der Fußball-Welt fast unter: Pierre-Emerick Aubameyang, Philippe Coutinho und Michy Batshuayi bestimmen die Schlagzeilen.

Hellhörig wurde dagegen Joaquin Rodriguez von Onda Cero. Die abstruse Ablösesumme von "nur" 30 Millionen Euro machte ihn stutzig. Laut ihm sei der Wechsel des 24-Jährigen nur ein "Umweg zu Juventus". Dabei sei vermieden worden, "einen Erlös über 40 Millionen Euro zu erzielen, da ansonsten 25 Prozent der Ablöse an seinen Ex-Klub Monaco gegangen wären". Carrascos tatsächlicher Marktwert liegt aber laut Mundo Deportivo bei 70 bis 87 Millionen Euro.

Bei näherer Betrachtung stinkt dieser Deal bis zum Himmel. Marca schrieb, die "Wanda Group" habe im Hintergrund die Fäden gezogen. Der chinesische Konzern war bis vor Kurzem noch mit 17 Prozent Miteigentümer des Vereins. Laut Financial Times übernahm aber die "Quantum Pacific Group" deren Anteile für 50 Millionen Euro und besitzt nun insgesamt 32 Prozent an Atletico.

Wanda-Gruppe, Geldwäsche und Steuervorteile?

Schlagworte wie "Geldwäsche" und "Steuervorteile" geistern durch die spanischen Medien. Immerhin bleibt der Großanteil im Besitz von Miguel Angel Gil, dem Vorstandsvorsitzenden, und Enrique Cerezo, dem Klubpräsidenten von Atletico.

Das chinesische Unternehmen bleibt aber weiterhin Sponsor und Namensgeber des neues Stadions "Wanda Metropolitano" und will die "Marke Atletico Madrid in China weiterentwickeln". Im Zuge des Carrasco-Deals wurde kurzerhand auch sein Team-Kollege Nicolas Gaitan für 18 Millionen zu Dailan verschifft.

Welchen Nutzen die Madrilenen durch das "Verschenken" ihres Spielers haben, bleibt ein Rätsel. Der Vorteil der "Wanda Group" ist umso klarer: Dalian-Besitzer, Wanda-Boss und Multi-Milliardär Wang Jianlin hat mit Carrasco nun ein Aushängeschild für sein Lieblingsspielzeug gefunden und kann sofort im Meisterrennen mitmischen.

Laut Marca ist der Aufsteiger nun das wertvollste Team in der chinesischen Liga - Steigerung von 5,6 auf 66,6 Millionen Euro - noch vor dem siebenfachen Meister Guangzhou Evergrande (41,3 Millionen Euro).

Über China zurück nach Europa

Der belgische Nationalspieler dagegen will sich für die WM 2018 empfehlen, nachdem er zuletzt seinen Stammplatz verloren hat. "Ich will genauso wie Hulk, Lavezzi, Capello und natürlich mein guter Freund Axel Witsel meinen Teil zur Entwicklung des Fußballs in diesem Land beitragen", so Carrasco. Zehn Millionen Euro Gehalt versüßen ihm die Übergangszeit im Reich der Mitte.

Denn die spanischen Medien gehen felsenfest davon aus, dass der 24-Jährige nach der WM in Russland wieder nach Europa zurückkehren wird: Juve und Bayern haben Carrasco weiterhin auf dem Radar. Die astronomisch hohe Ausstiegsklausel stellt nun kein Hindernis mehr dar.

Der große Verlierer in diesem dubiosen Deal ist: Atletico Madrid, das mit lediglich 19 Profis - dem kleinsten Kader in Europas Top-5-Ligen - die Saison beenden muss.