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Melbourne - Daniil Medvedev avanciert auch dank seines Image-Wandels bei den Australian Open immer mehr zum Titel-Anwärter. Doch den Russen zeichnet noch viel mehr aus.

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Dass 2021 mehr denn je mit ihm zu rechnen ist, hatte sich ja bereits bei den ATP-Finals Ende des vergangenen Jahres in London angedeutet.

Da hatte Daniil Medvedev seinen Endspiel-Kontrahentren Dominik Thiem aus Österreich, immerhin noch Nummer 3 der Tennis-Welt, nicht nur dank seiner spielerischen Klasse besiegt, sondern auch mit einem Matchplan ausgehebelt, der für den Russen vor einiger Zeit noch undenkbar gewesen wäre. (SERVICE: Alles zum Tennis)

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Ruhig, fast schon unterkühlt, war Medvedev aufgetreten, für manchen Kritiker schon am Rande der Arroganz gewandelt. Auch in kritischen Spielsituationen ging das Temperament nicht mit ihm durch - ganz anders, als es sein früheres Rüpel-Image vermuten ließ.

"Der Sieg hier wird mich reifer machen. Ich habe jetzt das Selbstvertrauen für die kommenden Grand Slams", hatte der Russe unmittelbar danach erklärt - und sollte Recht behalten.

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Medvedev: Über das Rüpel-Image zum Erfolg

19 Siege in Serie später, elfmal dabei gegen einen Top-10-Spieler, steht Medvedev nun im Halbfinale der Australian Open.

Nach einer Glanzleistung auch im Duell mit Landsmann Andrej Rublev geht es nun gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas, der überraschend Grand-Slam-Rekordsieger Rafael Nadal ausgeschaltet hatte. (Australian Open: Halbfinale Daniil Medvedev - Stefanos Tsitsipas Fr. ab 9.30 Uhr im LIVETICKER)

Es stellt sich die Frage, ob Medvedev auch gegen Tsitsipas die Coolness behält, die ihn seit einiger Zeit auszeichnet.

"Ich feiere meine Siege einfach nicht mehr, das habe ich nach den US Open 2019 so für mich entschieden, als ich Probleme mit den Fans hatte", hatte Russlands bester Tennisspieler unlängst auf eine Reporterfrage entgegnet, warum er denn nicht wenigstens ein paar Emotionen zeige: "Und es geht mir gut damit."

Medvedev, geläutert durch den Erfolg - beziehungsweise: erfolgreich dank einer Läuterung, die ihm nicht jeder zugetraut hätte. (Die ATP-Weltrangliste)

Stinkefinger-Geste und Münzwurf-Eklat

Rückblende: Bei den US Open 2019 hatte der 25-Jährige die Zuschauer im Match gegen den Spanier Feliciano Lopez noch mit einer Stinkefinger-Geste gegen sich aufgebracht - ein provozierendes Interview danach machte es noch schlimmer.

Zwei Jahre zuvor warf Medvedev nach seinem Zweitunden-Aus in Wimbledon Münzen vor den Stuhl der Hauptschiedsrichterin, unterstellte ihr damit indirekt Bestechlichkeit. 2016 wiederum wurde der damals 20-Jährige in der Partie gegen Donald Young wegen unsportlichen wie rassistischen Verhaltens gegenüber Schiedsrichterin Sandy French sogar disqualifiziert.

In der Rolle des Bösewichts gefiel sich Medvedev durchaus: Mal riss er einem Ballkind das Handtuch aggressiv aus den Händen und schleuderte es zu Boden, ein anderes Mal bedankte er sich bei den Fans als deren Hassobjekt Nummer eins auch noch für die feindselige Stimmung.

Medvedev genoss das Pfeifkonzert, stachelte das Publikum mit ausgebreiteten Armen und frechem Grinsen oftmals noch zusätzlich an - um sich hinterher mehr als einmal reuig zu zeigen. Sogar Nick Kyrgios, selbst als Bad Boy verschrien, beschrieb den Russen einmal mit den Worten: "Medvedev. Der Junge ist verrückt."

Daniil Medvedev warf in Wimbledon 2017 Geldmünzen vor die Füße des Schiedsrichters
Daniil Medvedev warf in Wimbledon 2017 Geldmünzen vor die Füße des Schiedsrichters © Imago

Australian Open: Tsitspias weiß, was ihn erwartet

Dabei ist Medvedev, dessen bisher größter Erfolg auf Major-Ebene der Finaleinzug bei den US Open 2019 war, viel mehr als das. Und irgendwie auch wieder nicht.

Der 1,98 Meter große Rechtshänder pflegt einen unorthodoxen und unberechenbaren Spielstil - und immer wieder eine Taktik, die seine Konkurrenten irre macht.

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"Ich habe keinen unglaublichen Schlag. Ich serviere nicht schlecht, aber auch nicht mit mehr als 210 km/h. Es ist einfach die Konstanz von allem. Meine Taktik ist, den Gegner leiden zu lassen", sagte Medvedev einst.

Zu spüren bekommen soll das nun erneut auch Tsitspias. Der Grieche, der von den sechs direkten Duelle gerade mal eines gewann, beschrieb Medvedev einmal so: "Er hat ein sehr seltsames Spiel. Es ist ziemlich schlampig, aber auf eine gute Art und Weise. Sein Spielstil ist komplett anders. Er spielt so flach und tief, gibt dir kaum Winkel."

Der gebürtige Moskauer erklärt sein Erfolgsrezept so: "Ich versuche, die Kontrahenten zu Schlägen zu zwingen, die sie sonst nie machen." (SERVICE: Der Turnierkalender im Tennis)

Eklat um Trainer-Rauswurf

Seine letzte Niederlage musste Medvedev Ende Oktober einstecken, beim Turnier in Wien gegen den Südafrikaner Kevin Anderson - danach folgten die Titel beim Masters in Paris, bei den ATP Finals und mit der russischen Mannschaft beim ATP-Cup in Melbourne.

Spricht also auch beim abermaligen Vergleich mit Tsitspias nun alles für Medvedev? Nicht ganz.

Denn dass der Russe trotz seiner Wandlung vom Bösewicht zum inzwischen sogar heimlichen Fan-Liebling für einen Rückfall in alte Muster gut ist, musste kürzlich erst Gilles Cervara erfahren, der eigene Trainer.

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Gegen Filip Krajinovic hatte Medvedev seinen Coach wiederholt angeblafft, bis dieser schließlich wortlos die Rod Laver Arena verließ.

"Manchmal bin ich eben ziemlich temperamentvoll auf dem Platz", erklärte Medvedev hinterher: "Ich finde aber, ich habe bei der Arbeit für meine mentale Stärke große Fortschritte gemacht."