Julia Görges (M.) tritt überraschend zurück. Löst sie damit eine Welle im deutschen Tennis aus?
Julia Görges (M.) tritt überraschend zurück. Löst sie damit eine Welle im deutschen Tennis aus? © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Imago/Getty Images/iStock
Lesedauer: 6 Minuten

München - Der Rücktritt von Julia Görges wirft Fragen zur Zukunft des deutschen Damen-Tennis auf. Was machen Kerber, Petkovic und Co.? SPORT1 erklärt, wie es dahinter aussieht.

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Den Abschied von Julia Görges aus dem Tennis-Zirkus empfinden viele Spielerinnen als großen Verlust für die WTA-Tour.

Das zeigen die zahlreichen Reaktionen in den Sozialen Medien, die nicht nur von ihren deutschen Kolleginnen, sondern auch von internationalen Topstars wie Ashleigh Barty, Simona Halep und Karolina Pliskova kamen.

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Am meisten wird Görges aber dem Deutschen Tennis-Bund (DTB) fehlen. Denn auch wenn die 31-Jährige in ihrer Karriere "nur" ein Major-Halbfinale erreichte, hatten sie bis zuletzt viele auf der Rechnung, wenn nach dem sogenannten "Dark Horse" vor Grand Slams gesucht wurde.

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Damit ist es nun vorbei. "Ich habe immer gewusst, dass ich es fühlen werde, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, zu Dir Tschüss zu sagen - der Moment ist da", verabschiedete sich Görges in einem emotionalen Statement vom Tennissport.

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Petkovic verschiebt Karrierende wegen Corona

Dass Görges die erste Spielerin sein würde, die aus der sogenannten Goldenen Generation um Angelique Kerber zurücktritt, hatten wohl die wenigsten erwartet. In absehbarer Zeit wird aber auch der Rest folgen, denn von den aktuellen deutschen Top-100-Spielerinnen Kerber, Laura Siegemund und Andrea Pektovic ist die 32-jährige Siegemund die jüngste.

Bei Petkovic, die sich parallel bereits eine Karriere als Journalistin aufgebaut und vor kurzem ihr erstes Buch rausgebracht hat, stand das Karriereende ebenfalls nach dieser Saison im Raum - aufgrund der Corona-Pandemie verschiebt die 33-Jährige dieses jedoch. 

Kerber hielt sich bisher stets bedeckt, was ihr Karriereende angeht. Ihre Leistung bei der Erstrundenniederlage bei den French Open zuletzt hatte sogar Barbara Rittner, Head of Women's Tennis beim Deutschen Tennis Bund, rätseln lassen.

"Ich bin ein bisschen schockiert, aufgrund der klaren Niederlage", sagte Rittner nach der Partie, nachdem sie bereits in ihrem Live-Kommentar für Eurosport verwundert festgestellt hatte: "Sie hat überhaupt kein Konzept, wie sie zum Punktgewinn kommen soll."

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Kerber und Siegemund noch motiviert

Dennoch ist ein plötzliches Karriereende von Kerber unwahrscheinlich. Deutschlands Nummer 1 wird mindestens einmal beim neuen Rasen-Turnier in Bad Homburg antreten wollen, bei dem sie an der Organisation beteiligt ist und nach dpa-Informationen nach ihrem Karriereende sogar Turnierdirektorin werden soll.

Siegemund hat derweil mit dem Viertelfinale bei den French Open aufhorchen lassen und ist dafür bekannt, unbeirrt ihren Weg zu gehen und sich auch nicht von Debatten rund um ihre sportliche Fairness aus dem Konzept bringen zu lassen. Vor ihrem Paris-Auftritt hatte sie bereits mit dem US-Open-Titel im Doppel geglänzt.

Angesichts ihrer guten Form und ihres Verletzungspechs mit dem Kreuzbandriss 2017, der sie lange aus der Bahn warf, wird Siegemund sicher so lang wie möglich weiterspielen wollen. Ob sie im Einzel aber auch außerhalb der Sand-Turniere Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten.

Der verzweifelte Kampf von Lisicki

Fehlt noch eine aus der Goldenen Generation, die es als einzige Spielerin neben Kerber in mindestens ein Grand-Slam-Endspiel schaffte: Sabine Lisicki. Die inzwischen 31-Jährige ist nach vielen Rückschlägen und Verletzungen beinahe komplett von der Bildfläche verschwunden. Aktuell liegt sie auf Rang 689.

Dennoch kämpft sie weiter tapfer um ihre Chance, wofür ihr Rittner bereits 2019 im Gespräch mit SPORT1 großen Respekt zollte: "Sabine Lisicki versucht mit Leib und Seele zurückzukommen, obwohl sie so weit abgerutscht ist. Sie investiert trotzdem und verlässt ihre Komfortzone, um gut zu trainieren."

Lisicki selbst wollte auf SPORT1-Nachfrage damals von einem Karriereende ebenfalls nicht wissen: "Die Leidenschaft ist da. Und solange die vorhanden ist, werde ich weiterkämpfen."

Die aktuelle Corona-Situation verbunden mit den Reisebestimmungen und ihrer niedrigen Ranglisten-Position, welche ihr oft den Zutritt zu den wenigen stattfindenden Turnieren verwehrt, erschwert ihren Kampf allerdings zusätzlich. 

Was ist mit Witthöft, Beck und Co.?

Bleibt die Frage, was hinter der Goldenen Generation nachkommt. Gerade im Alter zwischen 20 und 30 Jahren fehlen dem deutschen Tennis Optionen.

Dabei wurden Carina Witthöft (25), Annika Beck (26) und Dinah Pfizenmaier (28) nach starken Ergebnissen in der Jugend große Tennis-Karrieren prophezeit. Doch nun findet sich keine der drei Spielerinnen mehr in der Weltrangliste.

Während Beck und Pfizenmaier aufgrund vieler Verletzungsproblem ihre Karrieren beendet haben, nahm Witthöft sich eine Auszeit auf unbestimmte Zeit. Ob sie noch einmal ein Tennis-Comeback startet, wollte sie sich auch in einer Mai-Aufgabe des Podcasts "Advantage" weiter offenhalten.

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Friedsam als größte Hoffnung

In der Region außerhalb der Top 100 findet man mit Anna-Lena Friedsam (26 Jahre), Tamara Korpatsch (25) und Antonia Lottner (24) drei Spielerinnen, die wohl bald ins Rampenlicht rücken werden. Ob eine in die Fußstapfen der Goldenen Generation treten kann, ist ungewiss.

Lottner galt lange als großes Talent, die aber zumindest bisher auf ihren Durchbruch auf der WTA-Tour wartet. Die von Verletzungen geplagte Friedsam kehrte 2019 auf die Tour zurück und begeisterte dabei vor allem Petkovic.

"Anna-Lena ist ein wahnsinnig großes Talent. Heute kommst du ohne Waffen im Profi-Tennis nicht mehr weit. Du musst etwas Besonderes haben - und ich finde, Anna-Lena hat das", schwärmte Petkovic damals auf SPORT1-Nachfrage.

Vecic glänzt bei Junioren-Grand-Slams

Auf eine wie Iga Swiatek, Sofia Kenin oder Bianca Andreescu, die alle bereits in jungen Jahren ihren ersten Grand-Slam-Titel gewonnen haben, muss Tennis-Deutschland allerdings wohl noch länger warten.

Am weitesten ist die 18-jährige Alexandra Vecic, die 2020 bereits bei den Juniorinnen-Grand-Slams überzeugte. Nachdem sie bei den Australian Open das Halbfinale erreicht hatte, schaffte sie es bei den French Open immerhin ins Viertelfinale.

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Auch Rittner zeigte sich bereits 2019 begeistert von Vecic: "Die weiß, was sie will, ist ein ganz fleißiges Mädchen - und von dieser Art haben wir einige."

Bis diese so weit sind, wird es aber noch eine Weile dauern. Der DTB kann daher nur hoffen, dass sich die restlichen Spielerinnen der Goldenen Generation mit dem Karriereende mehr Zeit lassen als Görges.