© SPORT1-Grafik: Eugen Zimmermann/Getty Images
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München - Schon vor dem Beginn der Transferperiode steigen selbst die Preise für durchschnittliche Spieler ins Unermessliche. Das kann auch für den FC Bayern zum Problem werden.

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Kennen Sie eigentlich Virgil van Dijk? 

Kein Problem, das müssen Sie auch nicht. Van Dijk spielt beim englischen Erstligisten FC Southampton in der Innenverteidigung, ist 25 Jahre alt und hat ganze zwölf Länderspiele für die Niederlande auf dem Buckel.

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Was Sie allerdings wissen sollten: Der FC Liverpool mit dem deutschen Teammanager Jürgen Klopp war drauf und dran, für van Dijk eine vereinsinterne Rekordsumme von umgerechnet 69 Millionen Euro auszugeben.

Der Deal platzte, weil die Reds Kontakt mit dem Spieler aufgenommen hatten, ohne Southampton darüber zu informieren. Allerdings belegt der Fall van Dijk, dass die Preise für Spieler schon Anfang Juni exorbitant in die Höhe schießen.

Diese Entwicklung kommt insbesondere Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge, die den FC Bayern zur neuen Saison mit "Granaten" verstärken wollen, kaum gelegen.

Mondpreise für No-Names und Youngsters

Vor kurzem verpflichtete Pep Guardiolas Klub Manchester City den brasilianischen Keeper Ederson von Benfica Lissabon für 40 Millionen Euro. Er ist teurer als Welttorhüter Manuel Neuer.

Champions-League-Sieger Real Madrid legte mal eben eine ähnliche Summe für einen 16 (!) Jahre alten Landsmann von Ederson auf den Tisch.

Vinicius Junior ist der Name des teuersten Fußball-Teenagers der Welt, er trägt eine Zahnspange und hat für seinen Noch-Arbeitgeber Flamengo Rio de Janeiro bis dato nur acht Erstliga-Minuten bestritten.

Real könnte demnächst mit der Verpflichtung von Kylian Mbappe noch einen draufsetzen. Der 18-jährige Shootingstar der AS Monaco soll den Königlichen angeblich 130 Millionen Euro wert sein.

TV-Gelder beeinflussen Transfermarkt

Der Markt droht zu explodieren. Und damit auch die von Hoeneß und Rummenigge angekündigten "Granaten".

Wenn schon durchschnittliche Spieler wie Virgil van Dijk knapp 70 Millionen Euro kosten sollen, wie teuer wären dann Superstars wie Marco Verratti, Alexis Sanchez oder Romelu Lukaku?

Verratti ist für Paris Saint-Germain ohnehin unverkäuflich. Sanchez (FC Arsenal) und Lukaku (FC Everton) spielen beide in der Premier League. In dieser Liga nehmen allein die Absteiger mehr Geld durch TV-Rechte ein als die Bayern.

Schlusslicht FC Sunderland kassierte in der abgelaufenen Saison 107 Millionen Euro, die Münchner dagegen 74.

Ein fast drei Milliarden schwerer Vertrag des englischen Verbandes FA mit den TV-Riesen British Telecommunications und Sky macht's möglich.

Nur Chelsea will sich Lukaku leisten

Andererseits: Das Festgeldkonto der Bayern ist prall gefüllt. Sie könnten sich Spieler wie Sanchez oder Lukaku durchaus leisten.

Aber es sieht nicht danach aus, als würden sie auf Teufel komm' raus das irre Wettbieten der Engländer und Spanier mitmachen.

Lukaku steht vor einer Rückkehr zum FC Chelsea. Die Blues sollen als einziger Klub gewillt sein, die von Everton geforderten 115 Millionen Euro zu zahlen.

Eine zu hohe Summe für den Rekordmeister, zumal Lukaku anders als Sanchez nur für eine Position - die des Neuners - infrage käme.

Pokert Wenger bei Sanchez?

Der Chilene bleibt wohl auch deshalb weiter ein Thema an der Isar. Doch Arsenal-Coach Arsene Wenger sträubt sich gegen einen Verkauf seines Torjägers und hofft weiter darauf, dessen 2018 auslaufenden Vertrag zeitnah zu verlängern.

Gut möglich, dass Wenger mit seinen Worten "Sanchez bleibt hier", auch nur den Preis für den 28-Jährigen in die Höhe treiben will.

Das Interesse anderer Spitzenklubs wie Manchester City, Paris Saint-Germain und Juventus Turin gibt den Gunners die Möglichkeit zu pokern.

Wenn die Bayern ihren Wunschspieler wirklich wollen, müssen sie wohl oder übel tief in die Tasche greifen. Weitaus tiefer als für den bisherigen Rekordtransfer Javi Martinez, der 2012 für 40 Millionen Euro von Athletic Bilbao kam. 

Den aktuellen Entwicklungen zufolge müsste Martinez wohl ohnehin mindestens das Doppelte seines damaligen Preises kosten.