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München - "Granaten" stellte Uli Hoeneß in Aussicht - es kamen Gnabry, Süle und Rudy. Die bisherigen Transfers der Bayern lassen ein Muster erkennen.

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Mit einem Satz hat Uli Hoeneß den Kurs für den Transfersommer beim FC Bayern vorgegeben.

"Wir haben einen Kader, wenn man den verstärken will, muss man schon ziemliche Granaten kaufen", sprach der Präsident.

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Granaten sollen es also sein. Geholt wurden bisher Serge Gnabry, Niklas Süle und Sebastian Rudy.

Machen diese Transfers Sinn für den Rekordmeister? Und wer steckt hinter den Deals?

Die drei fixen Bayern-Neuzugänge sind Spieler für unterschiedliche Positionen, doch ein Muster ist durchaus erkennbar.

Hoeneß lässt alten Traum aufleben

Alle drei waren bei ihren bisherigen Vereinen Bremen und Hoffenheim Leistungsträger, alle gehören zum erweiterten Kader der deutschen Nationalmannschaft.

Als Bayern-Profis könnten sie im DFB-Team auch zu Stammspielern werden. Damit könnte Hoeneß' alter Traum vom "FC Bayern Deutschland" wieder aufleben. Vor seiner Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung sprach Hoeneß oft von seiner Vision, dass beim FCB deutsche Nationalspieler das Gerüst der Mannschaft bilden sollten.

Während seiner haftbedingten Abwesenheit verpflichteten Karl-Heinz Rummenigge und Co. dann vermehrt ausländische Spieler wie Douglas Costa, Arturo Vidal, Xabi Alonso, Kingsley Coman oder Medhi Benatia.

Der aktuelle Fokus auf deutsche Nationalspieler lässt stark vermuten, dass Hoeneß bei der Transferplanung nun wieder kräftig mitmischt.

Guter Preis für drei Nationalspieler

Selbstverständlich in Zusammenarbeit mit Kaderplaner Michael Reschke, der Spieler oft langfristig beobachtet und die Deals geduldig einfädelt.

So exemplarisch geschehen bei Youngster Gnabry, mit dem man wohl bereits vor seinem Wechsel vom FC Arsenal nach Bremen in engem Kontakt stand - um jetzt letztendlich die Ausstiegsklausel in Höhe von rund acht Millionen Euro zu ziehen.

Innenverteidiger Süle (21) kostete rund 20 Millionen, Allrounder Rudy (26) kam sogar ablösefrei. Circa 28 Millionen Ablöse für drei deutsche Nationalspieler? Das ist ein guter Preis.

Auch dieser Aspekt lässt Hoeneß' Handschrift erkennen. Hatte er doch erst kürzlich bemängelt, das Problem sei, "dass wir uns auf einem Markt bewegen, auf dem über Summen diskutiert und Summen bezahlt werden, die wir nicht für möglich gehalten haben."

Sanchez könnte zu teuer sein

Die bisherigen Transfers der Bayern können also durchaus als smarte Antwort auf den derzeit überhitzen Transfermarkt gelesen werden.

Ein Markt, auf dem Akteure wie Bayerns angeblicher Wunschspieler Alexis Sanchez bis zu 60 Millionen Euro Ablöse kosten - bei nur noch einem Jahr Vertragslaufzeit. Und ein Jahresgehalt von 22 Millionen Euro verlangen. Qualität hat ihren Preis. Der Chilene soll auch eher zu einem Wechsel zu Manchester City tendieren.

Wie der Mirror berichtet, stehen die Chancen der Bayern dennoch nicht schlecht, da Gunners-Coach Arsene Wenger ungern einen direkten Liga-Konkurrenten stärken will.

Ein Sanchez im Sturm könnte Bayerns Offensive eine ganz neue Durchschlagskraft verleihen.

Helfen Gnabry und Co. sofort weiter?

Ob die drei bisher fixen Neuzugänge den FC Bayern sportlich sofort weiterbringen werden, ist dagegen fraglich.

Man muss bedenken: Ein Spieler des Kalibers Robert Lewandowski wechselte einst von Borussia Dortmund zum FC Bayern, weil er mit Teamkollegen auf Weltklasse-Niveau um den Champions-League-Titel mitspielen wollte.

Namen wie Gnabry, Süle oder Rudy dagegen hätte man sich auch auf der Einkaufsliste des BVB vorstellen können.

Bei Real Madrid wird man auch nicht gerade ins Zittern geraten, wenn man sie auf dem gegnerischen Spielberichtsbogen liest. Beim FC Bayern will man sich jedoch nun mal mit den Königlichen messen.

Heißer Draht zu Verratti

Dafür wurde auch Trainer Carlo Ancelotti geholt. Dem Italiener wird nachgesagt, dass er am besten mit Superstars auf der Höhe ihres Könnens arbeiten kann. Und nicht mit Perspektivspielern.

Bei Paris Saint-Germain arbeitete er erfolgreich mit Top-Mann Marco Verratti zusammen. Der 24-Jährige könnte der ideale Nachfolger für Xabi Alonso im Münchner Mittelfeld werden.

Laut der französischen L'Equipe soll Verratti bei PSG bereits um seine Freigabe gebeten haben. 

Verratti soll in Kontakt mit seinem alten Förderer Ancelotti stehen, die beiden italienischen Landsmänner telefonieren angeblich regelmäßig.

Vielleicht kümmert sich Ancelotti im Hintergrund ja schon längst selbst um seine neue "Granate".