© SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/Imago/iStock
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München - Der FC Bayern will sich mit "Granaten" verstärken. Für solche Transfers müsste der Rekordmeister aber schon bereit sein, in Sphären von Klubs aus England aufzusteigen.

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Führungsspieler wie Philipp Lahm und Xabi Alonso machen Schluss, Superstars wie Arjen Robben und Franck Ribery werden nicht jünger: Beim FC Bayern steht in diesem Sommer ein Umbruch an.

Die ersten Schritte sind bereits gemacht. Leihgabe Kingsley Coman wurde fest von Juventus Turin verpflichtet, mit den Hoffenheimern Niklas Süle und Sebastian Rudy sicherten sich die Münchner zudem zwei entwicklungsfähige Spieler für die Kaderbreite.

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Kostenpunkt: 41 Millionen Euro. Nur Peanuts im Vergleich zu dem, was der Rekordmeister für echte Kracher-Transfers ausgeben müsste. Für "Granaten", wie Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge sie nennen.

Kurswechsel unumgänglich

Die Bayern sträubten sich stets dagegen, Ablösesummen jenseits der 50 Millionen Euro und Jahressaläre von über 20 Millionen Euro zu bezahlen.

"Ich kann mir so eine Transfersumme bei Bayern nicht vorstellen. Das ist verrückt viel Geld", sagte etwa Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen im Oktober 2013, als Gareth Bale für 100 Millionen Euro von Tottenham Hotspur zu Real Madrid wechselte.

Ob Dreesen heute immer noch so denkt? Wohl kaum. Denn auch ihm dürfte klar sein: Wollen die Bayern die Qualität ihres in die Jahre gekommenen Teams anheben und weiterhin um die Champions League mitspielen, ist ein Kurswechsel unumgänglich.

Die Preise auf dem Markt schießen schon Anfang Juni exorbitant in die Höhe. Selbst durchschnittliche Spieler übertreffen den bislang teuersten Bayern-Transfer (40 Millionen Euro für Javi Martinez) um ein Vielfaches. 

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Das wissen auch die Bosse. "Das Problem ist, dass wir uns auf einem Markt bewegen auf dem Summen gezahlt werden, die wir nicht für möglich gehalten haben", sagte Hoeneß zuletzt dem Bayrischen Rundfunk - und deutete im ZDF-Sportstudio an: "Vielleicht wird es etwas geben, was es beim FC Bayern bisher noch nicht gegeben hat."

Womöglich auch einen 100-Millionen-Transfer?

Manchester-Klubs auf Shoppingtour

Um ein bis zwei Kracher-Transfers zu stemmen, müssten die Münchner schon bereit sein, in die Sphären von Klubs wie Manchester City oder Manchester United aufzusteigen.

City gab 2015 und 2016 jeweils über 200 Millionen Euro für neue Stars aus. In diesem Sommer stehen dem früheren Bayern-Coach Pep Guardiola sogar 300 Millionen Euro zur Verfügung. Nach den Verpflichtungen von Bernardo Silva (AS Monaco) und Ederson (Benfica Lissabon) ist bereits ein Drittel davon weg. 

United ging in den letzten drei Jahren für insgesamt 450 Millionen Euro shoppen. In diesem Jahr will Teammanager Jose Mourinho auch wieder tief in die Tasche greifen.

Die Münchner kommen angesichts des internationalen Wettbewerbsdrucks einfach nicht umhin, finanziell an die Schmerzgrenze zu gehen. 

Das Eigenkapital des Klubs beträgt rund 412 Millionen Euro, auf dem Festgeldkonto liegen fast 200 Millionen. Damit lässt sich auch ein Transfer der Kategorie Alexis Sanchez stemmen. 

25 Millionen Euro Gehalt für Sanchez?

Die Bayern sind wie viele Top-Klubs aus Europa nach wie vor stark an dem chilenischen Offensiv-Star des FC Arsenal interessiert. 

Wie der kicker berichtet, erwägen sie sogar, dessen Gehaltsforderungen von 25 Millionen Euro pro Jahr nachzugehen. Sanchez wäre mit Abstand der Bestverdiener - vor Robert Lewandowski, der 15 Millionen einstreicht.

Hinzu käme eine üppige Ablöse. Da Sanchez' Vertrag 2018 ausläuft und er gerne wechseln würde, wäre Arsenal sicherlich nicht abgeneigt, ihn ziehen zu lassen - vorausgesetzt, das Angebot stimmt. Das müsste wohl mindestens 80 Millionen Euro betragen.

Ein zweiter Transfer dieser Größenordnung wäre wohl kaum realisierbar. Die Bayern haben weder einen Investor wie die Manchester-Klubs, noch stellen lukrative Verkäufe von Leistungsträgern für sie eine Option dar.

Auch deshalb beschäftigen sich Hoeneß, Rummenigge und Co. nicht mehr mit Namen wie Marco Verratti (Paris Saint-Germain) oder Romelu Lukaku (FC Everton).

Zudem ist, wie zuletzt von der italienischen Zeitung Corriere dello Sport berichtet, unwahrscheinlich, dass der FCB ein 300-Millionen-Euro-Paket für das Quartett Adrien Rabiot (Paris Saint-Germain), Piotr Zielinski (SSC Neapel), Andrea Conti (Atalanta Bergamo) und Federico Chiesa (AC Florenz) schnürt.

Auf der Suche nach der gesunden Mischung

Selbst Klubs wie der FC Barcelona oder Real Madrid haben in den vergangenen Jahren auf wahnwitzige Transfer-Offensiven verzichtet.

Barca muss mittlerweile derart viel für Gehälter zahlen, dass große Neuverpflichtungen kaum infrage kommen. In diesem Sommer wollen die Katalanen maximal 80 Millionen Euro ausgeben und einige Altlasten loswerden.

Real startete zuletzt vor acht Jahren eine Transfer-Offensive. Damals gab der Klub 250 Millionen Euro für "Galacticos" wie Cristiano Ronaldo, Kaka oder Karim Benzema aus. Seitdem holte er aber meist nur einen Superstar pro Saison und verkaufte dafür auch andere Top-Spieler wie Mesut Özil, Gonzalo Higuain oder Angel Di Maria gewinnbringend.

Vielmehr tätigte der Champions-League-Sieger zuletzt kleinere Transfers und baute auf die eigene Jugend. Als Paradebeispiele gelten Dani Carvajal, Alvaro Morata und Marco Asensio, die mehr als nur Ergänzungen im Starensemble von Zinedine Zidane darstellen.

Nach dieser gesunden Mischung sucht auch der FC Bayern. "Es wird sicherlich einen Mix geben zwischen erfahrenen Spielern und Spielern mit Zukunft", kündigte Hoeneß an, "und das herauszufinden, wird die Kunst sein."