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München und Melbourne - Aslan Karatsev erlebt bei den Australian Open ein Märchen. Nicht nur Gegner Djokovic weiß fast nichts über ihn. Der Russe lernte Tennis auch in Deutschland.

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Einen Rekord wird Aslan Karatsev wohl so schnell keiner nehmen. (SERVICE: Alles zum Tennis)

Am 11. Januar bestritt der Russe sein erstes Qualifying-Match für die Australian Open. Dieses wurde aufgrund der Corona-Pandemie zwar in Doha ausgetragen, zählte aber bereits zum ersten Grand Slam des Jahres.

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Mehr als fünf Wochen später spielt Karatsev noch immer beim gleichen Turnier mit, weil er down under sensationell bis ins Halbfinale vorgestoßen ist.

Der neue Tennis-Podcast "Cross Court" ist ab sofort auf podcast.sport1.de, in der SPORT1 App sowie auf den gängigen Streaming-Plattformen SpotifyApple PodcastsGoogle PodcastAmazon MusicDeezer und Podigee abrufbar

Ein Kunststück, das nie zuvor in der Geschichte des Profitennis (Open Era) einem männlichen Tennisspieler beim Debüt gelungen. Zudem ist Karatsev erst der fünfte Qualifikant imn einem Grand-Slam-Herren-Halbfinale.

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Karatsev vor Duell mit Djokovic

Vor einem Jahr wäre das noch unmöglich gewesen. Damals stand der inzwischen 27-Jährige noch auf Weltranglistenplatz 292 und konnte nicht einmal an der Qualifikation für die Australian Open teilnehmen.

Nun ist dem Mann der wenigen Worte ein Platz unter den Top 50 garantiert - und er bekommt es im Halbfinale mit der größten Herausforderung in der Geschichte des Turniers in Melbourne zu tun: Novak Djokovic. (Do., ab 9.30 Uhr im LIVETICKER

Doch wer Karatsev während des ersten Grand Slams des Jahres verfolgt hat, wird wenig Bedenken haben, dass er vor Ehrfurcht erstarren wird angesichts des achtmaligen Champions Djokovic. (Die ATP-Weltrangliste)

"Ich versuche, den Moment zu genießen und nicht zu viel darüber nachzudenken. Ich spiele einfach Runde für Runde", sagt Karatsev, der auch im neuen Tennis-Podcast "Cross Court" Thema ist.

Karatsev antwortet ungern auf Fragen

Auf dem Tennisplatz präsentiert sich Karatsev bisher stets bis in die Haarspitzen motiviert und ballt nach Punktgewinnen die Faust - außerhalb könnte er kaum ruhiger sein und macht den Journalisten bei Pressekonferenzen mit der einen oder anderen Kurz-Antwort das Leben schwer.

Auf die Frage zur Partie gegen Felix Auger-Aliassime, wie er sich nach einem 0:2-Satzrückstand neu gepusht habe, weil er danach mehr Energie auf dem Platz zeigte, entgegnete Karatsev trocken: "Ich bin nur aufs Klo gegangen."

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War das Medien-Interesse an seiner Person zunächst noch überschaubar, änderte sich das spätestens nach seiner Viertelfinal-Partie gegen Grigor Dimitrov, den er in vier Sätzen bezwang.

Mit dem Halbfinal-Einzug wollten dann plötzlich alle etwas von Karatsev wissen - und ein Reporter fragte dabei gar: "Es soll nicht respektlos klingen, aber wer sind Sie und wo kommen Sie her? Wir wissen so wenig über Sie."

Karatsev lernt auch in Deutschland Tennis

Also sprach Karatsev, der von den verbliebenen Teilnehmern die schnellsten Vorhand- und Rückhandschläge spielt, für seine Verhältnisse sogar ziemlich ausführlich über sein bisheriges Leben.

Geboren in Vladikavkaz, zog der Russe mit seiner Familie bereits im Alter von drei Jahren nach Israel. Dort lernte er Tennisspielen, ehe Karatsev als 12-Jähriger mit seinem Vater zurück nach Russland ging und dort mit Dmitry Tursunov das Training aufnahm. (SERVICE: Der Turnierkalender im Tennis)

Über den damalige Profi verschlug es den 1,85 Meter großen Rechtshänder nach Halle in Westfalen, um dort zwei Jahre lang an seinem Spiel zu feilen. Anschließend ging es weiter nach Barcelona, die vergangenen drei Jahre wiederum verbrachte Karatsev in Minsk.

Seine dortige Zusammenarbeit mit Trainer Yahor Yatsyk sieht der introvertierte 27-Jährige nun als Hauptgrund für seinen Erfolg in den jüngsten zwölf Monaten.

Karatsev profitiert von Training mit Medvedev

Bereits Im Spätsommer 2020 hatte Karatsev mit zwei Titeln auf der Challenger Tour sein enormes Potenzial angedeutet.

Auch unlängst bei Russlands Gewinn des ATP Cups war er dabei - und profitierte dabei eigenen Aussagen zufolge sehr von den Trainingseinheiten mit Daniil Medvedev, der in Australien nun ebenfalls im Halbfinale steht, sowie von Andrey Rublev, der in Melbourne immerhin bis ins Viertelfinale vorgestoßen war.

Nicht nur den Journalisten galt Karatsev bisher als unbekannter Mister X – auch Halbfinalgegner Novak Djokovic dürfte vor dem Duell händeringend nach Informationen und Videos zu seinem Kontrahenten suchen.

"Ehrlich gesagt habe ich ihn vor den Australian Open noch nie spielen sehen", sagte der Serbe nach seinem Sieg gegen Alexander Zverev.

Karatsev dürfte das egal sein - und alles dafür tun, dass der Djoker ihn nach der Partie so schnell nicht mehr vergessen wird.